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"BootChess" Dieses Schachspiel ist nicht einmal ein halbes Kilobyte groß

"BootChess"-Screenshot von Red Star Inc.: Die Schachfiguren werden hier als Buchstaben dargestellt
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"BootChess"-Screenshot von Red Star Inc.: Die Schachfiguren werden hier als Buchstaben dargestellt

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Mit "BootChess" ist ein Schach-Computerspiel erschienen, dessen gesamter Code nur 487 Byte groß ist. Die Entwickler behaupten, damit einen 30 Jahre alten Programmier-Rekord gebrochen zu haben.

Ein halbes Kilobyte ist wirklich winzig. Zum Vergleich: Ein schlichtes Word-Dokument im Doc-Format, in dem nur das Wort "Hallo" steht, ist schon ungefähr 20 Kilobyte groß.

Bislang gilt "1K ZX Chess" als kleinstes Schachspiel, eine 672 Byte kleine Software, deren Code im Februar 1983 in einer Computerzeitschrift abgedruckt wurde. Das Spiel für den Computer Sinclair ZX81 hat sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag.

Mit "BootChess" und seinen 487 Byte gibt es nun einen neuen Rekordhalter - das zumindest behauptet die Demoszene-Gruppe Red Sector Inc., die das Programm veröffentlicht hat. Das optisch wie technisch minimalistische Spiel läuft unter Windows, Linux, OS X, Dos und auf dem freien Betriebssystem FreeBSD, sein Code lässt sich hier einsehen.

Die Figuren werden im Spiel durch Buchstaben dargestellt, P steht etwa für Pawn (Bauer), K für King (König) und Q für Queen (Dame). Manche spezielle Schachregeln sind in "BootChess" integriert, andere fehlen. So können Bauern zwar zum Spielstart zwei Felder vorrücken und zur Dame werden, wenn sie die andere Feldseite erreichen. Ein Umwandeln in eine andere Figur oder ein En-passant-Zug ist laut dem Tech-Magazin "Golem" aber nicht möglich.

Spielen wie mit dem kleinen Bruder

Das Spiel bietet auch einen Computergegner, der jedoch nicht mit denen professioneller Schach-Software zu vergleichen ist. Bei anderen Programmen werde häufig eine künstliche Intelligenz verwendet, "die nach dem Minmax-Prinzip ihre Züge wählt", schreibt "Golem", das heißt: Es werden die möglichen Züge beider Seiten beurteilt und Figurenverluste minimiert und Figurengewinne maximiert.

"BootChess" dagegen maximiere die Figurengewinne, ohne die Verluste zu beachten: "Stattdessen versucht das Programm, die Distanz zum gegnerischen König möglichst klein zu halten."

Auf "DailyTech" wird das Spiel noch etwas kritischer angegangen: Die Behauptung, es handle sich um das kleinste Schachprogramm sei irreführend, heißt es auf der Tech-Website. Das Programm sei ein "amateurhafter Cheater". Denn dem neuen Spiel fehlten sogar Regeln, die in "1K ZX Chess" integriert waren. So sei es in "BootChess" erlaubt, den König so zu bewegen, dass er im Schach steht - ein Zug, der üblicherweise nicht gemacht werden darf.

"DailyTech" schreibt: "Mit 'BootChess' zu spielen ist so wie mit dem kleinen Bruder oder der kleinen Schwester. Es ist wahrscheinlich, dass sie große Töne spucken und nicht besonders gut spielen. Und sie neigen dazu, zu betrügen."



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9 Leserkommentare
wdiwdi 29.01.2015
shalom-71 29.01.2015
sayare 29.01.2015
shalom-71 29.01.2015
criticalsitizen 29.01.2015
shalom-71 29.01.2015
makesomenoise 29.01.2015
mr.gamer 29.01.2015
Timo Schöber 07.02.2015

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