"Assassin's Creed Origins" im Test Mission Kleopatra

Die Auszeit des Assassinen ist vorbei: Ein Jahr später als üblich kehrt die Spielereihe "Assassin's Creed" zurück, mit einer Zeitreise ins alte Ägypten. Wie spannend sind die Abenteuer im Reich Kleopatras?

Ubisoft

Nilpferde kommen selten allein. Vor allem dann nicht, wenn man die Aufgabe hat, eines von ihnen zu jagen. Dann kommen sie von allen Seiten, um ihren Artgenossen zu helfen. Sie versuchen, das Schiff zu entern, auf das man sich gerade noch gerettet hat.

Sie greifen aber auch an, wenn man arglos durch das Land streift und die Aussicht bewundert. Und das tut man oft in "Assassin's Creed Origins". Schließlich ist das alte Ägypten ein wunderschöner Ort - zumindest in diesem Spiel, mit dem die "Assassin's Creed"-Reihe beweist, dass wieder richtig Leben in ihr steckt.

"Assassin's Creed" ist eine Spielereihe, die von Ubisoft entwickelt wurde und die dieses Jahr mit "Assassin's Creed Origins" ihr zehnjähriges Jubiläum feiert. Was viele Spieler erstaunen wird, schließlich fühlt es sich so an, als gäbe es die Serie schon immer.

"Origins" ist der zehnte Teil der Hauptreihe. Das Universum wuchs über die Jahre mit Büchern, einem Kinofilm und ganzen Enzyklopädien. Manche Kritiker sagen, dass sich "Assassin's Creed" totgelaufen hätte und jede Fortsetzung nur das ewig gleiche Spiel an neuen, spektakulären Orten präsentiert.

Auf Zeitreise ins ptolemäischen Ägypten

"Assassin's Creed" ist eine Spieleserie, die historische Ereignisse mit Verschwörungstheorien verbindet. Auf der Erde findet ein Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen reinem Verstand und Menschlichkeit statt, symbolisiert im Konflikt zwischen Assassinen und Templern. Es wird die Renaissance neu gedeutet, die französische Revolution, der amerikanische Unabhängigkeitskrieg und weitere bedeutende Ereignisse.

Dabei nutzt das Spiel zwei Zeitebenen: In der Jetztzeit schlüpft ein Protagonist in ein futuristisches Gerät namens Animus, um Erinnerungen unserer Vorfahren nachzuspielen und dadurch Hinweise auf Artefakte und historische Zusammenhänge zu bekommen.

Das wirkt einerseits immer wieder etwas bemüht, befreit aber die Entwickler davon, erklären zu müssen, warum im alten Ägypten Computereinblendungen über der Landschaft schweben. Verantwortlich ist der Animus, der den Machern zudem die Möglichkeit gibt, wild in der Zeit herumzuspringen.

Kampf gegen Korruption und Bösartigkeit

"Assassin's Creed Origins" spielt im ptolemäischen Ägypten. Das sieht großartig aus und zeigt eine Landschaft, die von Alexandria über grüne Landschaften am Nil bis zu den Pyramiden und der sie umgebenden Wüste reicht.

Ging die Serie bisher immer weiter in Richtung Gegenwart, macht sie in "Origins" einen Sprung zurück, weit vor dem in Zeiten der Kreuzzügen spielenden ersten Teil und erzählt davon, wie der Geheimbund der Assassinen entstanden ist.

Protagonist ist Bayek, ein junger Mann aus dem Stamm der Medjay, der sich im Laufe des Spiels zu einem Kämpfer gegen Korruption und Bösartigkeit entwickelt und damit dem Assassinen-Orden einen moralischen Kompass vorgibt. Die Geschichte dreht sich um den Konflikt zwischen dem Pharaonen Ptolemaios XIII, seiner Schwester Kleopatra VII und den Römern unter Julius Caesar.

Verbesserte Animationen sorgen für neue Dynamik

Ein neues "Assassin's Creed" kommt immer mit einer Bürde: Das Gameplay ist in einem Grundgerüst festgelegt. Es geht darum, Aufgaben zu erledigen, sich möglichst ungesehen zu bewegen und heimlich Menschen zu ermorden, die den Zielen des Geheimbundes entgegen stehen. Bisher brach nur "Assassin's Creed Black Flag" mit seinen Seeschlachten aus diesem Schema aus und ist damit der spielerisch beste Teil.

Bei "Assassin's Creed Origins" haben sich die Entwickler Zeit genommen, um das Gerüst grundlegend zu überarbeiten. Und es hat dem Spiel sehr gut getan. Es ist viel flüssiger geworden, die verbesserten Animationen geben den Kämpfen eine neue Dynamik.

