"Commandos" und "Command & Conquer" Game-Klassiker gratis im Browser spielen

Der Programmierer Aditya Ravi Shankar hat ein aufwendiges Hobby. Er baut Spieleklassiker wie "Command & Conquer" und "Commandos" in HTML5 nach. Die Ergebnisse kann man auf seiner Website ausprobieren.

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Aditya Ravi Shankar

Es gibt viele Minispiele für den Browser, die mit der Websprache HTML5 umgesetzt sind. Etliche "Tetris"-Varianten kursieren im Netz, Google bastelt seine Doodle-Spiele damit und auch "Flappy Bird" ist schon in HTML5 über den Browser geflattert. Doch dem Hobbyprogrammierer Aditya Ravi Shankar genügt das nicht. Der 35-Jährige stellt sich größeren Herausforderungen. Er baut die populären Spieleklassiker seiner Jugend webtauglich nach - und stellt die Browserversionen kostenlos ins Netz.

Vor einigen Tagen hat Aditya Ravi Shankar sein neues Projekt veröffentlicht. Er hat das Strategiespiel "Commandos - Hinter feindlichen Linien" mit JavaScript und HTML5 nachprogrammiert.

Keine leichte Aufgabe. Denn mit dem ersten Teil der Reihe brachten die Pyros Studios im Jahr 1998 ein ausgefeiltes Taktikspiel auf den Markt, in dem die Computergegner in Echtzeit auf die Aktionen des Spielers reagierten. Das Ziel bei "Commandos" war es, mit seinen Soldaten heimlich in feindliche Gebiete einzudringen, um Sabotageaufträge auszuführen. Acht Monate lang hat der Programmierer aus der indischen Stadt Bangalore an der HTML5-Version gefeilt, die man jetzt auf seiner Website spielen kann.

"Viel über künstliche Intelligenz gelernt"

Das Hobby von Shankar ist eine mühevolle Kleinarbeit. Er beginnt jedes Projekt mit einer leeren HTML-Datei. Lediglich Videos, Musik und Sounddateien zieht er sich aus den Originalversionen. Den Rest baut er mit JavaScript und HTML5 nach. Jedes Gebäude, jede Mauer, jeden Panzer zeichnet er pixelgetreu nach. Die Explosionen muss er neu berechnen, die Bewegungen der Spielfiguren animieren.

Doch vor allem das Verhalten der Computergegner war für ihn eine große Herausforderung. "Dank des 'Commandos'-Projekts habe ich unglaublich viel über Computerwissenschaften und künstliche Intelligenz gelernt", sagt Shankar SPIEGEL ONLINE. Aber er habe auch gelernt, wie anstrengend es sei, ein komplexes Spiel in HTML5 zu schreiben.

Aufmerksame Wachen: Die Gegner reagieren in Echtzeit auf Spielerbewegungen
Aditya Ravi Shankar

Aufmerksame Wachen: Die Gegner reagieren in Echtzeit auf Spielerbewegungen

Bei "Command & Conquer" klappt auch der Multiplayer-Modus

Das Projekt sei wesentlich schwieriger umzusetzen gewesen als das Echtzeitstrategiespiel "Command & Conquer", das schon länger auf der Website des Programmierers spielbar ist. Auch hier ist die Ähnlichkeit mit dem Original verblüffend. Die Spieler können in der Browserversion nicht nur mehrere Missionen absolvieren, sondern im Multiplayer-Modus im Kampf um den Rohstoff Tiberium gegeneinander antreten. Spielstände lassen sich speichern und bei einer drohenden Niederlage erneut laden.

Seine Liebe zu Computerspielen hat der Programmierer in den frühen Neunzigern entdeckt. Damals war Aditya Ravi Shankar 13 Jahre alt und hat bereits seine ersten Games in Basic programmiert. "Ich war fasziniert von den Spielen, die ich in dieser Zeit sah", sagt Shankar. Vor allem das Jump 'n' Run-Spiel "Prince of Persia" von 1989 hatte es ihm angetan. "Prince of Persia" setzte damals Maßstäbe bei den Bewegungsabläufen der Hauptfigur, mit der man über Abgründe sprang, Fallen auswich und sich mit den Gegnern im Fechtkampf duellierte.

