"Call of Duty: WW2" im Test Zurück in den Zweiten Weltkrieg

"Call of Duty" ist vor allem ein Action-Spektakel. Der neueste Teil "WW2" spielt wieder dort, wo die Shooter-Reihe anfing, im Zweiten Weltkrieg. Und: Er schafft es manchmal sogar, zum Nachdenken anzuregen.

Activision

Spoiler-Hinweis: Dieser Artikel fasst grob zusammen, um was es in der Kampagne von "Call of Duty: WW2" geht.


In "Call of Duty" gab es schon allerlei fiktive Konfliktherde. Mal tobte in der Shooter-Reihe ein zweiter Kalter Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und China, mal griff ein Zusammenschluss südamerikanischer Länder die USA an. Und einmal wollte eine von Kevin Spacey angeführte Privatarmee die Weltherrschaft an sich reißen. Spätestens mit dem auf Weltraumschlachten getrimmten "Call of Duty: Infinite Warfare" war ein Großteil der Spieler der Zukunftsthemen jedoch überdrüssig, was die rückläufigen Verkaufszahlen belegten.

"Call of Duty: WW2" soll das nun ändern, die Entwickler von Sledgehammer Games setzen dafür wieder auf ein historisches Setting. Anders als beim Konkurrenten "Battlefield 1" rückt hier aber nicht der Erste Weltkrieg in den Fokus, sondern der Zweite.

Die Macher des Spiels kehren also in genau die Epoche zurück, mit der die Marke "Call of Duty" im Jahr 2003 ihren ersten Achtungserfolg feierte und sich in der Folgezeit zu einer der bekanntesten Videospielserien der Welt entwickelte.

Saving Private Daniels

Ausgangspunkt der je nach Spielweise sieben- bis achtstündigen Storykampagne ist der 6. Juni 1944. D-Day, die Alliierten landen in der Normandie. In "WW2" ist der Spieler als Private Ronald Daniels dabei.

Schon hier fällt auf: Egal, ob Daniels und seine Kameraden den Strand von Omaha Beach stürmen, deutsche Bunker ausräuchern oder blutverschmierte Schützengräber durchkämmen - die Gewaltdarstellung ist schonungsloser als in allen bisherigen Serienteilen. Explodierende Granaten oder Projektil-Direkttreffer sorgen nicht selten dafür, dass Freund und Feind mehrere Gliedmaßen verlieren - und manchmal sogar Köpfe.

Auch erhängte Zivilisten, verwesende Tierkadaver und schwer verwundete, um Hilfe schreiende Wehrmachtsoldaten belegen, dass "WW2" sich nicht scheut, alle Grausamkeiten des Krieges aufzuzeigen, in dem mehr als 65 Millionen Menschen starben. Das unterstreichen auch die sogenannten Heldentaten - optionale Aufgaben, die man in jeder der insgesamt elf Missionen absolvieren kann.

In der Schlacht um Aachen etwa muss man sich entscheiden, ob man ein Mädchen und ihren Teddybären aus dem Kellergewölbe eines Wohnhauses retten möchte. Im Hürtgenwald hingegen liegt ein Kamerad in der Schusslinie eines Scharfschützen und fleht um Hilfe.

Ein wenig Nachdenken

Solche Momente machen "WW2" zwar nicht zum moralischen Anti-Kriegsspiel, sie verleihen der Action aber durchaus eine nachdenklich stimmende Komponente. Genau wie bei "Battlefield 1" wird jedoch die Perspektive der Deutschen in der Kampagne nicht gezeigt, der Spieler agiert stets auf Seiten der Alliierten.

In spielerischer Hinsicht liefert "WW2" Bewährtes, bei den kleineren Anpassungen sticht das neue Gesundheitssystem hervor. In fast allen "Call of Duty"-Teilen genügte es, die Spielfigur nach intensivem Feindbeschuss in Deckung zu manövrieren. Die Lebensenergie des Helden regenerierte sich kurze Zeit später auf magische Weise von selbst.

