Verschollene Atari-Spiele Komm, wir jagen einen Außerirdischen

Irgendwo in der Wüste von New Mexiko liegen sie verbuddelt, seit drei Jahrzehnten: mehrere Millionen unverkaufte Exemplare des legendär schlechten Atari-Spiels "E.T. - Der Außerirdische". Zwei Filmemacher wollen den Spieleschatz nun ausgraben.

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Jonathan Chinn und Mike Burns jagen einen Außerirdischen. Die beiden Filmemacher suchen nach E.T., dem Helden aus Steven Spielbergs Kinofilm. Zum Filmstart 1982 hatte die Firma Atari ein gleichnamiges Videospiel produziert, von dem mehr als drei Millionen unverkaufte Exemplare in einer Müllkippe in der Wüste landeten, zusammen mit anderem Schrott.

Die beiden Filmemacher wollen das Spielegrab nun aufgespürt haben, 30 Jahre später, irgendwo bei Alamogordo. In ein paar Wochen wollen sie mit den Ausgrabungen beginnen, erzählen sie auf dem Technikfestival SXSW in Texas. Das Publikum laden sie gleich mit ein. "Wir hoffen, dass möglichst viele kommen und es ein Happening wird", sagt Jonathan Chinn, "ein Woodstock für das digitale Zeitalter."

"Es ist das furchtbarste Spiel überhaupt, man kann es nicht spielen", sagt Chinn über "E.T.", das auch in der Spielebranche immer wieder als "schlechtestes Spiel aller Zeiten" bezeichnet wird. "Atari verlor 500 Millionen Dollar, dieser Flop war ein Wendepunkt."

Als die gesamte Spielebranche kurze Zeit später in die Krise geriet, ging es auch mit Atari bergab. Die einst erfolgreiche Firma wurde aufgespalten, verkauft und wieder verkauft. Zwischendrin wurden neun Lkw-Ladungen in die Wüste gekippt.

Teil eines Dokumentarfilms über Atari

Wo genau die überschüssigen "E.T."-Exemplare entsorgt wurden, darüber gab es lange Zeit nur Gerüchte. Chinn und Burns glauben nun, die Müllkippe gefunden zu haben, und angeblich wissen sie sogar, wo genau auf dem einen halben Hektar großen Gelände sie graben müssen.

Die Videospiel-Archäologie ist Teil ihres Dokumentarfilms über die Firma Atari. "Dumping The Alien" soll als Teil einer neuen Serie über Digitalthemen erscheinen, die zunächst exklusiv für Microsoft-Kunden auf der Xbox verfügbar sein soll.


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Chinn und Burns wollen in ihrem Film erzählen, warum eine einst bewunderte Firma wie Atari untergehen konnte. Das miese "E.T."-Spiel zeigt für sie am deutlichsten, was schiefgelaufen ist. Dabei war für das Spiel maßgeblich Howard Scott Warshaw verantwortlich, der ein Jahr zuvor das geniale und erfolgreiche "Yars' Revenge" entwickelt hatte.

Mit dem "E.T."-Spiel dagegen hatte Warshaw kein Glück. "Das Spiel sollte in sechs Wochen entwickelt und produziert werden", sagt Chinn, so gesehen sei es dann doch fast ein Meisterwerk. "Die Leute in den Anzügen dachten sich, dass sich das Spiel schon verkauft, nur weil es existiert", erzählt Chinn. Unter den Spielern jedoch habe sich schnell herumgesprochen, wie mies die Spieleadaption des Erfolgsfilms sei.

Geheime Mission in der Wüste

Ob Chinn und Burns in der Wüste tatsächlich etwas finden, ist noch nicht klar. Die Filmemacher sind aber vorbereitet: Sie haben Augenzeugen aufgetrieben und schon vor anderthalb Jahren begonnen, sich um den Papierkram für die Ausgrabung zu kümmern. Bei der Kommune holten sie sich eine Buddelerlaubnis. Um sicherzustellen, dass sie beim Graben nicht auf gefährliche Stoffe stoßen, haben die beiden sogar Bodenproben genommen.

Die Gegend, in der sie "E.T." suchen wollen, hat eine interessante Vergangenheit: 1945 wurde dort die erste Atombombe gezündet, und auch Weltraum-Affe Ham liegt dort begraben. "Wenn wir Schutzanzüge tragen müssen, dann machen wir das", sagt Chinn über die anstehenden Buddelarbeiten. "Das würde im Film noch besser aussehen."

Das Interesse am Film über den Videospiel-Mythos ist schon jetzt beachtlich. "Wir haben Anrufe und Fragen aus Japan, Südafrika, Irland, einfach von überall bekommen", sagt Chinn. Die Erwartungen sind groß, seit die eigentlich geheim gehaltene Mission im Mai 2013 öffentlich wurde. Eine Zeitung hatte damals über ein Treffen der Filmemacher mit Offiziellen der kleinen Stadt Alamogordo berichtet.

Falls das Duo "E.T." letztlich doch nicht findet, wäre es übrigens nicht allzu enttäuscht, sagt Jonathan Chinn: "Dann würden wir feiern, dass der Außerirdische nicht gefunden werden will."

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insgesamt 40 Beiträge
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Seite 1
Mimimat 15.03.2014
1. ???
Ich habe mir das grausame Video eine halbe Minute angetan. aber ich verstehe nicht ganz, was da Sinn und Zweck des Spieles ist. Was sollte das? Zum Thema "Schlechtestes Spiel": Im Amiga.Joker wurde mal eines mit 1 ¾ % bewertet - von 100. Das war ein Strategiespiel, welches nicht mal richtig lauffähig war. Also, den Titel können sich die beiden in jedem Fall streitig machen.
susuki 15.03.2014
2.
Da kriegt man ja Lust das Game zu spielen. Hat jemand einen Link zu einer Atari 400 emulation und dem image des ET-Spieles?
caone 15.03.2014
3. der anfang
das spiel war der anfang der schnell produzierten spiele, die im zuge einer filmveröffentlichung noch geld machen sollten aber qualitativ grütze waren. unzählige sollten folgen. weiteres beispiel: 'enter the matrix'. ebenfalls überstürzt und halbfertig veröffentlicht um den hype auszunutzen. ein guter beweiß dafür, dass videospiele doch ein wenig mehr aufwand in der entwicklung benötigen und nicht nur schnell im vorbeigehen hingerotzt werden können (okay, ausnahmen wie 'flappy birds' ausgenommen).
hador2 15.03.2014
4. optional
Naja, das Spiel erinnert mich irgendwie an Flappy Bird...zumindest was das Frustpotential angeht. Der Unterschied ist, dass letzteres ein riesiger Erfolg ist. Vielleicht war Atari einfach 30 Jahre zu früh dran... ;)
tobyrd72 15.03.2014
5. Weshalb sollte
Ist negativ Faszination ihr Ding? Selbst Spiele die in den frühen 80ern richtig Spaß gemacht haben öden heutzutage nur noch an.
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