Onlinespiele à la "Clash of Clans" So wenig Spaß für so viele Klicks

Wer mobil spielt, liebt mittelalterliche Königreiche. Das legen die App-Charts nahe, wo "Clash of Clans" und seine Klone Spitzenplätze belegen. Woher kommt die Faszination? Ein Selbstversuch - mit fünf Titeln auf einmal.

Von Tobias Hanraths


Was wollte man noch gleich ausprobieren? Schon die Namen all dieser Online-Strategiespiele in den App-Charts klingen ähnlich: "Clash of Clans", "Game of War: Fire Age", "Empire: Four Kingdoms", "DomiNations", "Clash of Kings". Da ist es nur konsequent, dass die Spiele für iOS und Android dasselbe Grundprinzip haben: Königreich bauen, Soldaten ausbilden, andere Spieler angreifen.

Was die Spiele so erfolgreich macht, lässt sich wohl am besten durch einen kleinen Test herausfinden - also werden die genannten Spiele alle heruntergeladen. Und so ein Direktvergleich liefert durchaus Erkenntnisse: Schon nach kurzer Zeit wird etwa klar, wo sich die Entwickler voneinander haben inspirieren lassen.

In den ersten Minuten taucht zum Beispiel überall ein Berater auf, gern eine leicht bekleidete Frau, die die ersten Schritte des Spiels erklärt. Und auch die ähneln sich: Alles beginnt mit einer Holzfällerhütte oder einer Goldmine. Dann folgt ein Lager für die gewonnenen Rohstoffe, dann die Kaserne, dann geht es den benachbarten Räubern an den Kragen. Das macht am Anfang auch Spaß. Die Untertanen wuseln glücklich herum, und die Siedlung wächst in angenehmem Tempo. Einblicke in die Spiele liefert unsere Fotostrecke.

Dass alle Spiele auffallend ähnlich ablaufen, hat einen Grund: Das Rezept ist erfolgreich. Supercell, der finnische Entwickler von "Clash of Clans", hat 2014 allein mit dem Spiel und den zwei kleineren Titeln "Boom Beach" und "Hay Day" rund 565 Millionen Dollar Gewinn gemacht. Und Machine Zone, den Entwicklern von "Game of War", geht es offenbar kaum schlechter. Beide Firmen verdienen genug, um ihren Spielen teure Werbespots während des Super Bowls zu spendieren, mit Stars wie Liam Neeson und Model Kate Upton in den Hauptrollen.

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Qualitätsunterschiede zeigen sich bei den getesteten Spielen erst nach ein paar Stunden. "Clash of Clans" trägt seinen Spitzenreiter-Titel dank freundlicher Comicoptik und flüssiger Bedienung nicht zu Unrecht. Und das in Hamburg bei Goodgame Studios entwickelte "Empire: Four Kingdoms" hat zumindest ein wenig eigene Identität: Ressourcenmanagement und knallharte Sachpolitik gehen hier eindeutig vor Wohlfühlatmosphäre.

Am Ende geht es nur ums Geld

Worum genau es in "Game of War" und dem beinahe identischen "Clash of Kings" eigentlich geht, bleibt dagegen auch nach einer Woche Test unklar. Das liegt vor allem an der überladenen Nutzeroberfläche: Unter all den Menüs, Symbolen und blinkenden Hinweisen ist das werdende Weltreich oft kaum noch zu sehen.

Irgendwo hinter all diesen Schaltflächen versteckt sich das eigentliche Spiel

Irgendwo hinter all diesen Schaltflächen versteckt sich das eigentliche Spiel

Am Ende spielt natürlich Geld eine Rolle: "Clash of Clans" und Co. sind Free-to-play-Titel. Der Download kostet nichts, dafür können Ungeduldige im Spiel leicht jede Menge Geld ausgeben. Denn die Soldaten könnten jetzt schon ausgebildet sein, der Goldspeicher jetzt schon voll. Doch das kostet seltene Diamanten oder Kronen. Und die gibt es nur gegen echtes Geld.

Bemerkenswert ist, wie unterschiedlich die Spiele dabei vorgehen: In "Clash of Clans" bekommt der Spieler zu Beginn eine großzügige Menge der seltenen Ressource. Damit lassen sich die ereignisarmen ersten Spielstunden gut überbrücken. Sind die Diamanten verbraucht, hat man sich gerade daran gewöhnt, sie auszugeben. "Game of War" geht da weniger subtil vor: Hier wird der Spieler von Anfang an mit Einladungen zu ominösen Sonderangeboten bombardiert.

