Brettspiel-Empfehlungen: Piraten sparen, Mönche trinken

Von Joachim Budde

Antike, Mittelalter, Neuzeit: Drei ausgezeichnete neue Gesellschaftsspiele versetzen Spieler in die Vergangenheit. Sie verwalten Roms Provinzen, sparen fürs Piratenschiff oder steigern die Whiskey-Produktion ihres Bistums.

"Korsaren der Karibik": Piraten sollten erst als Kaufleute genug Risikokapital verdienen Zur Großansicht
Joachim Budde

"Korsaren der Karibik": Piraten sollten erst als Kaufleute genug Risikokapital verdienen

"Ora et Labora" - Wenig beten, viel arbeiten

Bei "Ora et Labora" werden die Spieler ins Mittelalter versetzt und leiten als Abt ein eigenes Kloster. Mit ihren Mönchen müssen die Spieler ein Bistum möglichst erfolgreich bewirtschaften. Dazu erweitern sie ihr Kloster, errichten Handwerksbetriebe und gründen neue Siedlungen. Die meisten Gebäudetypen sind nur einmal im Spiel. Auch aus diesem Grund sind die Mönche ständig unterwegs, ernten auf dem Bauernhof Getreide, roden Wälder, legen Sümpfe trocken oder keltern Wein. Sie arbeiten im eigenen Bistum - und gegen einen kleinen Obolus auch bei einem Nachbarn.

"Ora et Labora" ist in jeder Hinsicht vielseitig: Die Spieler können ihre Klöster in Frankreich oder in Irland gedeihen lassen, Wein und Brot oder Bier und Whiskey genießen. Man kann "Ora et Labora" allein, zu zweit, zu dritt oder zu viert spielen, und für jede Spielerzahl gibt es optimierte Regeln. Je nachdem, wie viel Zeit die Spieler haben, wählen sie die kurze oder die lange Variante.

Die Anleitung ist sehr ausführlich, aber dennoch sind die Regeln und Mechanismen einfach. Schon die erste Partie spielt sich kurzweilig. Allerdings verbergen sich so viele Möglichkeiten und Kombinationen in den Gebäuden und in den Warenketten, dass sich die Äbte mit jeder weiteren Partie neue Strategien erschließen und erkennen, wie sie welche Gebäude am besten kombinieren, um den maximalen Ertrag zu erzielen. Und dann sind da ja noch die Mitspieler die gern mal dazwischenfunken. Ein rundum gelungenes Spiel für Optimierer mit Ausdauer.

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Brettspiel "Ora et Labora": Wenig beten, viel arbeiten
Uwe Rosenberg: "Ora et Labora", Grafik: Klemens Franz, Lookout Spiele, 1 bis 4 Spieler ab 10 Jahren. Spieldauer: ca. 120 Minuten, Preis: ca. 33 Euro (günstigster Preis im Online-Handel)

"Trajan" - Durch Mulden zur Macht

Beim Strategiespiel "Trajan" ist das Römische Reich das Spielfeld. Das Panorama auf dem Spielbrett erstreckt sich vom Kapitolshügel mit dem Senat im Vordergrund über Trajans Triumphbogen und das Forum, Stadtviertel und den Hafen zu den gallischen, germanischen und britannischen Kolonien. Überall an diesen Orten können die Spieler als Senatoren ihre Macht mehren.

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Brettspiel Trajan: Durch Mulden zur Macht
Zentrale Element ist für jeden Spieler ein Tableau mit sechs Mulden. Wie bei Mancala-Spielen bewegt der Spieler farbige Steine von Mulde zu Mulde: Er nimmt alle Steine in einer Mulde und legt im Uhrzeigersinn in jede darauffolgende Mulde einen der Steine ab. Die Mulde, in die er den letzten Stein legt, bestimmt seine nächste Aktion. Je nachdem, wo er landet, kann er seinen Einfluss im Senat vergrößern, sich beim Kaiser eine Gunst sichern, im Forum Brot, Spiele und Kultgegenstände für das Volk einkaufen, die Stadt ausbauen, im Hafen Waren handeln oder mit seinen Truppen Einnahmen aus den Provinzen erzielen.

"Trajan" ist ein Spiel für Planer mit Knobelaffinität, das sich flott spielen lässt und bis zum Schluss spannend bleibt. Einziger Nachteil: Die Spieler wirken nebeneinander her, es ist ziemlich schwierig, sich gegenseitig in die Quere zu kommen. Gerade Anfängern fehlt außerdem eine Übersicht über all die Aktionsmöglichkeiten - eine solche Hilfe gehört bei derart komplexen Spielen eigentlich zum Standard.

