"Assassin's Creed III": Dieses Spiel ist fast zu groß

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Die Handlung erstreckt sich über Jahrhunderte, insgesamt hat sich das Spiel 40 Millionen Mal verkauft - jetzt ist ein neuer Teil der Serie herausgekommen: In "Assassin's Creed III" zieht man nicht mehr durch Europa, sondern durch Amerika im Unabhängigkeitskrieg. Eine gute Idee, mit Macken im Detail.

Durchgespielt: Assassin's Creed III Fotos
Ubisoft

Der Schluss ist nicht das Ende. Zum Glück. Der Schluss bringt nur das zu Ende, was an der "Assassin's Creed"-Reihe immer gestört hat: Der sinnlos komplizierte "Dan Brown trifft alle Verschwörungstheorien der Welt"-Plot um die Hauptfigur Desmond. Hoffentlich ist der nun für immer vorbei, die Reihe aber nicht. Der wichtigere Teil von "Assassin's Creed", der Spieleserie um kletternde, schleichende, todesmutige Berufskiller im Wandel der Zeiten macht nämlich immer noch viel Spaß.

Doch von vorne: In jedem Teil der mittlerweile seit fünf Jahren laufenden Serie geht es darum, in ein bestimmtes Zeitalter zu reisen und dort Abenteuer zu erleben. Insgesamt an die vierzig Millionen mal haben sich die Teile der Serie zusammengenommen verkauft.

Im ersten Teil bereist man den mittelalterlichen Nahen Osten mit Städten wie Jerusalem oder Damaskus, im zweiten ist es das Italien der Renaissance. Danach kamen zwei nicht nummerierte Fortsetzungen, eine weitere in Italien, eine in Istanbul. Jetzt, in "Assassin's Creed III" geht es ins revolutionäre Amerika des ausgehenden 18. Jahrhunderts. All die vielen Städte sind wunderschön nachgebildet, sie zu durchwandern und in ihnen herumzuklettern ist stets eine Freude.

Ominöse Vorträge von Göttinnen

Die Entwickler glaubten wohl nicht, dass diese Zeitreisen ohne übergeordnete Geschichte funktionieren, und so erfanden sie Desmond. Dieser Nachfahre der Assassinen wird von den heutigen Mitgliedern des Templer-Ordens entführt und in ein Gerät namens Animus gesteckt. Mit diesem reist er in die Vergangenheit, in die simulierten Körper mehrerer seiner Vorfahren, der Assassinen, um dort einflussreiche Templer zu ermorden.

Im Lauf der Serie hat er sich - in unserer Gegenwart - aus der Gewalt der Templer befreit und ist nun mit seiner eigenen Gruppe unterwegs. Leider ist Desmond eine Nervensäge, die eigentlich gar keine Lust auf ihren Job hat. Der besteht im neuen Teil darin, die Welt zu retten. Desmond streitet mit seinem Vater, sucht ominöse Energiequellen und hört sich immer wieder Vorträge von Göttinnen an, die ihm verschwurbelt erklären wollen, was in der Geschichte alles schief gelaufen ist und wie nur Desmond das ändern kann. Am besten ignoriert man das so gut es geht und wendet sich dem eigentlichen Spiel zu.

Sprünge in den Heuhaufen

Bei "Assassin's Creed III" allerdings ist man erst einmal verwirrt. Eigentlich sollte man hier doch einen amerikanischen Ureinwohner spielen. Stattdessen eröffnet ein nicht unbedingt sympathischer Mann das Spiel im Spiel, im Inneren des Animus. Wer das ist und was das alles soll, wird hier nicht verraten. Außer: Es ist der Beginn einer recht geschickt geknüpften Geschichte und außerdem ein gelungenes Tutorial, in dem für Kenner der Reihe kleine Neuerungen vorgestellt werden und in dem andere die Grundzüge der Steuerung lernen. So viel ist allerdings zu tun, dass diese Einführung fast zwei Stunden dauert. Es ist alles ein bisschen viel in "Assassin's Creed III".

Protagonist Connor kann Forts befreien, Convoys angreifen, Stadtviertel sicher machen. Er kann ein kleines Dorf aufbauen, in der Wildnis Briefträger spielen, jagen oder wirklich spektakuläre Seeschlachten führen. Er kann eine Assassinen-Gilde gründen und leiten, Handel treiben, diverse Arten von Objekten sammeln, sich mit Brettspielen die Zeit vertreiben. Und vor allem: Er kann genau so laufen und klettern wie seine Vorgänger. Und das ist wichtig.

In allen "Assassin's Creed"-Teilen geht es nämlich vor allem darum, den Raum zu erkunden. Nicht einfach nur Straßen und Wege entlangzulaufen, sondern Fassaden emporzuklettern, von Dach zu Dach zu springen, die Städte als Spielplatz zu nutzen. Und zwischendurch immer wieder auf die höchsten Gebäude zu klettern und von oben die Gegend zu bewundern und sich dann mit einem gewagten Sprung wieder hinunter in einen Heuhaufen zu stürzen, was zwar albern ist - aber aufregend. Immer wieder, auch im neuen Teil. Hier sind es jetzt die noch jungen Städte Neuenglands wie Boston oder New York, aber auch der dichte Wald, der in verschiedenen Ebenen durchquert werden kann, indem man von Baum zu Baum hüpft - die offene Welt von "Assassin's Creed III" ist atemberaubend und gewaltig. Die höchsten Bäume kann man genauso besteigen wie früher die Kirchtürme von Florenz oder die Minarette von Istanbul.

