Action-Rollenspiel "Dark Souls Remastered" Kampf im Irrgarten

"Dark Souls" kommt daher wie eine Liebeserklärung an den Bau virtueller Welten: Die Spieler sind Kämpfer und Archäologen zugleich. Für die neue "Remastered"-Version sind starke Nerven nötig.

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Rauf oder runter? Oben in den Wolken thront ein Schloss im gleißenden Sonnenlicht. Aber oben ist es bestimmt schlimm, oben ist in Spielen immer schlimm. Je höher man kommt, desto härter werden die Gegner, oder? Lieber den Berg runter. Sieht gar nicht so unfreundlich aus hier. Klapper, klapper. Huch, Skeletthorde. Tot.

Mit der Entscheidung für den Weg fängt alles an. Hier beginnt "Dark Souls", auf einem kleinen Felsvorsprung mit Lagerfeuer. Firelink Shrine heißt der. Um das Feuer sitzen Verzweifelte, die verstummt sind oder zynische Sprüche spucken, während um sie herum die Welt zerbröselt. Von diesem Felsvorsprung aus führen Wege durch die Reste des Königreichs Lordran. Nach jedem Tod steht der Spieler an diesem Feuer wieder auf. Immer und immer wieder, bis er andere Feuer entfacht hat, die ihm den Weg durch das Labyrinth dieser Welt weisen.

Doch wo es in anderen Spielen leichter ist, da wartet in "Dark Souls" der Tod. Da wo oben ist, ist unten. Da wo Licht ist, ist Untergang. "Dark Souls" ist Gegensatz. "Dark Souls" ist Architektur.

"Dark Souls" ist eine Liebeserklärung an den Weltenbau, die erzählerische Kraft des Videospiels - ein geflüsterter Mythos, der immer weiter erzählt wird, bis er ausbleicht, zerfranst und doch in seinen Fragmenten weiter Bedeutung trägt. Und jetzt ist "Dark Souls" auch noch hübsch: mit höherer Auflösung und flotter Bildwiederholungsrate. Willkommen im Remaster, einer überarbeiteten Fassung des Originalspiels.

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Action-Rollenspiel: So sieht "Dark Souls Remastered" aus

Wirre Wahnwelten

Als "Dark Souls" vor sieben Jahren erschien, war der Vorgänger "Demon's Souls" unter westlichen Gamern zum Geheimtipp geworden. Ein Fiebertraum, entsprungen dem Hirn des japanischen Designers Hidetaka Miyazaki, verwirklicht von seinem Studio From Software.

In seinen Spielen treten Einsame den Kampf gegen das Böse an. Nur dass der öde Dualismus klassischer Heldengeschichten nicht in ihnen greift. Die Helden, die durch seine Welten wandern, bekommen zwar wie in anderen Rollenspielen magische Waffen und mächtige Rüstungen. Doch sie bleiben selbst Untote. Die Monster, die sie erschlagen, um stärker zu werden, sind gequälte Seelen. Und alle, Helden, Monster, monströse Helden, alle haben sie Angst vor dem Leersein, dem Nichts.

An dieser Formel hat sich in den weiteren Spielen nichts geändert. Weder im zweiten und dritten Teil der "Souls"-Reihe, noch in "Bloodborne", das 2015 erschien. Doch die Brillanz, mit der "Dark Souls" Narration, Mechanik und Architektur verschränkt, erreichte keines dieser Spiele.

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Rollenspiel "Bloodborne": Ein Herz und eine Seele

Die große Idee, die Miyazaki zuvor in "Demon's Souls" hatte, hatte schon in "Dark Souls" ihre Vollendung gefunden: Die Geschichte des Spiels erzählt seine Welt.

Wie ein Buch ohne Buchstaben

Der Spieler ist in diesem Spiel nicht nur Kämpfer, sondern auch Archäologe, der nach und nach die Rätsel entschlüsselt, die Miyazaki in virtuellen Stein gehauen hat. Immer wieder geht er Wege erneut, bis er jeden Pfad, jede Ruine, jeden Abgrund auswendig kennt. Und immer wieder öffnen sich neue Pforten in diesem Labyrinth, die zurück in bekannte Bereiche führen - oder in neue Untiefen.

Je länger die Wanderung durch das virtuelle Wunderland dauert, desto mehr reift die Erkenntnis, welches Meisterwerk hier erschaffen wurde. Es beeindruckt, wie die "Undead Burg", das majestätische Anor Londo, Ash Lake und die Ruinen des verlorenen Izalith ein großes Ganzes ergeben, als seien sie Wurzeln, Stamm und verästelte Zweige eines gigantischen Baums. Wie jeder dieser Orte von dem Glanz vergangener Zeiten kündet - und vom Verfall dieser Welt. Ein Verfall, den der Spieler aufhalten, umkehren soll. Eine Aufgabe, an der er natürlich scheitern muss.

