Angespielt: Eine Stunde Zombiehorror mit "Deadlight"
Die Stadt ist zerstört, Zombies irren herum, und ein einsamer Mann bahnt sich seinen Weg durch die Ruinenlandschaft. Das ist die Geschichte von "Deadlight", einem Download-Titel in Sidescroller-Optik für Xbox 360. Das Spiel hat Anklänge von "Metroid" und "Limbo" - aber auch gewaltige Macken.
Irgendwann reicht es. Spätestens dann, wenn sich die Frage stellt, ob der Controller wohl eine Kollision mit der Wand überstehen würde. Das Problem: Ich schaffe den Wandsprung bei zehn Versuchen nur ein Mal. Und das heißt in der Logik von "Deadlight": neunmal Tod, neunmal ein Ladebildschirm.
Dabei hatte alles recht verheißungsvoll begonnen. "Deadlight" greift die unzähligen Zombie- und Endzeitszenarien der letzten Jahre auf. Das passt zur allgemeinen Stimmung: Wir haben schließlich 2012, das Jahr, in dem laut Maya-Kalender die Welt untergehen wird. Die Wirtschaft liegt am Boden und der Sommer ist mies. Warum also sollte ein Spiel einen fröhlichen Ausblick bieten?
"Deadlight" reiht sich ein nach "Fallout", "Left 4 Dead", "I am Alive" und diversen "Resident Evil"-Ablegern. Dennoch schaffen es die spanischen Entwickler des Spiels, eine sehr eigene Atmosphäre zu schaffen. In gedämpften Farben sind die einzelnen Bilder wie verblichene Postkarten aus einer düsteren Zukunft gestaltet. Darin bewegt sich Randall Wayne als dunkler Schatten, den man nur von der Seite sieht, wie in einem klassischen "Metroid"-Spiel. Und an die erinnert "Deadlight" immer wieder. Wayne springt, läuft, schlägt zu und schießt. Immer in Bewegung, auf der Flucht aus Seattle, auf der Flucht vor Zombies.
Zombies mit Steuerungsproblemen
Warum die da sind, wird in der ersten Stunde nicht klar. Die in Comiczeichnungen erzählte Rahmenhandlung gibt sich da sehr bedeutungsschwanger und vage. Was dazu führt, dass ich sie eher ignoriere, auch weil mich die raue "Solid Snake"-Stimme nach einer Weile nervt.
Das Spielprinzip ist eigentlich toll: Es erinnert an Spiele wie eben die "Metroid"-Serie, das davon inspirierte "Shadow Complex" und nicht nur optisch an das großartige "Limbo".
Doch wo die mit einer hervorragenden Steuerung punkten konnten, ist "Deadlight" störrisch. Immer wieder macht das Spiel etwas, was ich nicht will, folgt nicht meinen Eingaben oder führt sie zu langsam aus. Unzählige Tode warten auf Randall Wayne und irgendwann ist dann der Frust zu groß: Ich schalte ab. Ein Spiel soll gerne herausfordern, aber es soll das nachvollziehbar tun. Bei "Deadlight" bleibt das Gefühl, dass die Steuerung nicht schwer, sondern einfach nur ungenau ist. Vielleicht aber wird es mir heute Abend doch noch mal in den Fingern jucken. Schließlich soll es ja nur rund zwei Stunden dauern, bis der Abspann kommt. Eine davon habe ich jetzt geschafft.
Das sagen die anderen: Die Kritiker sind gespalten. Die meisten loben "Deadlight" für seine einzigartige Atmosphäre und den Grafikstil. Auch das Spielprinzip wird positiv bewertet. Schlechte Kritiken gibt es vor allem für die kurze Spieldauer, die ungenaue Steuerung und die uninspirierte Handlung.
"Deadlight" für Xbox 360, Download über Xbox Live Arcade; ca. 14,50 Euro; USK: Ab 16 Jahren
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- Samstag, 11.08.2012 – 09:28 Uhr
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- Carsten Görig liebt obskure Bands, seine Gitarre und seine Familie. Seit vielen Jahren schreibt er außerdem über Videospiele. Für Angespielt bei SPIEGEL ONLINE probiert er die wichtigsten Titel aus - immer genau eine Stunde lang.

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