"Dishonored - The Knife of Dunwall" durchgespielt: Tod im Walöl

Durchgespielt: Dishonored - The Knife of Dunwall Fotos
Bethesda

"Dishonored" war eines der besten Spiele 2012 und die neue Erweiterung "The Knife of Dunwall" hält das Niveau: Protagonist ist ein Auftragskiller, der seine Taten hinterfragt. Eine spannende Figur, komplexe Level und düstere Gegenden - Carsten Görig ist begeistert.

Walöl tropft von der Decke, in Pfützen steht das Blut der Tiere. Schlachter mit elektrischen Sägen patrouillieren die Gänge. Das Rothwild-Schlachthaus ist eine der düstersten Gegenden der Stadt Dunwall. Was einiges heißt in dieser von der Seuche gezeichneten Stadt, in der sich die Oberschicht durch Mauern und Wachen vom Rest der Bevölkerung abgrenzt und doch genau wie auch die Armen auf den Tod wartet, der durch Ratten eingeschleppt wird.

Im Rothwild-Schlachthaus werden Wale zerlegt und Walöl hergestellt, der Treibstoff von Dunwall. Walöl wird für die Sicherheitsanlagen benötigt, für die Stadtbahnen und für Experimente, mit denen neue Waffen hergestellt werden.

Dunwall, das 2012 in "Dishonored" zum ersten Mal gezeigt wurde, ist immer noch die faszinierendste Videospielstadt der letzten Jahre, auch in diesem Add-on "The Knife of Dunwall". Verwinkelt ist sie, voller kleiner Geschichten und Details. Und wieder ist sie ein Spielfeld, in dem ich im Dunkeln lauern kann, auf den richtigen Moment für den Angriff warte, meine Gegner bewusstlos schlage und sie in eine dunkle Ecke lege. Wieder versuche ich, durch das Spiel kommen, ohne zu töten, wie schon beim Hauptspiel "Dishonored". Es gelingt mir fast. Zwei Wachen hat es erwischt - ich hatte nicht genug Betäubungspfeile dabei.

Diesmal bin ich nicht Corvo, der Leibwächter der Königin und Protagonist von "Dishonored", sondern sein Gegenspieler Daud, der Mörder der Kaiserin Kaldwin. Daud ist "The Knife of Dunwall", das Messer der Stadt. Er tötet gegen Bezahlung. Diesen Auftragskiller zu spielen, ist neu. Als Mörder hat er andere Waffen, ist mehr auf Kampf als auf Schleichen ausgelegt. Und doch kann ich auch ihn leise durch die Level schicken, auskundschaften, Pläne schmieden. Und vor allem: speichern und neu laden. Oft und immer wieder, weil ich etwas übersehen habe. Das Add-on "The Knife of Dunwall" ist schwerer als das Hauptspiel. Mehr Wachen stehen im Weg, zudem scheinen sie aufmerksamer zu sein.

Dennoch: Auch hier gelingt es, unbemerkt durchzukommen, man braucht nur entsprechend viel Zeit. Es geht schneller, wenn man tötet, statt zu schleichen und zu betäuben. Wenn man sich beeilt, können die drei neuen Level schnell vorbei sein.

Daud ist eine ungleich spannendere Figur als Corvo. Daud ist voller Selbstzweifel. Obgleich vielfacher Mörder, hat ihn das Attentat auf die Kaiserin aus der Bahn geworfen. Er hinterfragt seine Tat, macht sich auf die Suche nach den Hintermännern seiner Auftraggeber, verfolgt die Spur einer mysteriösen Delilah und findet sie auch. Doch auch hier tritt die Geschichte bald in den Hintergrund. Die eigentlichen Erzählung wird davon bestimmt, wie man spielt. Wie man an Wachen vorbeischleicht, welchen Weg man nimmt, ob man schießt oder im Nahkampf vorgeht. Ob man seine Ziele tötet, betäubt oder anders ausschaltet.

"The Knife of Dunwall" ist eine Erinnerung daran, wie großartig "Dishonored" war und immer noch ist. Und lässt mich hoffen, dass es nicht das Letzte ist, was ich aus der heruntergekommenen Kaiserstadt höre.


