"Call of Duty: Infinite Warfare" im Test Herzloser Aufbruch ins All

Raumschiff statt Flugzeugträger: Der neueste Teil des Shooters "Call of Duty" spielt nicht auf der Erde, sondern im Weltraum. An Ehrgeiz mangelt es dem Spiel nicht - dafür aber an fast allem anderen.

Von Tobias Hanraths


Spoiler-Hinweis: Dieser Artikel fasst grob zusammen, um was es in der Kampagne von "Call of Duty: Infinite Warfare" geht.

Es gibt Spiele, deren Einfluss Jahre nach dem Erscheinen noch zu spüren ist - so wie "Call of Duty: Modern Warfare". 2007 war das rasante Gameplay des Shooters der Konkurrenz meilenweit voraus. Der Multiplayer-Modus stülpte dem klassischen Deathmatch Rollenspiel-Elemente über und dient damit bis heute vielen Spielen als Blaupause. Und die Story kombinierte Hollywood-Bombast mit nie gesehenen Schockeffekten sowie einigen leisen Zwischentönen - und wurde damit sogar zum Kritiker-Liebling.

Heute ist "Call of Duty" eine der erfolgreichsten Videospiel-Serien der Welt. Die Popularität von "Modern Warfare" erreichte aber keiner der zahlreichen Nachfolger. Ganz egal, ob im kalten Krieg ("Black Ops"), in der nahen Zukunft ("Advanced Warfare"), in der Rechtsaußen-Fantasie von "Ghosts" oder in der wirren Science-Fiction von "Black Ops 3": Irgendwer hatte immer was zu meckern.

Weltraumkrieg im U-Boot-Cockpit

Die aktuelle Episode führt die Serie nun in den Weltraum:

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Neuer Shooter: So sieht "Call of Duty: Infinite Warfare" aus

"Call of Duty: Infinite Warfare" spielt aber nicht in der fernen Zukunft von "Star Trek", sondern in den Anfangsjahren des Weltraumkriegs. Statt mit Laserstrahlen wird hier meistens noch mit Kugeln geschossen, statt der Apple-Store-Brücke der aktuellen Enterprise wirkt die Einrichtung der Raumschiffe hier eher wie aus einem modernen U-Boot.

Schade nur, dass "Infinite Warfare" aus diesem frischen Szenario fast nichts macht. Zwar darf der Spieler ab und zu per Abfangjäger durchs All flitzen - allerdings sind die Gefechte viel zu anspruchslos, um bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Abseits davon besteht "Infinite Warfare" fast nur aus den immer gleichen Massenschießereien.

Die sind zwar bombastisch inszeniert wie immer und auch das Spielgefühl ist unverwüstlich gut. Allerdings gibt es von "Battlefield" bis "Titanfall" inzwischen mehrere andere Shooter, die sich ähnlich gut oder besser anfühlen - und dabei mehr spielerische Freiheit und Kreativität bieten.

Klischeeparade statt echter Geschichte

Dass der Funke nicht so recht überspringen will, liegt auch an der Geschichte des Spiels. Die ist zwar aufwendig inszeniert, bietet aber kaum mehr als eine Sammlung abgegriffener Kriegsfilm-Klischees. Schauspieler wie David Harewood ("Homeland") und Kit Harington ("Game of Thrones") geben sich alle Mühe, den pathetisch-bierernsten Dialogen und hauchdünnen Charakteren Farbe zu verleihen, haben aber keine Chance gegen das schwache Material.

Szene aus "Infinite Warfare"

Szene aus "Infinite Warfare"

Unterhaltungswert hat das alles trotzdem, vor allem in der ersten Hälfte. Hier bietet "Infinite Warfare" auch ungewohnt viel spielerische Freiheit. So darf der Spieler als Kapitän eines Raumschiffs zum Beispiel entscheiden, welche Mission er als nächstes absolviert. Doch als die Handlung gerade in Schwung kommt, stolpert sie schon ins Finale - das sich dann wiederum unnötig in die Länge zieht.

