Staatliche Förderung Gamesbranche wünscht sich 50 Millionen

Die Spielebranche skizziert, wie deutsche Studios besser gefördert werden könnten. Bezahlen soll den Plan der Staat - doch der könnte langfristig profitieren, locken die Spielemacher.

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Die Gamesbranche hat auf der Games Week in Berlin ein konkretes Modell für die Förderung von Entwicklerstudios in Deutschland vorgestellt. Kernpunkt des Modellvorschlags ist ein Fonds in Höhe von zunächst 50 Millionen Euro jährlich. Der deutsche Staat soll den Fonds finanzieren und so aktuelle Wettbewerbsnachteile hierzulande ansässiger Entwickler ausgleichen. "Primäres Ziel ist es, die Produktionskosten von Games zu verringern und somit die Entwicklung hochwertiger Spiele in Deutschland zu sichern", heißt es in einer längeren Erklärung zum Vorschlag.

Nach Vorstellung des Branchenverbands Game soll der angedachte "Deutsche Games-Fonds" Produkte und Prototypen kleiner, mittlerer und großer Entwicklerstudios gleichermaßen fördern, einschließlich Spielen, die vermutlich ein Ab-18-Alterskennzeichen der USK erhalten. Das neue Modell soll einfach und transparent sein und den Firmen Planungssicherheit geben. "Wir wollen keine Subventionskultur fördern, sondern die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Entwickler stärken", sagt Felix Falk, der Geschäftsführer des Game.

Der Förderfonds soll Studios unter anderem helfen, Finanzierungslücken zu schließen und Projekte so häufiger und schneller umzusetzen. Die Zuschüsse, die als Alternative zu einer auch immer wieder gewünschten steuerlichen Förderung ins Spiel gebracht werden, sollen von den Entwicklerstudios nicht zurückgezahlt werden müssen.

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Hoffnung auf mehr Steuergeld und Zusatzinvestitionen

Dass die Gamesbranche einen Förderfonds bekommt, gilt nach vielen Jahre Debatte um das Thema als absehbar. Im jüngsten Koalitionsvertrag heißt es, mit "Blick auf vergleichbare europäische Länderförderungen" wolle die Bundesregierung die Entwicklung hochwertiger digitaler Spiele fördern, "um den Entwicklerstandort Deutschland zu stärken und international wettbewerbsfähig zu machen".

Ob allerdings der Vorschlag des Game zeitnah und vor allem in der gewünschten finanziellen Dimension Realität wird oder nicht, wird sich zeigen. Der Game wirbt für seine Idee mit dem Argument, dass auch der Fiskus von hohen Fördersummen profitieren würde: Eine Erhebung in Frankreich habe gezeigt, dass pro einem Euro Förderung Steuer- und Sozialabgaben in Höhe von 1,80 anfielen, heißt es bei der Vorstellung des Konzeptes: Weitere acht Euro pro Euro Förderung könnten an Investitionen generiert werden.

In Deutschland rechnet der Verband vor diesem Hintergrund mit einem erhöhten Steueraufkommen von 90 Millionen Euro und zusätzlichen Investitionen in Höhe von 400 Millionen Euro, sollte sein Modell zur Anwendung kommen. "Wir wollen 'Games made in Germany' zu einer echten Erfolgsgeschichte machen", sagt Falk - ein Satz, der zeigt, dass im Ausland bislang nur wenige deutsche Games wirklich populär waren.

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Ein langjähriger Wunsch

Deutschlands Entwickler klagen schon seit Langem, dass die Produktion von Spielen in einigen Ländern viel stärker gefördert wird. Vergangenen August, zur Spielemesse Gamescom, sagte zum Beispiel Johannes Roth von Mimimi Productions dem SPIEGEL, er wünsche sich "eine bundesweite Unterstützung, die sich nicht hinter Programmen aus Kanada, Frankreich oder England verstecken muss": "Mit einem ernst zu nehmendem Volumen, für kleine bis große Unternehmen, im Idealfall bereits seit vorvorgestern." Roths Münchner Studio hatte mit "Shadow Tactics" eins der beliebtesten deutschen Spiele jüngerer Zeit auf den Markt gebracht.

Auch Benedikt Grindel, der Studioleiter von Ubisoft Blue Byte, der Firma hinter Reihen wie "Die Siedler" und "Anno", sagte damals: "Damit auch in Deutschland Blockbuster-Produktionen mit Budgets jenseits der 50 Millionen Euro entstehen können, braucht es eine substanzielle Games-Förderung für die Entwicklung von Computer- und Videospielen."

mbö/dpa

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