Derzeit arbeitet Shankar an einer vollständig spielbaren Browserversion von "Prince of Persia". Ein bisschen testen kann man das Spiel schon jetzt. Allerdings ist es bisher nur möglich, mit dem Prinzen in einem Raum von einer Ecke in die andere zu rennen, zu hüpfen und in die Hocke zu gehen. Etwa zwei Drittel des Spiels sind laut Shankar fertigprogrammiert. Doch es werde noch eine Weile dauern, bis "Prince of Persia" komplett fertig ist.

Programmieren in der Grauzone

Shankar weiß aber auch, dass er sich mit seinem Hobby in einer rechtlichen Grauzone bewegt, da die Rechte der Spiele bei großen Softwarekonzernen liegen. Shankar entgegnet, dass er mit den HTML5-Versionen der Spieleklassiker kein Geld verdiene, da er die Browserversionen gratis ins Netz stelle und keine Werbebanner auf der Seite einblende. Shankar sagt, er mache das aus Respekt vor den Originalentwicklern. "Ich verspreche, dass die Spiele immer kostenlos bleiben werden." Er programmiere die HTML5-Versionen nur in seiner Freizeit und erledige Aufträge als Berater, "damit Essen auf den Tisch kommt".

Bei Electronic Arts heißt es, man würde sich über eine Nachricht des Entwicklers freuen. Der Konzern besitzt die Rechte an "Command & Conquer". Ein Sprecher des Softwareunternehmens sagt, dass Fans grundsätzlich fragen müssten, wenn sie etwas mit den Spielen machen wollen. "Das sollte der Entwickler in diesem Fall auch machen." Man habe ein Team bei EA, das sich um solche Anfragen kümmert.

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
Q9653 08.02.2016
1. EA - Abk. f.
Die haben vor allem mal ganz locker C&C gegen die Wand fahren lassen, weil EA ganz genau weiss, was gut für den Kunden ist. Allerdings verkaufen sie das Spiel aber immer noch munter weiter und werben frech für "Multiplayer-Modus". Nur - die Server sind stillgelegt! EA = Eine Armut! (alternativ: Elende Abzocker!)
laubblaeser 08.02.2016
2. Ea
Warum sind die da so Fuchsig? Z.B. "C&C Tiberian Sun" kann man doch legal runterladen?!
Ossifriese 08.02.2016
3. Grenzen
"...Das Ziel bei 'Commandos' war es, mit seinen Soldaten heimlich in feindliche Gebiete einzudringen, um Sabotage-Aufträge auszuführen. ..." Könnte man nicht auch sagen, "Ziel bei 'Commandos' war es, mit seinen Terroristen in Gebiete einzudringen, um Anschläge zu verüben"? Bestes Training für zukünftige Terrorunternehmungen. Da werden Computerspiele wirklich grenzwertig...
Bueckstueck 08.02.2016
4. Haha EA...
"Man habe ein Team bei EA, dass sich um solche Anfragen kümmert." Ja, ein Team von Anwälten...
cor 08.02.2016
5. Wenn man keine Ahnung hat....
Zitat von Ossifriese"...Das Ziel bei 'Commandos' war es, mit seinen Soldaten heimlich in feindliche Gebiete einzudringen, um Sabotage-Aufträge auszuführen. ..." Könnte man nicht auch sagen, "Ziel bei 'Commandos' war es, mit seinen Terroristen in Gebiete einzudringen, um Anschläge zu verüben"? Bestes Training für zukünftige Terrorunternehmungen. Da werden Computerspiele wirklich grenzwertig...
In Commandos sabotiert ein Spezialkommando der Allierten feindliche Stellungen des NS-Regimes. Interessant, dass Sie das mit Terroristen im heutigen Sinne vergleichen. Ihr Kommentar untermauert mein Vorurteil gegenüber Leuten, die Computerspiele in dieser Art kritisieren: Einfach NULL Ahnung von der Materie, aber eine grundsätzlich ablehnende Haltung haben.
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