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22. September 2017, 15:02 Uhr

Browserspiel "Bundesfighter II Turbo"

Wenn der Schulz-Zug die Biotonne rammt

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Ein rollender Schulz-Zug und ein Angriff mit dem Selfiestick: In einem Browserspiel lässt das "Bohemian Browser Ballett" Spitzenpolitiker virtuell gegeneinander antreten. Mancher Witz ist recht derbe.

Angela Merkel peitscht Martin Schulz mit einer Echsenzunge aus, Christian Lindner attackiert Sahra Wagenknecht mit einem Golfschläger: Den Wahlkampf gibt es jetzt auch als skurrile Pixel-Prügelei für den Browser. Derber Humor und fiese Seitenhiebe prägen das Spiel "Bundesfighter II Turbo", bei dem sich die Spitzenkandidaten gegenseitig kloppen.

Mit ihrem Browserspiel verfrachten die Komiker des "Bohemian Browser Balletts" den Wahlkampf zurück in die Neunzigerjahre, in die Zeit und Ästhetik von Prügelspielen wie "Super Street Fighter II Turbo".

Ducken, springen, schlagen: Spieler steuern in "Bundesfighter II Turbo" prominente Politiker wie Angela Merkel (CDU), Martin Schulz (SPD) und Christian Lindner (FDP) mit der Tastatur durch verschiedene Schauplätze, unter anderem in Berlin, Frankfurt und Dresden.

Das Spiel ist gespickt mit teils makaberen Anspielungen. So lässt Merkel den verstorbenen Helmut Kohl vom Himmel auf die Kontrahenten plumpsen. Christian Lindner hingegen attackiert seine Gegner als Heuschrecke und in Model-Pose mit einem Selfiestick. Wer bei erfolgreichen Attacken sammelt, der kann Spezialangriffe ausführen. Beim SPD-Spitzenkandidaten ist das beispielsweise ein Mega-Schulz-Zug, der auf den Gegner zurollt.

Die Doppelspitze der Grünen kommt hingegen gar nicht gut weg. Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt rollen chancenlos in der Biotonne über den Bildschirm und greifen den Gegner nicht an - sie hauen nur sich selbst. Das sei wie im echten Wahlkampf, sagt Christian Brandes vom "Bohemian Browser Ballett" auf Anfrage. "Für die Grünen ist es in der Realität genauso hart."

"Keine Sau liest ein Wahlprogramm"

Der Blogger des Portals "Schlecky Silberstein" hat sich zusammen mit seinem Team die Ideen für das Prügelspiel überlegt und einen jungen Entwickler aus Österreich mit der Programmierung beauftragt.

Aber warum überhaupt ein Browserspiel mit Spitzenkandidaten? "Jetzt ist wieder Wahlkampf, und der macht einfach keinen Spaß", sagt Brandes. Da die Satire-Beiträge des "Bohemian Browser Ballett" vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk finanziert werden, habe man einen Bildungsauftrag. Man wolle mit dem Spiel junge Wähler erreichen, denn "keine Sau liest ein Wahlprogramm".

Daher habe man versucht, die charakteristischen Merkmale der Politiker auf die Kämpfer maßzuschneidern. So steigt etwa der AfD-Politiker Alexander Gauland mit "Volksverräter"-Rufen, sein Luftangriff erinnert an ein Hakenkreuz. "Das ist doch kein Hakenkreuz", sagt Brandes, "das ist einfach eine Sprungattacke".

Obwohl es sich nur wie eine abgespeckte "Street Fighter"-Version spielt, macht das Browserspiel durchaus Spaß. Im Netz zeigen sich Fans vor allem vom bissigen Humor und den vielen kleinen Seitenhieben begeistert. "Eine grandiose Art, politische Debatten auszufechten", schreibt ein Nutzer bei Twitter. "Der neue Star am Browsergame-Himmel", meint ein anderer Spieler.

Doch warum greift Angela Merkel ihre Gegner im Spiel eigentlich mit einer Schlangenzunge an und trägt dabei einen Echsenschwanz? Das sei doch ganz klar, sagt Brandes. "Merkel ist natürlich ein Reptiloid, das verschweigen die Medien nur." Da man im Auftrag von ARD und ZDF arbeite, wolle man endlich die Wahrheit ans Licht bringen. "Wir zeigen Merkel originalgetreu."

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