"Café International" Legendäres Brettspiel für iPhone und iPad

Bitte ordnen: 1989 war "Café International" das Spiel des Jahres, nun gibt es eine Tablet-Version. Die kann man dank der Software-Gegner auch allein spielen - mit ähnlichem Suchtpotential wie "Solitär" und "Tetris".


Unterwegs sind Brettspiele unpraktisch, meistens sogar unspielbar. Wer reist schon mit einem Tisch, Platz für Spielsteine und genügend Mitspielern in der U-Bahn zur Arbeit? Abhilfe schaffen Umsetzungen von Brettspielklassikern für Tablets und Smartphones. Entwickler haben schon Klassiker wie "Scotland Yard" oder "Keltis" umgesetzt, nun ist die iOS-Version von "Café International" erschienen, dem Spiel des Jahres 1989.

"Café International" bietet sich für eine digitale Version zum Zwischendurch-Spielen an, weil das Prinzip sehr leicht zu verstehen ist, und die einzelnen Züge schnell ablaufen.

Spielprinzip: Bei dem Legespiel geht es darum, in einem Straßencafé die Gäste an den Tischen zu platzieren. Vier Spieler haben immer fünf Gästekarten auf der Hand. An einem der zwölf Tische mit den 24 Sitzplätzen kann man diese nur nach bestimmten Regeln ablegen. So müssen an einem Vierer-Tisch immer zwei Männer und zwei Frauen sitzen, außerdem muss man auf die Nationalitäten achten. Jeder Tisch ist für Besucher aus einem bestimmten Staat reserviert. Aber da ein Sitzplatz zwischen bis zu drei Tischen steht, kann man mischen - solange ein Spanier noch einen Spanien-Tisch in der Nähe hat, leistet er auch gerne den US-Bürgern nebenan Gesellschaft.

Ablauf: In jeder Runde kann man bis zu zwei Gästekarten ablegen, ist ein Tisch komplett besetzt, darf man eine neue Tischkarte legen. Für erfolgreich besetzte Plätze gibt es Punkte, je mehr Tischnachbarn man mit der neuen Gesellschaft beglückt, umso mehr Punkte erhält man. Gewonnen hat der Spieler mit den meisten Punkten, wenn die Bar belegt oder alle Gäste- oder Tischkarten ausgegeben sind. Das Spiel wird stark vom Kartenglück beeinflusst, allerdings gibt es einige taktische Möglichkeiten: Man kann Joker platzieren und später gegen normale Karten austauschen, die Punktzahl verdoppeln, indem man nur Karten einer bestimmten Farbe an einen Tisch legt und in die Karten der Mitspieler schauen.

Umsetzung: Man kann mit bis zu drei echten Mitspielern spielen (dann reicht man das iPhone oder iPad herum) oder die Software ein, zwei oder drei Mitspieler übernehmen lassen. Auch alleine, gegen die künstliche Intelligenz (die Spielstärke kann man vorher einstellen) gespielt, bereitet "Café International" großes Vergnügen - und hat das Suchtpotential von "Solitär" (beziehungsweise dem Analogvorbild Patience). Der Mehrspieler-Modus ist nett, allerdings wäre eine Version mit mehr als einem Display besser. Die Entwickler versprechen für die Zukunft eine neue Version, bei der man auch online gegen echte Mitspieler an anderen Geräten antreten kann.

Die Grafik ist Geschmackssache: Die Entwickler sind stolz darauf, dass sie die Original-Cartoonfiguren des Spieldesigners Rudi Hoffmann übernehmen durften. Allerdings sieht man denen an, dass sie Ende der Achtziger Jahre gezeichnet wurden. Und warum muss jeder weibliche Gast aus der Türkei eigentlich ein Kopftuch tragen? Warum sieht jeder Deutsche aus wie ein Bayer? Abgesehen davon: Der iPhone-Bildschirm ist für die Darstellung des kompletten Spielfelds zu klein, man kann die Karten so gerade eben noch erkennen, aber Menschen mit Sehschwäche werden sicher die Software-Lupe nutzen. Auf dem großen iPad-Bildschirm hat man hingegen keine Probleme.

Fazit: Wie "Solitär" und "Tetris" hat "Café International" eine denkbar einfache, aber immer wieder fesselnde Spielmechanik. Die Umsetzung ist von der Retro-Grafik einmal abgesehen ordentlich, dank der Software-Mitspieler kann man auch allein oder zu zweit spielen, was ein enormer Gewinn ist.

"Café International", iOS, 3,99 Euro

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