Multiplayer ohne neue Ideen

Allerdings ist die Kampagne in "Call of Duty" immer nur Teil des Pakets. Darüber hinaus gibt es den kooperativen Zombie-Modus für bis zu vier Spieler, diesmal im Stil alter Horror-B-Movies und mit einem Gastauftritt von David Hasselhoff. Herzstück der Serie ist aber schon lange der Mehrspielermodus. Ästhetik, Regelwerk und Spielgefühl orientieren sich diesmal weitgehend am Vorgänger "Black Ops 3".

Spieler können also zum Beispiel an Wänden entlanglaufen oder per Jetpack durch die Luft flattern. Allerdings wirken die Level nicht so, als seien sie wirklich für so viel Bewegungsfreiheit gebaut. Ansonsten gibt es im Mehrspielermodus die übliche Tretmühle aus Levelaufstiegen, freischaltbaren Fähigkeiten und Waffen. Für Fans der Serie ist das essenziell - Neueinsteiger fällt es allerdings schwer, sich in dem Wirrwarr aus Menüs zurechtzufinden.

Dass das nicht immer so war, zeigt ein Blick in die Vergangenheit: Den teureren Editionen des Spiels liegt ein Remaster, also eine neue Neuauflage von "Modern Warfare" bei, inklusive Kampagne und Mehrspielermodus. Dessen etwas angestaubte Grafik wurde teils kräftig aufgefrischt - szenenweise sieht der Klassiker kaum schlechter aus als sein Nachfolger.

Die Frage ist nur, ob sich Activision mit diesem Remaster einen Gefallen getan hat. Denn im direkten Vergleich wird besonders deutlich, was "Infinite Warfare" fehlt. Der Urahne ist zwar ein kleineres und simpleres Spiel - aber eben auch ein klar besseres. "Infinite Warfare" hat im direkten Vergleich vielleicht mehr Explosionen und definitiv mehr Pathos. Doch das Herz der Serie ist beim Aufbruch ins All irgendwann abhanden gekommen.


"Call of Duty: Infinite Warfare" für Playstation 4, Xbox One und PC, ca. 60 Euro - als "Legacy Edition" inkl. "Call of Duty: Modern Warfare Remastered" für alle drei Plattformen ab 70 Euro. Separat ist das Remaster von "Modern Warfare" aktuell nicht erhältlich.



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
kevinschmied704 06.11.2016
1. mmh ich kann mich damit nicht anfreunden
an den ersten teil der Serie reicht keines heran. die spieltiefe und die Größe der sp Kampagne ist bis heute ungeschlagen. die mp haben das game kaputt gemacht und den Entwicklern ein gefallen getan.
Bueckstueck 06.11.2016
2.
Zitat von kevinschmied704an den ersten teil der Serie reicht keines heran. die spieltiefe und die Größe der sp Kampagne ist bis heute ungeschlagen. die mp haben das game kaputt gemacht und den Entwicklern ein gefallen getan.
Hä? Die Reihe war immer auf Multiplayer ausgelegt, auch in Modern Warfare. Die single player Elemente waren im Vergleich zu anderen Spielen dieser Machart (Refrenz: Operation Flashpoint - das kam 6 Jahre früher auf den Markt!) nur ein Feigenblatt um auch alle anderen Spielern einen Grund zu geben es zu kaufen.
obscuro 06.11.2016
3. Nicht meins.
Bis einschließlich MW hat mich CoD mitreißen können. Danach konnte mich CoD weder im Einzelspieler noch im Multiplayer wirklich begeistern.
silenced 06.11.2016
4.
Zitat von BueckstueckHä? Die Reihe war immer auf Multiplayer ausgelegt, auch in Modern Warfare. Die single player Elemente waren im Vergleich zu anderen Spielen dieser Machart (Refrenz: Operation Flashpoint - das kam 6 Jahre früher auf den Markt!) nur ein Feigenblatt um auch alle anderen Spielern einen Grund zu geben es zu kaufen.
Das originale CoD mit den drei Kampagnen, die US, die Britische und die Russische (welche bis heute unterreicht ist in der Hinsicht, ist mehr als zu empfehlen mal zu spielen, trotz des Alters), war primär ein Singleplayer Spiel. Der zweite Teil war schon extrem Casual und hat keinen Spaß mehr gemacht.
Jack Torrance 06.11.2016
5. Sehen alle gleich aus
Welche Rolle soll David Harewood in "The Wire" gespielt haben?
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