Die "Dark Souls"-Community hatte es sich noch Jahre nach dem Erscheinen des Spiels zur Aufgabe gemacht, dieses Land zu kartografieren. Für sie wird "Dark Souls Remastered" vielleicht etwas zu bekannt sein, denn außer einer flüssigeren Spielerfahrung und leicht modernisierten Online-Funktionen hat die "Remastered"-Version für sie nichts Neues zu bieten.

Die Neuauflage des Spiels wird aber eine neue Generation von Forschern nach Lordran locken. Forscher, deren Reise an einem Lagerfeuer in Ruinen beginnt. Und die sich entscheiden müssen, welchen Weg sie einschlagen wollen. Rauf oder runter.


"Dark Souls Remastered" von From Software für Windows-PC, Playstation 4, Xbox One und Nintendo Switch (später), ca. 50 Euro; Ab 16 Jahren



insgesamt 8 Beiträge
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maniactobi 03.06.2018
1.
Sehr schöner Artikel, da wird einem DarkSouls-Veteranen ganz warm ums Herz :)
cwoller 03.06.2018
2.
Naja, der Weltaufbau war jetzt nicht gerade das besondere an dem Spiel und es wirkte beim ersten Teil oft unfertig, gerade gegen Ende hin, wenn man dorthin kam, wo eigentlich wohl irgend etwas sein sollte, aber eben nicht war. Kann sein, dass das in der remastered Version besser ist - letztlich wird es aber natürlich weiterhin rundum düster sein, was für ein Horrorspiel ja okay ist, aber eine "Liebeserklärung an den Bau virtueller Welten" denk man da eigentlich nicht gerade. Im Original war zumindest auf der PC Version die Kamera ein Grauen (wobei das immer wieder Entwickler falsch machen, dabei ist es so wichtig) und die Steuerung ohne game pad im besten Fall... mies. Ansonsten sicherlich etwas für Leute, die es halt mögen, die Angriffs Muster von Gegnern auswendig zu lernen, was die hauptsächliche Schwierigkeit des Spiels ausmacht. Es ist eine Art brutales "Simon sagt".
Dastapfereschweißerlein 03.06.2018
3.
Zitat von cwollerNaja, der Weltaufbau war jetzt nicht gerade das besondere an dem Spiel und es wirkte beim ersten Teil oft unfertig, gerade gegen Ende hin, wenn man dorthin kam, wo eigentlich wohl irgend etwas sein sollte, aber eben nicht war. Kann sein, dass das in der remastered Version besser ist - letztlich wird es aber natürlich weiterhin rundum düster sein, was für ein Horrorspiel ja okay ist, aber eine "Liebeserklärung an den Bau virtueller Welten" denk man da eigentlich nicht gerade. Im Original war zumindest auf der PC Version die Kamera ein Grauen (wobei das immer wieder Entwickler falsch machen, dabei ist es so wichtig) und die Steuerung ohne game pad im besten Fall... mies. Ansonsten sicherlich etwas für Leute, die es halt mögen, die Angriffs Muster von Gegnern auswendig zu lernen, was die hauptsächliche Schwierigkeit des Spiels ausmacht. Es ist eine Art brutales "Simon sagt".
Soweit ich weiß wurde am Spiel selbst Map Design/Lore/Gegnerplatzierung nichts geändert. Was schade ist denn zum Ende hin wirkt alles ziemlich gehetzt platziert. Das die Schwierigkeit ansich gar nicht so hoch ist stimmt schon aber gerade in der ersten hälfte des Spiels merkt man das sich die Entwickler noch wirklich mühe gegeben haben aus ansich leichten Gegnern noch ein ordentliches Problem zu machen. Der Endboss legt dann nochmal eine ordentliche Schippe drauf und das in mehreren Bereichen. Am gemeinsten ist der Ton. Ich hab mich immer gefragt warum ich gerade bei dem so mies bin. Es fühlt sich so an als würde das ganze Spiel irgendwie nicht mehr so funktionieren wie es soll. Vor ein paar Monden hab ich dann erfahren warum : Im ganzen Spiel sind alle Bosse so gescriptet das ihre Angriffe im takt der Musik ablaufen. Beim letzten hat man das ganze dann ein paar zehntelsekunden versetzt. Stundenlang wird man auf Rythmus trainiert und dann sowas, fieser trick aber funktioniert offensichtlich. Gerade wegen solcher Kleinigkeiten Liebe ich diese Serie. Ansonsten kann man als Besitzer der PC Version gut und gerne auf das Remaster verzichten denn es gibt zum glück ein paar Mods die im Endeffekt zum selben Spielerlebnis wie die Remastered führen.
loki_loker 04.06.2018
4. Schade ...
am PC leider nur mit STEAM erhältlich. Somit muss ich auch auf die Remastered Version verzichten ... Ich spiel dann weiter Witcher 3 ...
DerAykac 04.06.2018
5. Time to Git Gud again
Dem Autor kann ich nur zustimmen, das erste Dark Souls besitzt eine von anderen Spielen unerreichte Qualität im Bezug auf das Leveldesign und sucht vergeblich seinesgleichen. Es wird wohl mindestens noch ein Jahrzehnt dauern bis etwas von vergleichbarer Qualität erscheinen wird, wenn nicht sogar länger
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