Diese Idee sollte dem Spielfluss zugutekommen, Realismus und Immersion profitierten jedoch selten davon. Was nun wohl auch Sledgehammer Games dazu bewog, die Medkits wieder einzuführen. Diese Verbandskästen liegen entweder in unregelmäßigen Abständen im Level herum oder können unter bestimmten Voraussetzungen bei einem Teamkamerad auf Knopfdruck angefordert werden.

Kein leichtes Spiel

Die Folge: Schon auf dem normalen Schwierigkeitsgrad spielt sich "WW2" fordernder als seine Vorgänger. Man agiert vorsichtiger, kriecht regelmäßiger auf allen Vieren im Dreck, kundschaftet Situationen gewissenhafter aus und macht häufiger Gebrauch von den praktischen Kameraden-Unterstützungsmanövern.

Das Mittendrin-Gefühl ist überzeugender als etwa in den Vorgängern "Infinite Warfare" oder "Advanced Warfare" - nicht zuletzt, weil einige Levelabschnitte offener angelegt sind und der ansonsten recht vorhersehbar agierenden künstlichen Intelligenz etwas mehr Raum zum Taktieren geben.

Hinzu kommt, dass überraschend oft nicht nur Durchballern zum Ziel führt, sondern auch wohlüberlegtes Schleichen. Die Brillanz der Kampagne des Fan-Lieblings "Modern Warfare" von 2007 erreicht "WW2" jedoch nicht. Auch, weil das abwechslungsreich inszenierte Spektakel zu abrupt endet.

Erstmals mehrstufige Multiplayer-Schlachten

Abgerundet wird "WW2" serientypisch von einem kooperativ spielbaren Zombie-Modus sowie einem umfangreichen Multiplayer-Komplex. Dabei setzt die Serie diesmal nicht nur auf bewährte Spielvarianten auf neun neuen Karten. Die Entwickler ließen sich für "WW2" auch von den sogenannten Operationen aus "Battlefield 1" inspirieren. Das Ergebnis des neuen "Krieg"-Modus sind packende, in mehrere Phasen und Levelbereiche unterteilte Schlachten für bis zu sechs Spieler pro Team (siehe Fotostrecke).

Insgesamt ist "Call of Duty: WW2" ein gutes, wenn auch nicht rundum gelungenes Shooter-Paket. Die Kampagne ist fordernd und intensiv, insgesamt aber etwas kurz. Der Mehrspieler-Part punktet mit einsteigerfreundlichen Koop-Partien im Zombie-Modus sowie dem neuen "Krieg"-Modus, bietet sonst aber Gewohntes ohne bahnbrechende Innovationen.


" Call of Duty: WWII " von Activision, für PC, Playstation 4 und Xbox One; ca. 60 Euro; USK: Ab 18 Jahren; getestet auf einer Playstation 4 Pro auf einem mehrtägigen Review-Event. Dieser fand Ende Oktober in San Francisco statt, der Autor konnte dort sämtliche Spielmodi über einen Zeitraum von mehreren Tagen ausführlich testen.

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vish 04.11.2017
1. Und jetzt alle zusammen:
"Ego-Shooter sind nur für perverse Gewaltfanatiker, erschaffen Amokläufer, sollten nicht existieren und sind überhaupt ganz, ganz doof!" Danke für den Artikel, freut mich, dass CoD wieder zurück zu den Wurzeln gefunden hat. In den letzten Jahren wurden die Settings ja wirklich immer verrückter.
Euronymus 04.11.2017
2. Endlich...
Das wird dann wohl das erste CoD dass ich mir nach Jahren mal wieder kaufen werde. Klingt alles sehr vielversprechend, und das WW2 ist einfach am interessantesten. Beim ersten price drop werde ich zuschlagen, bis dahin bleibt noch genug anderes zum daddeln...
jklas 07.11.2017
3.
Uns trotzdem war Activision noch nichtmal in der Lage, einen Großteil der Fahrzeuge in der Kampagne auch nur annähernd richtig zu modellieren. Ich hab 10 Jahre alte Spiele gesehen, die das besser hingekriegt haben....
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