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"Call of Duty: Advanced Warfare": Kevin Spacey will dich für seine Privatarmee!

Von Stephan Freundorfer

"Call of Duty Advanced Warfare": Spacey statt Skandal Fotos
Activision

Der elfte Teil der Shooter-Serie "Call of Duty" setzt auf Kevin Spaceys Schauspielkunst, weniger auf Gewaltorgien. Für einen Neuanfang der Serie reicht das nicht.

Der Bösewicht in "Call of Duty: Advanced Warfare" heißt eigentlich Jonathan Irons. Aber so, wie Kevin Spacey den Militärunternehmer aus der Privatwirtschaft spielt, erinnert das gleich an Frank Underwood, den ruchlosen Kongressabgeordneten aus der TV-Serie "House of Cards". Dabei wurde Spacey die Rolle lange vor der Premiere der Netflix-Serie auf den Leib geschrieben.

Der Videospiel-Bösewicht, ein größenwahnsinniger Industrieller, will die Welt endgültig vom Krieg befreien und folgt dazu seiner selbstgerechten Moral. Sein Ziel erfordert natürlich erst einmal ausgedehnte Kampfhandlungen. Das ist die Rahmenhandlung der mittlerweile elften "Call of Duty"-Episode.

Die Spieleserie des US-Publishers Activision steht vor einer großen Herausforderung: Seit "Modern Warfare 3" sinken die Verkaufszahlen. Das war vor drei Jahren, 775 Millionen Dollar setzte das Spiel damals in den ersten fünf Verkaufstagen um. Schätzt die Branchenseite vgchartz.com für "Modern Warfare 3" noch rund 29 Millionen verkaufte Spiele, kommt der Nachfolger "Black Ops 2" auf 27,3 Millionen und die letztjährige Episode "Ghosts" schließlich nur noch auf 23,6 Millionen.

Dem Start einer neuen Konsolengeneration - traditionell eine schwierige Zeit für die Spielehersteller - lässt sich dabei nur bedingt die Schuld zuschieben. Schließlich vergrößerte sich dank dem Start von Xbox One und PS4 die Zahl der Plattformen, für die Hersteller Activision seine Militär-Shooter anbietet. Vielmehr leidet die Serie daran, Erfolgsrezepte wiederholen zu müssen.

Spielerisch alles beim Alten

Zum ersten Mal in der "Call of Duty"-Geschichte hatte ein Entwicklerteam nun drei statt zwei Jahre Zeit, die Serie weiterzuentwickeln. Doch trotz offensichtlicher Anstrengungen ist genau das dem kalifornischen Studio Sledgehammer Games nicht gelungen.

"Advanced Warfare" ist ein typisches "Call of Duty". Solospieler werden auf normalem Schwierigkeitsgrad rund sechs Stunden durch eine strikt durchinszenierte Story-Kampagne getrieben. Multiplayer-Fans beschäftigen sich online in verschiedensten Modi, wobei Erfahrungsstufen, Auszeichnungen und die stetige Versorgung mit neuen Waffen und Ausrüstungsgegenständen für Motivation sorgen sollen. Zumindest bei kompetitiven Naturen und Könnern.

Damit auch Einsteiger auf den Online-Geschmack kommen, gibt es mit dem "Combat Readiness Program" einen neuen Modus, in dem ohne Wertung, Belohnung und Wissen, welcher Gegner nun menschlich und welcher computergesteuert ist, erste Erfahrungen gemacht werden können. Immerhin eine nette Idee.

Im Effektgewitter um den Globus

Trotz seines 40 Jahre in der Zukunft liegenden Szenarios und der Ausstattung der Kämpfer mit Exoskeletten und Hightech-Waffen unterscheidet sich "Advanced Warfare" bei der Spielmechanik kaum von den Vorgängern. Immer noch werden rund um den Globus Horden mäßig intelligenter Feinde abgeknallt, in Lagos, Bagdad und Seoul, auf der griechischen Insel Santorin, in einem bulgarischen Wald oder inmitten der Antarktis.

Eingestreute Fahrsequenzen am Steuer von Schnellboot, Panzer, Jet oder Hoverbike und der Einsatz einer ferngelenkten Drohne dienen gleichermaßen kurzer wie anspruchsloser Abwechslung. Dramatische Szenen, in denen das pure Chaos auf dem Bildschirm ausbricht, es an allen Ecken kracht und gewaltige Bauwerke effektvoll in sich zusammenstürzen, sorgen für den von "Call of Duty" gewohnten Hollywood-Schauwert.

Luft nach oben

Wenigstens inhaltlich hebt sich das neue "Call of Duty" von den mal wirren, mal von Pathos triefenden oder durch Folter und Zivilistenmord skandalisierten Episoden der letzten Jahre ab. Zuvorderst ist das dem furios aufspielenden Kevin Spacey geschuldet, dessen aufwendig digitalisierte Gestik und Gesichtszüge in ungekannt realistischen Animationen wiedergegeben werden.

