Von Christian Neeb
Neben dem Schnitzel häufen sich Pommes zu einem krossen Gebirge, Soße fließt über das panierte Monstrum, die Masse erschlägt einen auf den ersten Blick - das wird gleich ein Kampf! Doch zuvor ist noch etwas zu tun. Schnell huschen die Finger über einen Touchscreen, und wenige Sekunden später ploppt die Meldung bei Twitter auf, und kurz darauf steht auch auf Facebook: "Schnitzel at Erika's Eck. Via Gowalla". Ein Foto des Hauptgerichts dokumentiert die Angabe, daneben prangt ein Abzeichen in Form eines stilisierten Stücks Fleisch. Der Eintrag gesellt sich zu vielen anderen: "Drinks at Drei Freunde Bar. Via Foursquare" steht da, illustriert mit einem Cocktailglas, und "6 Kilometer gelaufen. Via Nike+" neben einem Orden in Form eines Läufers oder "Eichhörnchenfellmütze mit dem Erledigen der To-do-Liste erbeutet. Via EpicWin". Die Masse der Einträge erschlägt auf den ersten Blick.
Seit im vergangenen Jahr der Service Foursquare gestartet ist, sind Ortungsspiele ein Trend. Weltweit haben sich bis heute mehr als viereinhalb Millionen Menschen bei der New Yorker Firma registriert und teilen Freunden und Bekannten per Statusmeldung mit, wo sie gerade sind und was sie dort machen. Möglich wird das durch Smartphones, die per GPS-Ortung wissen, wo sie sind, und die ihre Position an externe Dienste weiterleiten können. Foursquare belohnt seine Nutzer für die Einträge mit Punkten und Abzeichen - wie in einem Videospiel: Wer zum Beispiel die meisten registrierten Besuche in einem Restaurant vorweisen kann, das in Foursquare verzeichnet ist, wird als "The Mayor" ausgezeichnet. Das zugehörige "Bürgermeister"-Abzeichen, im Englischen "Badge" genannt, ist mit einer stilisierten Krone vor blauem Hintergrund illustriert.
Es ist begehrt - ähnlich wie die Trophäen und Archievements, die Videogames vergeben. Viele Nutzer von Foursquare verhalten sich aus diesem Grund auch wie Spieler: Sie nehmen den Wettstreit an und versuchen einander durch häufige Besuche in dem Restaurant die "Bürgermeister"-Trophäe abzujagen. Neben diesen einfach zu erlangenden Badges bringt das Unternehmen regelmäßig neue Auszeichnungen unters Volk. Manche sind reichlich exotisch. So erhielt der Astronaut Doug Wheelock als erster Mensch die Auszeichnung "Nasa Explorer", als er sich auf der Internationalen Raumstation ISS in seinen Foursquare-Account einloggte. Auf der Erde ist Foursquare längst nicht mehr alleine unterwegs, die Liste der Nachahmer ist groß: Gowalla, Badgeville, oder The Life Game buhlen mit nahezu identischen Konzepten um Nutzer.
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