Echten Langzeitspaß gibt es in den Aufbauspielen

Push-Nachrichten schicken alle Spiele, weshalb der Sperrbildschirm des iPads schnell in einer Flut von Hilferufen ertrinkt. "Deine Untertanen brauchen dich!" Stimmt auch, denn schon für simple Aufgaben fehlt jede Eigeninitiative. Abgebautes Gold von der Mine ins Lager tragen? Nicht ohne Befehl.

Am Anfang ist das noch in Ordnung, weil das nächste Ziel immer nur ein paar Holzladungen entfernt ist. Doch mit der Zeit werden die Kosten immer größer, die virtuelle Herrschaft fühlt sich eher wie Arbeit an. Fortschritt gibt es jetzt nur noch für den, der viel Zeit oder echtes Geld investiert. Spätestens im Mehrspielermodus ist ein gut verteidigtes Königreich aber überlebenswichtig.

Hier wartet allerdings auch der größte Spielspaß: Wer mit einer Gruppe Gleichgesinnter in einem Clan auf Raubzüge geht und in Foren über Strategien diskutiert, kann in den Aufbauspielen echten Langzeitspaß finden. Für alle anderen wird das virtuelle Königreich zur Investitionsruine: Wie viel Geld man auch hineinwirft, Spaß kommt kaum noch welcher heraus.


Clash of Clans, Supercell, für iOS und Android, kostenlos

G ame of War: Fire Age, Machine Zone, für iOS und Android, kostenlos

Empire: Four Kingdoms, Goodgame Studios, für iOS, Android, PC, kostenlos

DomiNations, Nexon M, für iOS und Android, kostenlos

Clash of Kings, Elex Wireless, für iOS und Android, kostenlos



insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
welt_raum_polizei 22.08.2015
1. Hohes Suchtpotential
in einem 24/7 Betrieb beobachtet: in den nachtschichten 8h sind sie online. Stoert die Maschine, weil sie einfachste aufgaben alleine nicht durchführt, wird der touchbildschirm so manopuliert, dass der spieler weiterhin als online erkannt wird und unangreifbar bleibt. Einzelne der Zombie-Kollegen sollen 4stellige Betraege investiert haben. Das sind Leute, die schon mit WoW Probleme hatten. Andere, u.a. junge Familienvaeter sind durch CoC erst angefixt worden. Ganz ueble Nummer, nicht zuletzt weil - Zombies. Nicht ansprechbar. Die Möglichkeit, durch das Smartphone im Gegensatz zum stationären heimischen Pc, immer dabei sein zu können, verschlimmert die Sache noch...
hasenmann123 22.08.2015
2.
Also Game of war ist wirklich klasse weil man wirklich mit Spielern aus der ganzen Welt spielt und das Übersetzungsprogramm auch einigermaßen ok ist... Wenn da am Wochenende die kill Events laufen ist das wirklich der Hammer und die Planung von Strategien sehr interessant... Nachteil ist dass es wirklich sehr teuer ist und man um richtig mitspielen zu können da wirklich nach ein paar Monaten einige tausend Euro reinpfeffern muss
Teddy0 22.08.2015
3.
Keine Ahnung was Leute an Handyspielen toll finden. Ich spiele zwar viele PC spiele aber ein Handyspiel habe ich noch nie gespielt auf meinem Smartphone. Früher hab ich mal eine Runde snake auf meinem alten Handy ausprobiert aber nach ~2 Minuten wurde es mir schon zu blöd.
stefan1904 23.08.2015
4. Solche Spiele machen mich traurig
Ich habe mir Ende 2008 einen iPod Touch gekauft. Es gab in den zwei Jahren danach etliche schöne Spiele, die teils richtig innovativ waren und für 1 bis 5 Euro viel Spielspaß geboten haben. Dann kamen irgendwann die In-App-Purchases und langsam hat sich der Mobile-Markt in eine Richtung entwickelt, die mir gar nicht gefällt. Klar, es gibt immer noch Paid Apps, für die man nur einmal zahlen muss, aber die Charts werden von Spielen beherrscht, die wie die hier vorgestellten Titel auf das Free2Play-Konzept setzen. Und auch wenn man kein Geld ausgibt, zahlt man mit den Stunden, die man täglich in diese Apps versenkt, möglicherweise einen deutlich höheren Preis. In Kinderhänden haben solche Spiele gar nix verloren. Was senden die für eine Botschaft aus? "Bist Du zu schlecht? Dann geb einfach Geld aus". In einem klassischen Videospiel hingegen zahlt sich Hartnäckigkeit statt ein volles Bankkonto aus.
-snowlife- 23.08.2015
5.
command and conquer nicht zu vergessen. und ja, ich lass mir den spass jeden monat 25.- franken kosten, andere rauchen.
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