Bayek bewegt sich elegant durch die Landschaft, erklimmt Gebäude und hat vor allem viel mehr Möglichkeiten, seine Ziele zu erreichen. In Schleichmissionen folgt aus einer Entdeckung nicht mehr unbedingt ein Neustart, das Spiel passt sich dynamisch an. Aus dem Schleichgang wird ein offener Kampf, der viel variabler ist als in den Vorgängern.

Ein Adler als Hilfe

Wer die Spiele von Ubisoft kennt, wird einige Elemente aus anderen Titeln des Entwicklers wiedererkennen. Bayek kann Tiere zähmen und benutzt einen Adler namens Senu, um die Umgebung zu erkunden und Gegner zu markieren. Bei "Far Cry Primal" war das eine Eule, bei "Watch Dogs 2" eine Krone.

Diese Wiederverwendung von Ideen ist bei manchen Gamern nicht so gern gesehen. Was absurd ist, weil schließlich die wenigsten Spiele das Rad neu erfinden. Bei Ego-Shootern wurden beispielsweise sowohl das Grundprinzip als auch die Bildschirmanzeige in den vergangenen Jahrzehnten kaum verändert.

Letztlich zählt aber vor allem, dass sich die ganzen Elemente bei "Assassin's Creed Origins" harmonisch ins Spiel einfügen, dass es einem nach dem ersten Stirnrunzeln ganz normal vorkommt.

"Assassin's Creed Origins" erfindet die Serie nicht neu, überholt aber das Spielprinzip so grundlegend, dass es sich frisch anfühlt. Zudem setzt es in seiner Ambition, ein Land und eine Epoche nachvollziehbar und lebendig zu machen, neue Maßstäbe. Spätestens dann, wenn im nächsten Frühjahr ein Tour-Modus bereitgestellt wird, der aus dem Spiel ein begehbares und interaktives Museum macht. "Origins" ist das beste "Assassin's Creed" seit "Black Flag".

Und es hat viele Nilpferde.


"Assassin's Creed Origins" von Ubisoft, für Playstation 4, Xbox One und PC, ab 60 Euro; USK: Ab 16 Jahren