Wer geschickt setzt, kann gleich mehrmals handeln. Das ist wichtig, um einen Vorsprung gegenüber den Mitspielern herauszuspielen. Die Senatoren müssen sich gut überlegen, in welcher Reihenfolge sie ihre Spielzüge machen. Denn mit jedem Zug ändert sich natürlich die Zahl der Steine in den Mulden, und Aktionen, die gerade noch in Reichweite waren, müssen warten.

Stefan Feld: "Trajan", Grafik: Jo Hartwig, Ammonit Spiele, 2 bis 4 Spieler ab 12 Jahren. Spieldauer: ca. 30 Minuten pro Spieler, Preis: ca. 40 Euro (günstigster Preis im Online-Handel)

"Korsaren der Karibik" - Kapern oder Kaufen

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Brettspiel "Korsaren der Karibik": Kapern oder Kaufen
Die Karibik in der Blütezeit der Piraterie: Segelschiffe, Gold und andere wertvolle Güter, Seemannsgarn, zwielichtige Gestalten und konkurrierende Kolonialmächten. Diese Elemente verbindet "Korsaren der Karibik" zu einem ausgezeichneten Spielszenario.

Jeder Spieler übernimmt einen Kapitän nebst Schiff und versucht, möglichst schnell berühmt zu werden. Ruhmespunkte erhalten Spieler auf vielfältige Weise: Wenn sie Schiffe aufbringen, waghalsige Aufträge erfüllen oder Gerüchten über Schätze nachgehen, mehrt das ihre Reputation. Aber auch Kaufleute, die lukrative Geschäfte machen, erhalten Ruhmespunkte. Die Kauffahrer-Laufbahn ist zu Beginn des Spiels übrigens viel einfacher als die räuberische, weshalb viele Spieler erst einmal auf legale Weise ein finanzielles Polster anlegen, um dann besser ausgestattet die Totenkopffahne zu hissen. Damit sich die Spieler nicht nur gegenseitig bekämpfen, streifen Piraten und Marineschiffe durch die Karibik, die nicht von Spielern gesteuert werden.

"Korsaren der Karibik" ist ein langes Spiel mit sehr umfangreichen Regeln, von denen gerade Anfänger gern mal eine vergessen. Das Spiel ist für vier Mitspieler angelegt. Bei voller Besetzung entstehen jedoch lange Wartepausen für Spieler, die gerade nicht am Zug sind. Am besten spielt "Korsaren der Karibik" sich deshalb zu zweit. Denn dann sind immer beide Spieler in die Kämpfe verwickelt - sei es, weil ihr Kapitän selbst kämpft oder sie einen Nicht-Spieler-Charakter übernehmen. Und das Spiel dauert zu zweit statt drei Stunden lediglich anderthalb.

Glück spielt eine große Rolle bei "Korsaren der Karibik". Es bestimmt zwar nicht alles, aber wer dauernd Pech beim Würfeln und mit den Waren hat, kann nicht gewinnen. Dafür schafft "Korsaren der Karibik" sehr schöne Piratenatmosphäre. Bei allen Makeln ist es das beste Piratenspiel, das momentan auf dem Markt ist.

Christian Marcussen und Kasper Aagaard: "Korsaren der Karibik", Grafik: Ben Nelson und Chris Quilliams, 2 bis 4 Spieler ab 13 Jahren. Spieldauer: ca. 180 Minuten, Preis: ca. 28 Euro (günstigster Preis im Online-Handel)

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Netzwelt?
macfan 28.05.2012
Ich finde es toll, in SPON auch Kritiken von Brettspielen zu finden. Danke! Aber was hat das bloß mit der Netzwelt zu tun? Gruß, Horst
2. ...
Wolffpack 28.05.2012
"Korsaren der Karibik" hat mich doch stark an das Computerspiel "Port Royale" erinnert. Hängen die beiden zufällig zusammen?
3.
Der Meyer Klaus 29.05.2012
Eigentlich heißt es ja "Merchants & Marauders" (und davor "Age of Piracy"), zumindest im Original von 2010. Und bei BGG gerade auf Rang 73, ziemlich hoch (das nächste an Piraten angelehnte Spiel ist auf 334 ("Friday"), dann 487 ("Cartagena") und 496 ("Jamaica")).
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