"Deus Ex: The Fall": Dieses iPad-Spiel ist so gut, dass es weh tut
Tolle Grafik, eine komplexe Geschichte, durchdachte Steuerung: Am iPad-Spiel "Deus Ex: The Fall" ist vieles für ein Tablet-Spiel außergewöhnlich gut. Es gibt nur ein Problem - das Tablet.
Ich halte das iPad mit beiden Händen, die Daumen bewegen Ben Saxon über den Bildschirm. Das ist der Protagonist von "Deus Ex: The Fall". Ein Engländer mit vielen künstlichen Körperteilen. Alle ungemein praktisch, um Gegner zu besiegen. Irgendwann beginnen meine Handflächen zu schmerzen, weil sich die Ecken des iPads hineinbohren. Ich lege es auf das Sofa, knie mich davor und steuere mit den Zeigefingern. Keine Haltung, die dauerhaft bequem ist. Ich lege mich auf die Seite, versuche, mit einer Hand alles zu erledigen. Klappt nicht gut. Zurück also zur ersten Haltung.
Dass ich diese Mühe und Schmerzen auf mich nehme, sagt zwei Dinge über "Deus Ex: The Fall" aus. Zum einen: Es ist ein gutes und spannendes Spiel. Zum anderen: Es ist auf der falschen Plattform erschienen.
Die Grafik ist nicht weit vom Konsolenvorbild
Dabei lässt es sich gut an: "The Fall" entwickelt eine Geschichte, die parallel zu "Human Revolution" läuft, einem der besten Spiele des letzten Jahres. Es geht um Macht, um Korruption, um das böse Wirken von Pharmakonzernen. Um Drogenschmuggel und die dunklen Seiten der Augmentierung, also der Verbesserung von Menschen durch künstliche Glieder und Organe. Lange nicht so komplex wie im Schwesterspiel, aber spannend genug, um mich bei der Stange zu halten.
Die Grafik ist nicht allzu weit vom Konsolenvorbild entfernt. Nur die Gesichtsanimationen sind etwas hölzerner, was sich aber verkraften lässt. "Deus Ex: The Fall" ist durchaus aufwendig produziert. Die Entwickler haben sich viel Mühe gegeben, die Atmosphäre des Vorbilds auf ein Tablet zu übertragen. Dumm nur, dass ich recht oft mit den Fingern im Bild herumwischen muss.
Gute Steuerung, aber nur für 30 Minuten
Die nächste Überraschung ist die Steuerung: Sie geht recht mühelos von der Hand. Selbst ein komplexes Spielprinzip wie das von "Deus Ex" lässt sich recht gut bedienen. Auch wenn ich mir ab und an einen dritten Daumen wünsche, um nicht immer umgreifen zu müssen.
Alles gut also? Nein.
Bei weitem nicht. "Deus Ex: The Fall" dauert nämlich länger als die halbe Stunde, die ich ein Tablet bequem in beiden Händen halten kann. Die Handflächen beginnen zu schmerzen, sämtliche verfügbaren Sitzpositionen sind bald getestet und für nicht ausreichend befunden.
"Deus Ex: The Fall" ist das Opfer seiner eigenen Ambitionen: Es will das erste iOS-Spiel sein, das mit Konsolenproduktionen mithalten kann. Nicht nur optisch, sondern auch spielerisch. Das gelingt. Vor allem, wenn man es mit den Umsetzungen von Spielen wie "GTA III" oder "Max Payne" vergleicht, die zwar gelungen aussehen, aber nur mit viel Wohlwollen spielbar sind. "The Fall" entlarvt eine der Lebenslügen des iPads: Es ist eben keine Spielkonsole, auch wenn es von vielen Spielen und Spielern als solche genutzt wird. Es ist eben nicht ergonomisch geformt. Zumindest dann, wenn man ständig zwei Hände benutzen muss.
Es ist kein Zufall, dass gerade die Konsolenhersteller ihre Gamepads immer weiter verbessern: Spielen soll Spaß machen, keine Schmerzen verursachen. Und davon ist "Deus Ex: The Fall" weit entfernt.
"Deus Ex: The Fall" von Square Enix, für iOS, 5,99 Euro
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- Carsten Görig liebt obskure Bands, seine Gitarre und seine Familie. Seit vielen Jahren schreibt er außerdem über Videospiele.

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