Crowdfunding: Monkey-Island-Macher sammelt 1,6 Millionen Dollar ein

Wer will heute noch Grafikadventures spielen? Kaum jemand, glauben große Publisher und ignorieren das Genre. Doch Adventure-Fans sind treu. Entwicklerlegende Tim Schafer bat im Web um Geld für sein neues Spiel. 50.000 Freiwillige finanzierten die Entwicklung nun vor - mit 1,6 Millionen Dollar.

Double Fine: Im Oktober 2012 soll Tim Schafers neues Grafikadventure fertig sein Zur Großansicht

Double Fine: Im Oktober 2012 soll Tim Schafers neues Grafikadventure fertig sein

Von den traditionellen Geldgebern in der Spielebranche wollte keiner dieses Projekt vorfinanzieren: Ein klassisches Grafik-Adventure, in dem man mit der Maus Gegenstände einsammelt, Dialoge durchklickt und Rätsel löst? So ein Spiel wollen die Großen der Branche nicht einmal von einem legendären Entwickler wie Tim Schafer haben. Schafer, (Mit-)Schöpfer von Klassikern des Grafikadventure-Genres wie "Day of the Tentacle" und "Monkey Island 2" klagte Mitte voriger Woche noch: "Die Publisher sagen uns, dass Adventures tot sind." Sie existieren, so Schafer, nur noch "in unserer Erinnerung, in unseren Träumen - und in Deutschland." Tatsächlich hat der deutschen Markt in der Branche den Ruf, das letzte Refugium dieses darbenden Genres zu sein.

Wenige Tage später hat Schafers Firma 1,6 Millionen Dollar für die Entwicklung eines neuen Grafikadventures eingesammelt - von Fans.

Vorigen Donnerstag begann Schafers Firma Doublefine, auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter, Geld für das Spiel zu sammeln. Wer mehr als 15 Dollar investiert, wird nach Veröffentlichung des Spiels einen kostenlosen Download erhalten - und zudem exklusive Vorabversionen. Wer mehr investiert, sichert sich weitere exklusive Belohnungen: Eine Dokumentation über die Entwicklung des Spiels, Autogramme von Tim Schafer und Ron Gilbert, Zeichnungen der am Spiel mitwirkenden Grafiker.

Inzwischen haben fast 26.000 Unterstützer knapp 1,7 Millionen Dollar eingezahlt.

Dieser Erfolg ist auch ein Erfolg für Kickstarter. Bislang hat die 2008 gestartete Plattform noch kein Projekt mit Millionenbudget finanziert. Am Donnerstag waren es gleich zwei, wenige Stunden vor Schafers Doublefine-Adventure erreichte ein anderes Projekt die Millionengrenze, ein Designer nahm gut 1,4 Millionen Dollar für die Fertigung seines Edel-iPhone-Docks "Elevation Dock" ein.

Kickstarter startete 2008, gefördert von mehreren Risikokapitalgebern. Auf der Plattform können Designer, Künstler, Autoren und andere Projekte vorstellen und eine bestimmte benötigte Summe vorgeben. Nur wenn diese Summe innerhalb einer bestimmten Frist zusammenkommt, wird das Geld an die Antragsteller ausgezahlt - wenn nicht, zahlen die potentiellen Geldgeber nichts. Kickstarter behält bei Auszahlung fünf Prozent der Einnahmen, der Zahlungsdienstleister Amazon nimmt weitere drei bis fünf Prozent, je nach Zahlungsart der Geldgeber.

Im Oktober soll das neue Grafikadventure von Tim Schafer und Ron Gilbert fertig sein. Unklar ist übrigens, wie viele deutsche Adventurefans unter den Finanziers sind.

lis

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