Die Unterdrückten drohen, Unterdrücker zu werden

Dabei zeigt Connor allerdings die gleichen Schwächen wie seine Vorgänger. Immer wieder läuft er sich fest, springt auf der Flucht vor Wachen aus Versehen an ein Fenster, krallt sich fest und lässt sich nicht so schnell lösen, wie es nötig wäre, um zu entkommen. Es ist, als ob er eigentlich wunderbar flüssig laufen könnte, aber immer mal wieder unvermittelt am Umhang gezogen wird und stolpert. Und kein Schiedsrichter steht dabei und spricht eine Verwarnung aus. Für die zahlreichen Ausritte zu Pferde gilt Ähnliches: Immer wieder bleibt man irgendwo hängen.

Die Kämpfe funktionieren meist flüssig, vor allem dann, wenn man sich Zeit lässt, den richtigen Moment abwartet und nicht in Panik versucht, alle Knöpfe gleichzeitig zu drücken. Das führt unweigerlich zum Tod oder wie es hier heißt, dem Verlust der Synchronisation, was einen immer wieder daran erinnert, dass sich die eigentliche Spielfigur gerade in einem Gerät befindet und eine Zeitreise unternimmt.

Dabei sollte man das besser vergessen und Connors Geschichte folgen. Der Indianer, der Samuel Adams unterstützt, George Washington zur Seite steht, immer wieder gegen die Engländer und ihre Unterstützer kämpft und zum Schluss doch erkennen muss, dass die Unterdrückten im Begriff sind, selbst Unterdrücker zu werden. Allein dafür, dass "Assassin's Creed III" einen kurzen aber nicht minder eindrucksvollen Blick auf diesen oft unterschlagenen Teil des Gründungsmythos der USA wirft, gebührt dem Spiel Respekt.

"Assassin's Creed III" von Ubisoft, für Playstation 3 und Xbox 360 (PC ab 22. November), ca. 60 Euro; USK: Ab 16 Jahren

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insgesamt 26 Beiträge
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1.
Atheist_Crusader 31.10.2012
Ich hätte ja das Zarenreich in der Revolutionsära als Hintergrund bevorzugt, wie es ursprünglich mal zur Debatte stand. Aber ich schätze, das war nicht zielgruppenwirksam genug... Naja, ich mochte die ersten zwei Spiele im Großen und Ganzen, also werd ich's mir wohl mal ansehen.
2. optional
jjaann 31.10.2012
Dass die über Desmond getragene Rahmenhandlung als Prinzip einer mise en abyme der Situation des/der konkreten Spielenden verstanden werden kann und mit dieser Ausstellung der virtuellen Simulation von Welt (schließlich simuliert die simulierte Welt eine weitere Welt) nicht nur eine (de)konstruktivistische Reflexionsebene, sondern darüber hinaus auch eine plausible Erklärung angeboten wird, warum die Spielfigur nicht sterben kann, sondern eben nur "desynchronisiert" wird, missachten Sie leider komplett und hängen sich stattdessen lieber an einer persönlichen Empfindung auf, der ich aus meiner persönlichen Erfahrung mit den Vorgängertiteln sogar widersprechen würde. Desmond funktioniert hervorragend als Zugang zu den historischen Settings. Darüber hinaus erinnert das Spiel den/die Spielende(n)immer wieder einmal daran, dass es (vielleicht) auch noch ein Leben außerhalb der Simulation gibt. Durch die strikte Sanktionierung des Tötens von Zivilisten beugt das Spiel übrigens sogar einer nihilistischen Konsequenz des Konstruktionsprinzips und des Credos der Assasinen („Wo andere blindlings der Wahrheit folgen, bedenket: nichts ist wahr. Wo andere begrenzt sind, von Moral oder Gesetz, bedenket: alles ist erlaubt.") vor.
3. Was ich ganz gerne noch gewusst hätte
KnoKo 31.10.2012
Wie steht's um den Kopierschutz? Ist der Always On-Zwang wieder eingebaut oder hat Ubischrott endlich eingesehen, dass das keine geschäftsfördernde Idee war? Ist es so schwer, auch diesem Thema mal ein oder zwei Zeilen zu widmen?
4.
lasterfahrer 31.10.2012
seit dem spiegel artikel über Red Dead Redemption, in dem der autor so nett war ohne vorwarnung gleich mit das ende des spiels zu spoilern, les ich mir keine artikel über videospiele auf spiegel online mehr durch. das war echt eine absolute frechheit, und zeigt wie stiefmütterlich das thema hier noch behandelt wird. bei einem film würde auch niemand auf die idee kommen in einem artikel das ende zu spoilern.
5.
lasterfahrer 31.10.2012
Zitat von KnoKoWie steht's um den Kopierschutz? Ist der Always On-Zwang wieder eingebaut oder hat Ubischrott endlich eingesehen, dass das keine geschäftsfördernde Idee war? Ist es so schwer, auch diesem Thema mal ein oder zwei Zeilen zu widmen?
Ubisoft hat sich inzwischen von dem always-On kopierschutz auf dem PC verabschiedet. die PC version von AC 3 kommt auch etwas später als die konsolenversionen, die läuft erst am 22.11. vom stapel. aber hat nur eine einmalige aktivierung. siehe hier: Ubisoft: Verzicht auf Always-on-DRM ((PC))- 4Players (http://www.4players.de/4players.php/spielinfonews/PC-CDROM/421/2112312/Ubisoft.html)
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