"Cuphead" im Test Scheitern, aber mit Stil

Diesen Spieletest übermittelte uns der Autor mit wenigen, vielsagenden Worten: "Hallo Netzwelt, hier kommt 'Cuphead'. Sieht toll aus. Aber bockschwer. Was habe ich geflucht."

StudioMDHR

Den Teufel im Glücksspiel besiegen zu wollen, war noch nie eine gute Idee. Er gewinnt nämlich immer und fordert dann die Seele der Verlierer. Betroffen sind in diesem Fall der kleine Cuphead und sein Bruder Mugman, die noch eine letzte Chance bekommen: Sie müssen die Seelen anderer Sünder einsammeln. Diese wiederum geben ihre Seelen natürlich ungern her, weshalb sie in schwierigen Kämpfen besiegt werden müssen, die den Spieler immer wieder in den Wahnsinn treiben werden.

"Cuphead" wurde von den kanadischen Brüdern Jared und Chad Moldenhauer erdacht, die das Spiel mit ihrem kleinen unabhängigen Studio entwickelten und sich dabei von Microsoft unterstützen ließen - weshalb das Spiel jetzt ausschließlich für Windows-PC und die Xbox One erscheint.

Erstmals vorgestellt wurde "Cuphead" 2014, das Spiel wurde damals mit Vorschusslorbeeren überhäuft. Das lag zum einen am Gameplay, in dem es vor allem darum geht, eine Ansammlung von Boss-Kämpfen zu überstehen. Am wichtigsten aber war wohl der Stil des Spieles.

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Schwieriges Geschicklichkeitsspiel: So schön ist "Cuphead"

"Cuphead" geht optisch zurück in die erste große Zeit der Comics, als Titel wie Popeye, Betty Boop oder auch Oswald the Lucky Rabbit subversiv wurden. Weshalb hier nicht nur der Protagonist mit einem Tassenkopf durch die Gegend läuft, sondern die Gegner Erde schleudernde Kartoffeln, Strahlen aussendende Möhren oder auch Spielautomaten und Grabsteine sein können.

Die Menüs sind wie Texttafeln aus Stummfilmen gestaltet, die Musik könnte direkt aus den Dreizigerjahren nach heute geschickt worden sein, Flecken und Streifen im Bild geben die nötige Patina. Das ist immer wieder großartig anzusehen und vor allem: Das tolle Aussehen des Spiels beruhigt die Nerven, die immer wieder blank gelegt werden.

Während sich die Grafik an Comics und Animationsfilmen orientiert, geht das Gameplay dahin zurück, wo Spiele noch wehgetan haben. In eine Zeit also, in der jeder Sprung sitzen, jedes Ausweichen geübt werden musste und in der jeder noch so kleine Fehler einen Gesundheitspunkte-Abzug bedeutete. Und von denen gab es meistens nicht allzu viele.

Bei "Cuphead" ist das auch so. Drei Fehler und man kann das Level von vorn beginnen. Das ist frustrierend. Allerdings nicht unbedingt, weil das Spiel unfair ist. Das ist es nämlich gar nicht so sehr, wenn man sich wirklich die Mühe macht, einzelne Level auswendig zu lernen. Sondern eher, weil man immer wieder an die Grenze seiner Fähigkeiten gebracht wird, weil man sich einfach nicht alle gegnerischen Züge, die Richtungen aller Geschosse merken kann. Besonders älteren Spielern macht "Cuphead" schnell klar, dass sie nicht mehr 15 Jahre alt sind und dass ihre Reflexe mittlerweile etwas zu wünschen übrig lassen.

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Best of "Other Places": Beeindruckende Aufnahmen aus "GTA 5", "Skyrim" und Co.

Und so springt man über Geschosse, die von Gegnern ausgespuckt oder geschleudert werden, weicht Vogelköpfen aus, die von oben picken, und schießt mit allem, was man hat auf Öfen, Zwiebeln oder Pilze - und stirbt einen Tod nach dem anderen.

Schließlich gibt man klein bei und versucht erstmal, Gegner auf einem einfacheren Schwierigkeitsgrad zu besiegen, was noch schwer genug ist und mit einer weiteren Demütigung endet: Seelen erobert man erst dann, wenn man Kämpfe auf der normalen Schwierigkeitsstufe schafft.

