Tischrollenspiel "Dungeons & Dragons" kommt in der virtuellen Realität an

Das Tischrollenspiel "Dungeons & Dragons" führt weltweit Millionen Spieler zusammen - in Wohnzimmern, in Lokalen, auf Messen. Neuerdings lässt es sich sogar in der virtuellen Realität spielen - sofern man die passende Brille besitzt.

Video-Screenshot: Die Spieler sind als Avatare anwesend
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Video-Screenshot: Die Spieler sind als Avatare anwesend


Brille auf und raus aus der echten Welt? Virtual-Reality-Brillen haben bislang den Ruf einer wenig sozialen Freizeitbeschäftigung. Spieler mit Headset und Kopfhörer auf dem Kopf kriegen schließlich oft nicht einmal mit, was in ihrer unmittelbaren Umgebung passiert.

Gut möglich aber, dass man schon in absehbarer Zeit ganz anders über die Brillen urteilen wird - dann, wenn etwa Videochat-Apps und Multiplayer-Onlinespiele für die virtuelle Realität (VR) den Markt erobern.

Einen ersten Schritt in diese Richtung hat gerade Oculus VR gemacht, der Hersteller der wohl bekanntesten VR-Brille, der Oculus Rift. Seit das Unternehmen 2014 von Facebook übernommen worden ist, rückte es auch den Bereich soziale Interaktionen stärker ins Blickfeld.

Video-Screenshot: Die benötigten Utensilien liegen auf dem Tisch
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Video-Screenshot: Die benötigten Utensilien liegen auf dem Tisch

Sprach-Chats mit Oculus Social

Ein Ergebnis dieser Bemühungen kann seit kurzer Zeit ausprobiert werden. Seit Ende Oktober ist die Alpha-Version einer Anwendung namens Oculus Social verfügbar.

Zunächst sucht sich der Anwender aus einer Auswahl einen passenden Avatar aus. Oculus Social ermöglicht es danach, gemeinsam mit anderen Nutzern den gleichen virtuellen Raum zu betreten. Dort können gemeinsam Vimeo- und Twitch-Inhalte angesehen werden, dabei lässt sich mit Kopfbewegungen und per Sprachchat kommunizieren. Die Applikation ist auf Samsungs Gear-VR-Brille zugeschnitten, bei der ein Samsung-Smartphone als Bildschirm ins Brillengestell geschoben wird.

Video-Screenshot: Spielen in der virtuellen Taverne
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Video-Screenshot: Spielen in der virtuellen Taverne

Noch ist das Oculus-Social-Konzept vor allem ein Versprechen auf viel weitgehendere Konzepte. Doch auch andere Entwickler halten viel von den neuen Möglichkeiten gemeinsam erlebter, virtueller Welten - so etwa das VR-Software-Unternehmen AltspaceVR.

Ein Tisch zum D&D-Spielen

AltspaceVR hat sich mit dem Spielehersteller Wizards of the Coast verbündet: Letzteres US-Unternehmen produziert neben Sammelkarten vor allem "Pen & Paper"-Rollenspiele. Das weitaus bekannteste Tischenrollenspiel dürfte dabei "Dungeons & Dragons" (D&D) sein.

Für die weltweite und sehr aktive D&D-Gemeinde bildeten die AltspaceVR-Entwickler online eine komplette Spielszenerie nach. In dem am Montag veröffentlichten Programm erinnert die Szenerie an eine virtuelle Weinschänke aus, in deren Mitte ein Spieltisch steht. Auf diesem Tisch befinden sich die zum D&D-Spiel benötigten Utensilien.

Die Spieler selbst sind als Avatare anwesend, einer übernimmt wie auch offline die Rolle des sogenannten Dungeon Masters, des Spielleiters. Dieser besitzt einige zusätzliche Fähigkeiten, er kann etwa zwischen Schlacht-Szenarien wechseln und die jeweils passende Musik abspielen.

Was kommt als nächstes?

Für das gemeinsame Spiel muss ein Termin festgelegt werden, die Teilnehmer erhalten einen Link, der sie zur virtuellen Taverne führt. Mit Hilfe des Links können die Spieler auch später wieder dorthin zurückkehren.

Das D&D-Spiel ist gerade erst veröffentlicht, da denkt AltspaceVRs Entwicklerchef Bruce Wooden schon weiter. "Die nächste große Herausforderung besteht darin, die Leute ihre eigenen Spiele machen zu lassen, sie im Grunde das von uns übernehmen zu lassen", sagte er zum Tech-Magazin "Gizmodo".

"Gizmodo" weist in seinem Artikel übrigens noch darauf hin, dass die D&D-App derzeit nur mit dem Oculus Rift DK2 kompatibel ist. An dieses Gerät kommt man derzeit kaum, im Oculus-Online-Shop ist diese Brillenvariante mittlerweile ausverkauft. D&D-Fans müssen sich also noch wohl bis Anfang 2016 gedulden, dann soll die Oculus Rift regulär auf den Markt kommen.



insgesamt 3 Beiträge
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cherrypicker 20.11.2015
1. Ziel verfehlt
Der Reiz eines Tischrollenspiels ist ja gerade, mit echten Menschen am Tisch zu sitzen (und sich in den Spielpausen auch mit anderen Dingen zu beschäftigen). Wenn ich meine Mitspieler nur virtuell treffen will, spiele ich gleich ein Online-Rollenspiel, das hat schönere Avatare und eine besser Grafik. Und wenn wirklich mal ein Spieler auswärts ist und dennoch beim Tischrollenspiel mitmachen will: Skype reicht dazu vollkommen aus. Insofern ist die vorgestellte Software eine Lösung für ein Problem, das in meinen Augen gar nicht existiert.
reshera87 20.11.2015
2.
Meiner Meinung nach nur die 3D-Variante von Roll20, die genauso funktioniert, nur das man eben keine teure Brille dafür benötigt. Selbst eine 3D-Umgebung wird niemals das Feeling eines realen Spieleabend erreichen, denn auch die Mimik meines Gegenübers ist essenziell, um sich in die Spielwelt hinein zu versetzen.
tia_norak 20.11.2015
3. In Kinderschuhen
ist Oculus Social eindeutig noch. Bis dahin helfe ich mir weiterhin mit Fantasy Grounds, Maptool oder Roll20 sowie Teamspeak oder Skype. Denn auch wenn Rollenspiel "in echt" am Tisch am schönsten ist, virtuell hat es den Vorteil dass ich nicht mitbekomme wenn der kleine Halbling von einem 2 Meter Mann gespielt wird ;)
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