"Dishonored: The Knife of Dunwall", Add-on für Playstation 3, Xbox 360 und PC, ca. zehn Euro (Hauptspiel benötigt)

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insgesamt 16 Beiträge
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    Seite 1    
1. Fanboy?
c218605 13.05.2013
Herr Görig - hatte mir D 1 auf Ihre Empfehlung hin besorgt: http://www.spiegel.de/netzwelt/games/dishonored-rezension-von-carsten-goerig-a-860573.html Es ist ein Resourcenfresser, dass nur mit einer High-Endmaschine (Quadcore und GForce) spielbar ist. Die Spielsequencen waren zwar schoen aber ewig lang, und zumindest auf dem PC nicht abzustellen. Und politisch korrektes Gaming mit "Nicht-Töten" war nur erzielbar wenn man nichts anderes zu tun hat und auch im Web nachfragt wie man gewisse Level schafft. Ich habe nach drei Tagen einfach keine Bock mehr und es verschenkt und mich mit dann dem guten alten Quake wieder runtergepowert. Ich frage mich wer bei Familie, Gitarre spielen und Spon weiterhin bei Ihnen dafür zu kurz kommt?
2. so weit so gut...
kaffeeesatz 13.05.2013
es ist wohl wahr, dass es mehr Gegner gibt, doch weiss man um die Spielmechanismen und nutzt die neuen Waffen, ist der Spielspass bei "the Knife of Dunwall" leider nur von kurzer Dauer - selbst im eigentlich schweren Ghost/ Stealthmodus. Für alte Hasen ist der Wiederspielwert, so wie im Hauptteil, deshalb nur sehr gering. Dennoch bekommt man, mal abgesehen von Nachladeproblemen, die selbst auf High-End-PCs zu spürbaren Rucklern führen, mit diesem DLC ein paar Stunden großartigen Nachschub des Dunwall Abenteuers.
3.
fliederus2 13.05.2013
Zitat von c218605Herr Görig - hatte mir D 1 auf Ihre Empfehlung hin besorgt: http://www.spiegel.de/netzwelt/games/dishonored-rezension-von-carsten-goerig-a-860573.html Es ist ein Resourcenfresser, dass nur mit einer High-Endmaschine (Quadcore und GForce) spielbar ist. Die Spielsequencen waren zwar schoen aber ewig lang, und zumindest auf dem PC nicht abzustellen. Und politisch korrektes Gaming mit "Nicht-Töten" war nur erzielbar wenn man nichts anderes zu tun hat und auch im Web nachfragt wie man gewisse Level schafft. Ich habe nach drei Tagen einfach keine Bock mehr und es verschenkt und mich mit dann dem guten alten Quake wieder runtergepowert. Ich frage mich wer bei Familie, Gitarre spielen und Spon weiterhin bei Ihnen dafür zu kurz kommt?
Und der Artikel macht Herrn Görig zu einem sog "Fanboy"? Oder wie begründen Sie Ihre als Frage getarnte Aussage? Oder sind möglicherweise Sie selbst der sog. "Fanboy" für Quake? Fragen über Fragen.
4. 1 zu 1
c218605 13.05.2013
Zitat von fliederus2Und der Artikel macht Herrn Görig zu einem sog "Fanboy"? Oder wie begründen Sie Ihre als Frage getarnte Aussage? Oder sind möglicherweise Sie selbst der sog. "Fanboy" für Quake? Fragen über Fragen.
Zumindest habe ich auf meine Frage auch eine in sich stimmige Begruendung folgen lassen. Es heisst zwar Fragen stellen, aber Ihre sind gestellte weil aus rein persönlicher Genugtuung. Sowie meine Antwort darauf.
5. optional
Merkelfan 13.05.2013
Denjenigen, die sich auf ein Spiele-Urteil aus SPON verlassen anstelle sich zumindest über die einschlägigen Fachzeitschriften ein Urteil zu bilden, ist nicht mehr zu helfen. Sie tun mir leid.
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Zum Autor
  • Carsten Görig liebt obskure Bands, seine Gitarre und seine Familie. Seit vielen Jahren schreibt er außerdem über Videospiele.



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