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Onkel Drops 27.10.2017
1. wieviele teile gabs nach black flag?
klar das der neue Teil der beste seid blag flag ist. viel Text, null Sinn achso Werbung!!! gab auch nie vorher was vergleichbares, thief hust. prince of persia ( da kann man sagen gefühlt schon ewig da !). da bleib ich lieber bei dishonored , Geschmackssache halt. 10 Jahre sind in der gamingwelt gar nichts !!! fragen sie mal den Duke, half life, GTA, final fantasy oder gar den dummen Mario. assasins creed erfand das Rad nicht neu. und Spieltiefe gibts anderswo auch ( Fallout oder Bethesdas Reihe seid Elder scrolls ) hyped das nicht zu doll. in meinen Augen ist es ein weiterer Versuch die Kuh zu melken bis sie ausgetrocknet ist. aber das kennt man ja . ( was soll man den am egoshooter Bildschirminhalt ändern, hud,Energie, Munition ist das was man dort brauch . in Deutschland ist es schlimm genug das man die Vergangenheit in Spielen verbietet, is ja nicht Kunst wie Filme (zumindest sehen das die erlauchten Zensoren der BPjM so, wieviele Games sind umgeändert damit es jenen Moralaposteln zusagt(zB. kein rotes Blut, nicht auf Menschen schießen bis ca 2000, keine ragdoll Darstellung in far cry 1 german und Nazis und deren Flaggen und Abzeichen sind eh Tabu ) ich kaufe uncut aus austria , kein Geld für die deutsche Steuer basta
David McB 27.10.2017
2. Bin sehr gespannt!
A.C. hatte schon immer eine eigene Qualität. abseits vom erprobten Ubisoft-Prinzip, welches auch Far Cry und Watch Dogs trägt, waren immer die tolle Darstellung der Städte ein echtes Highligt. Es macht einfach unheimlich Freude darin zu flanieren, zu klettern und sich umzuschauen. Das alles geht perfekt von der Hand. Während A.C. Teil 1 das zwar schon alles beinhaltet, jedoch durch recht schwache Story und Aufgaben nicht wirklich von hoher Qualität ist, ist Teil 2 schon ein absoluter Höhepunkt des Genres. Persönlich auch mein bisher liebster Teil. Die dichte Story im Dunstkreis der Borgias fesselt ungemein. Teil 3 ging dann wieder deutlich abwärts, Teil 4, Black Flag, brachte sehr spannende, durch den Schwerpunkt Richtung Schiffskämpfe, neue Aspekte ins Spiel und die beiden letzten Folgen in Paris und vor allem London schafften ein unheimlich dichtes und fesselndes Ambiente. Lediglich die enervierenden etwas zu häufig nötigen Kämpfe ermüdeten. Ich bin sehr gespannt auf Origins. Das Setting scheint mir wieder in hervorragender Qualität umgesetzt und ich freue mich auf eine wirklichkeitsnahe Immersion. Dazu passt ja dann auch der in etwa 6 Monaten erscheinende "Touristenmodus".
Atheist_Crusader 27.10.2017
3.
Ich hab ehrlich gesagt gestrichen die Nase voll von Assassins Creed. Nach den ersten zwei Teilen ging es nur langsam bergab. Black Flag war nochmal ein frischer Wind, aber hauptsächlich gerade weil er nicht so viel mit den üblichen Assassinen-Jobs zu tun hatte. Weitere Wermutstropfen: - Die ganze Animus-Nummer ist nur insofern ein Vorteil, dass sie den Aufwand bei den Stroyschreibern reduziert. Dafür ruiniert es aber auch die Atmosphäre (Stichwort: Immersion. Ich will nicht der Typ sein, der einen Typen in einer pseudo-historischen Simulation kontrolliert. Ich will der Charakter sein.) und unterschlägt manches das ein interessantes Spielelement hätte sein können, z.B. die eigenständige Orientierung und Wegplanung anhand von Karten (und die Beschaffung derselben). - Reale Geschichte wird immer recht oberflächlich behandelt. Berühmte Persönlichkeiten kommen vor, allerdings fast immer flach, oberflächlich und aufgesetzt wirkend. - Der fiktive Part der Geschichte ist hingegen eher uninspiriert und langweilig. Noch dazu fragt man sich früher oder später warum man sich noch die Mühe macht, da zu Beginn jedes neuen Spieles irgendwie die Templer wieder stark und die Assassinen wieder schwach sind. Irgendwie scheint es auch ein Gesetz zu geben, dass Protagonisten mindestens ein totes Elternteil haben müssen. Und von der Offensichtlichkeit der Assassinen-Verkleidung fange ich mal gar nicht an. - Und natürlich das erwähnte repetitive Gameplay. Auf Gebäude klettern, langweiliges Secrets-Gesuche, immer wieder die gleichen Missionstypen... da wird es schon langsam schwierig, die einzelnen Teile noch auseinanderzuhalten. Und ich sage das nicht weil ich AC bashen will. Ich mochte die Serie mal, zumindest die ersten paar Spiele. Aber es ist inzwischen so repetitiv, so oberflächlich, so faul geworden wie die zahllosen Fifa-Titel. Jedes Jahr ein kleines Update, ein paar neue Spieler und fertig ist ein Vollpreisspiel. Ich würde die Reihe gerne wieder mögen, aber ich glaube nicht dass Origins das Spiel ist, das dies bewerkstelligen wird.
jojack 27.10.2017
4. Gestern angespielt
Ich habe Assassins Creed Origins gestern angespielt und bin begeistert. Dem positiven Grundton des Beitrags kann ich mich daher komplett anschließen. Gerade die Optik und die Animationen sind atemberaubend. PC-Spieler sollten sich jedoch darauf einstellen, dass man „Ultra“ Einstellungen mit einer happigen Hardware-Ausstattung gerecht werden muss. Mein PC mit GTX 1080 und i7-6700K schafft in „Ultra“ bei 1440p „nur“ 60-70 Bilder pro Sekunde, für 4K reicht es definitiv nicht. Es sei denn, man will auf Konsolenniveau spielen. Außerdem hatte ich einen Absturz, ich hoffe Ubisoft bessert hier zügig nach.
phreak123 28.10.2017
5. Black Flag bester Teil?
"'Assassin's Creed Black Flag' mit seinen Seeschlachten der spielerisch beste Teil." Na, das wage ich mal zu bezweifeln. Assassin's Creed 2 ist ganz klar der beste Teil. Eine erwachsene Story mit tiefen Charakteren. Studenlanges Klettern und Rätseln in riesigen Katakomben und Kathedralen, danach aus irgendeinem Gulli zurück in die gleissende Helligkeit der Stadt schlüpfen und sich fragen "Wo bin ich hier eigentlich und wo wollte ich nochmal hin?" So muss ein Assassin's Creed sein. Und nicht billiges Seeschlachten-Gameplay mit einem Schiffsmast als höchste Kletterherausforderung...
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