Daneben erzählt "Advanced Warfare" eine für Videospielverhältnisse gelungene Zukunftsgeschichte, in der altgediente Machtblöcke und strapazierte Feindbilder ausgedient haben. Zu Beginn geht es zwar auch nicht ohne nordkoreanische Invasoren und tschetschenische Terroristen. Dann aber werden die Spieler mit den dramatischen Folgen der Privatisierung von Krisenbewältigung und Krieg konfrontiert.

Der Erzählung hilft, dass der Spieler serienuntypisch nur einen einzelnen Charakter mimt. Dessen Schicksal ist eng mit dem von Jonathan Irons verwoben, der aber leider im Spielverlauf vom geradezu feingeistigen Frank Underwood zum plumpen Bond-Bösewicht mutiert. Da kann auch Kevin Spacey nicht mehr helfen.

"Advanced Warfare" gelingt letztlich nur ein zaghafter Schritt in Richtung Neuanfang der "Call of Duty"-Serie. Um mehr zu sein als ein plakativer Fast-Food-Shooter mit ausgefeilter Multiplayer-Komponente, genügt ein einzelner Charakterdarsteller leider nicht. Egal, wie engagiert er seine Rolle spielt.

"Call of Duty: Advanced Warfare" von Activision, für PC, PS3, PS4, Xbox 360, Xbox One, ca. 60 Euro; USK: Ab 18 Jahren

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insgesamt 12 Beiträge
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1. mulitplayer
losprimeroska 03.11.2014
das spiel ist absolut nicht auf den singleplayer ausgelegt. den gibts nur, damit es ihn halt gibt. über den hauptspielbestandteil kein wort, was den artikelwert gegen null gehen lässt.
2. Neuanfang?
needforseat 03.11.2014
Wofür? Die Call Of Duty Serie war von Modern Warfare bis Modern Warfare 3 super! Wofür der ganze Zukunftsmist? absolut unpassend für die sonst bis dahin sehr gut gelungene Serie. Eine Verbesserung der Grafikleistung und eine Fortsetzung der Story in der Gegenwart - d.h. nach MW3 hätte meines Erachtens sehr viel mehr den Nerv der Spieler getroffen.
3. Im Gegenteil
w.ill 03.11.2014
Meiner Meinung nach ist das Hauptproblem, dass die letzten Teile zunehmend High-Tech-Waffen und Fantasiegegner hatten und zu weit vom Original abwichen. Wenn ich gegen fliegende Roboter, Aliens oder ähnlich mühsame Gegner kämpfen wollen würde gäbe es genügend andere Titel die genau darauf spezialisiert sind. CoD 1 (+ Expansion) und 2 waren genial (und mich erfreute besonders dass man Nazis insb. in Teil 1 an originalgetreuen historischen Schauplätzen bekämpfte), daher habe ich beide in Originalversion gekauft (weil ich so begeistert war dass ich das Spiel fördern/honorieren wollte). "Modern Warfare" 1 war auch gut, aber die "Modern Warfare"-Serie wurde immer langweiliger und der 3. Teil war so mies dass ich (nachdem ich ihn bei Freund angetestet habe) befand dass er nicht mal den Aufwand der Installation wert wäre. Ich will wieder ein Weltkriegs-Call of Duty (mit moderner Grafik, CoD2 ist optisch doch etwas angestaubt und durch das Scripting ist es wenn man es so wie ich mehrmals durchgespielt hat auch absolut vorhersehbar), oder zuallermindest eines ohne Sci-Fi-Gegner. Solange fliegende Roboter in CoD vorkommen ist die Serie für mich gestorben.
4. Nichts Neues
brutus_beefcake 03.11.2014
CoD ist doch nur noch zum Gelddrucken für HR. kotick gut. In den vergangenen Jahren nur minimale Änderungen in der Grafik, auspressen der Spieler mit DLC, der teilweise schon in älteren Spielen vorhanden war, Probleme mit dem Matchmaking System, usw... Hat nur drei Jahre gedauert bis es den Spielern gereicht hat.
5.
orosee 03.11.2014
"Call of Duty" ist ja nun schon seit Jahren zum Schimpfwort geworden. Beschwert sich einer über einen hohen Schwierigkeitsgrad? "Dann Spiel doch CoD." Linearer Ablauf mit vielen Cut Scenes und QTS? "Dröge wie CoD." Dabei sind die Geschichten oft besser als Kinofilme, statt das Spiel zu kaufen schau ich mir seit MW3 eigentlich nur noch kommentierte Let's Plays auf YouTube an. Für Multiplayer mag es anders sein, ob es gut ist oder nicht erfahre ich auch durch YT.
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