"Batman: Arkham Origins" angespielt Knöpfchendrücken mit dem Fledermausmann

Was ist bloß aus Batman geworden? In "Arkham Asylum" und "Arkham City" war der Superheld ein vielschichtiger Charakter, der sich an düsteren Orten gegen geheimnisvolle Verfolger beweisen musste. In seiner neuesten Inkarnation ist er vor allem eines: eine Plappertasche.

Warner

"Ich werde den Pinguin nie finden, es sei denn, ich hacke die Sim-Karte dieses Walkie-Talkies!" "Um den Pinguin zu finden muss ich das Walkie-Talkie finden und seine Sim-Karte hacken!" "Ich muss die Sim-Karte des Funkgeräts hacken!" Ich weiß, Batman. Du musst es nicht dreimal in der Minute sagen. Ich bin bereits auf dem Weg. Ich mache, was du willst. Wenn du endlich den Mund halten würdest.

Exzessive Selbstgespräche sind nicht das Einzige, was an "Batman: Arkham Origins" stört. Sie sind aber das Erste, was auffällt. Dabei steht "Batman: Arkham Origins" doch in einer guten Tradition. Die beiden Vorgänger "Batman: Arkham Asylum" und "Arkham City" sind Meilensteine gewesen.

Die Entwickler des Londoner Rocksteady-Studios haben Batman als Figur ernst genommen. Haben sich eher an den Batman-Visionen von Alan Moore oder Grant Morrison orientiert. Haben einen düsteren Batman gezeichnet. Zweifelnd, sich in Frage stellend, seinen Platz in der Welt suchend. Kein cooler Actionheld, sondern ein vielschichtiger Charakter.

Und sie haben ihn in ein Spiel eingebettet, das rund war. Makellos. In dem man nahtlos vom heimlichen Rächer zum hinterhältigen Angreifer werden konnte. In dem sich die Rollen von Verfolger und Verfolgtem schnell umkehrten. Und in dem jedes Detail stimmte. "Arkham Origins" wurde nicht von Rocksteady gemacht, sondern vom Warner-Studio Montreal.

Langsam wie ein Panzer

Das neue Spiel geht in der Zeit zurück und will die Ursprünge der "Arkham"-Geschichte zeigen. Einen jüngeren Batman. Etwas sorgloser, draufgängerischer - und langweiliger. Der Batman von "Arkham Origins" ist zumindest in den ersten Stunden farblos und eindimensional. Wie man sich einen Actionhelden halt vorstellt. Er fliegt und schwingt sich durch eine menschenleere Stadt.

Er kommentiert jeden Schritt, den er macht und nimmt dem Spieler damit jede Möglichkeit, sich selbst Gedanken zu machen. Hört belanglose Gespräche und prügelt sich fast zufällig mit beliebigen Banditen. Die Einzigen, die sich auf die Straßen der Stadt zu trauen scheinen. Verloren ist die bedrückende, fast unheimliche Atmosphäre der Vorgänger, die das Spielfeld zu einem großen geheimnisvollen Ort machten. Hier scheint alles nur noch Kulisse zu sein. Ohne Tiefe.

Und so unfertig Batman in diesem Spiel ist, so unfertig wirkt das Gameplay. Die präzisen Kämpfe der Vorgänger sind einem ermüdenden Knöpfchendrücken gewichen. Manchmal scheint Batman sich langsam wie ein Panzer zu bewegen. Man möchte ihn fast mit der Hand vom Fleck reißen.

Dann wiederum gibt es unerklärliche Begrenzungen in der Stadt. Auf manche Häuser kann sich Batman mit seinem Seil schwingen, auf manche nicht. Manchmal kann er sich durch die Stadt katapultieren, manchmal nicht. Und die eingeblendeten Erklärungen haben oft genug nichts mit der Aktion zu tun.

"Ich muss das Funkgerät finden!" Und ich werde die Konsole ausmachen, lieber Batman. Oder vielleicht einen der Vorgänger einlegen, um mich daran zu erinnern, wie großartig diese waren.

"Batman: Arkham Origins" von Warner Interactive u.a. für PC, Playstation 3 und Xbox 360; ab 45 Euro; USK: Ab 16 Jahren



insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
apfeldroid 03.11.2013
1. Ehrlicher Testbericht
Wie fast immer macht man den Nachfolger nur um Kohle zu machen, seltenst ist es anders.
4n0nym 03.11.2013
2. witzig
Batman Arkham Origins HAT seine Schwächen, der Autor scheint aber weder die beiden ersten Teile gespielt zu haben (genau so langsamer Start und gleiche Engine), nicht verstanden zu haben, dass Batman noch nicht so frustriert ist wie in den "folgenden" Teilen (redet mehr), dauernd den "Mission-erklären-Knopf" oder ewig gebraucht zu haben (repetives Missionserklären), die Schwiereigkeit auf "easy" gehabt zu haben (langsame Kampfszenen), den Stacheldraht an den Häuserkanten nicht gesehen zu haben und nicht länger als die erste Stunde gespielt zu haben. Natürlich schreibt hier ein butt-hurt Batfanboy, aber die eigentliche Schwäche des Spiels ist, dass es deutlich mehr Blickwinkelprobleme aufweißt, Clippingerrors häufiger auftreten und auch sonst das Spiel abstürtzt. Man könnte eweiterhin bemängeln, dass sich eigentlich nichts großartig geändert hat (Fieberträume diesmal vom Hatter statt Crow oder Ras, Riddlers über die Stadt verteilte Rätsel, usw.). Die Story (ohne zu spoilen weist wieder eine nette Komplexität und auch diverse Überraschungsmomente auf.... Blablabla...wie gesagt, ich Fan, Review absoluter Quatsch! Batman Ende!
z101 03.11.2013
3. Fehler im Artikel ...
... ganz am Ende: "Batman: Arkham Origins" von Warner Interactive u.a. für PC, Playstation 3 und Xbox 360; ab 45 Euro; USK: Ab 16 Jahren Das Spiel ist auch für die Wii U erhältlich. Zudem könnte man noch erwähnen das die PS3 und Xbox360 technisch offensichtlich mit dem Spiel überfordert sind, da ruckelt und zuckelt die Grafik an jeder Ecke. Außerdem haben die Versionen für PS3 und Xbox360 viele Fehler, die sogar zum Absturz des Spiels führen können. Die Wii U und die PC-Versionen kommen da, zumindestens grafisch, besser rüber und haben viel weniger Bugs. Bei der Wii U Version gibt es noch ein paar Extra-Features für das Gamepad, aber nichts weltbewegendes. Ansonsten unterscheidet sich Arkham Origins eigentlich nicht sehr von den Vorgängern, sowohl was die Atmosphäre als auch den Spielaufbau angeht. Aber es wirkt halt in der Beziehung weitaus weniger frisch.
Jaywalker 03.11.2013
4.
Habe die ersten beiden Teile durch und finde nun auch diesen Teil sehr gelungen. Mir muss mal wer erklären, wo der Unterschied bei den Kampfszenen zu den ersten beiden Teilen sein soll? Die Charaktere sind super und geben mir das Gefühl meiner Kindheit mit den guten alten Batman Comics zurück. Wer braucht den immer einen Charakter mit diversen Facetten und einer ständigen Depression? Batman ist ein Comic und soll in erster Linie unterhalten. Und genau das tut dieses Spiel bisher ziemlich gut.
patsche2712 03.11.2013
5. Die...
...Vorgänger bestachen auch durch ihren guten und stimmungsvollen Soundtrack, für den unter anderem die Prog-Rocker von COHEED AND CAMBRIA verantwortlich waren.
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