"Cuphead" ist also prima für Spieler, die Wert auf ein präzises Spiel legen. Für Spieler, denen es wichtig ist, so elegant wie möglich und nicht nur einfach ohne Fehler durch die Level zu gehen. Für alle anderen ist es ein Spiel, bei dem man den Stil bewundern kann sowie die Konsequenz, mit der sich Stil und Gameplay verbinden. Doch um wirklich großartig zu sein, ist "Cuphead" für solche Spieler auch viel zu oft frustrierend.


"Cuphead" von StudioMDHR, für Windows und Xbox One, 19,99 Euro; USK: Ab 6 Jahren

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karaokefreak01 04.10.2017
1. Absolut genial
Selbst mit meinen 40 Lenzen komme ich noch gut hinterher - die jungschen Spieler von heute sind halt alles Waschlappen, wenn es um den Schwierigkeitsgrad von Videospielen geht. Cuphead ist hingegen genau meine Kragenweite und begeistert mich durch tolle Optik und noch bessere Musik. Der Mix aus Ragtime, Bebop und Swing (mit einem schönen Barbershop-Quartett im Titelbild) will mir seit Tagen nicht aus dme Kopf. Pflichtkauf für alle nicht-Weicheier ;)
globulli 05.10.2017
2.
Zitat von karaokefreak01Selbst mit meinen 40 Lenzen komme ich noch gut hinterher - die jungschen Spieler von heute sind halt alles Waschlappen, wenn es um den Schwierigkeitsgrad von Videospielen geht. Cuphead ist hingegen genau meine Kragenweite und begeistert mich durch tolle Optik und noch bessere Musik. Der Mix aus Ragtime, Bebop und Swing (mit einem schönen Barbershop-Quartett im Titelbild) will mir seit Tagen nicht aus dme Kopf. Pflichtkauf für alle nicht-Weicheier ;)
Wow - harter Kerl. Hat Games, welche sich in der x und y-Achse bewegen, gemeistert. Nun wagen sie sich doch mal an die die Z-Achse. Gibt einige "bockschwere" Games, die mehr als nur 2 Knöpfe + Steuerkreuz benötigen. Buybuy PS_Cuphead? Sorry - nicht mein Fall. Kreative Idee, aber ich kann diese Retro-Manie in der Game-Welt nicht leiden. Ist das hier ein Super-Mario für böse Buben und Pin-Up-Fans?
constractor 05.10.2017
3. zu einfach
Leider ist das Spiel wieder einmal viel zu einfach geraten und das es eine leichtere Schwierigskeitsstufe gibt ist eine Frechheit den richtigen Gamern gegenüber. Warum müssen alle Spiele heutzutage sich bei den Casuals anbiedern. Nicht jeder muss jedes Spiel spielen können. Sachen die Cuphead verbessern würden, wären daher das entfernen des einfachen Schwierigkeitsgrad und die Reduzierung der HP auf 1. Damit hätte man endlich wieder ein Spiel was sich lohnen würde zu spielen.
walking_dead 05.10.2017
4. Wo ist das Problem?
Zitat von constractorLeider ist das Spiel wieder einmal viel zu einfach geraten und das es eine leichtere Schwierigskeitsstufe gibt ist eine Frechheit den richtigen Gamern gegenüber. Warum müssen alle Spiele heutzutage sich bei den Casuals anbiedern. Nicht jeder muss jedes Spiel spielen können. Sachen die Cuphead verbessern würden, wären daher das entfernen des einfachen Schwierigkeitsgrad und die Reduzierung der HP auf 1. Damit hätte man endlich wieder ein Spiel was sich lohnen würde zu spielen.
Wo ist das Problem dass ein Spiel verschiedene Schwierigkeitsstufen hat? Dürfen es nur Hardcore-Spieler spielen? Wer es auf einem schwierigen Grad spielen möchte kann es doch tun! Ziemlich egoistisch die Meinung...
constractor 05.10.2017
5.
Zitat von walking_deadWo ist das Problem dass ein Spiel verschiedene Schwierigkeitsstufen hat? Dürfen es nur Hardcore-Spieler spielen? Wer es auf einem schwierigen Grad spielen möchte kann es doch tun! Ziemlich egoistisch die Meinung...
Ein weiter Schwierigkeitsgrad frisst Produktionsresourcen welche besser in anderen Stellen investiert werden könne. Daher betrifft es mich sehr wohl wenn ein Entwickler diesen Kropf in ein Spiel einbaut. ganz zu schweigen davon das es das Spielerlebniss verwässert. Dadurch bekommen einfach nur alle Gamer banale Spiele ohne jeden Anspruch nur damit ein paar zartbeseitete Causels aufjedenfall ihr Erfolgserlebniss bekommen.
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