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E-Sport: Der Geek als Entertainer

Von Robert Glashüttner

Sie begannen als Experiment und wurden zur Institution: Sport-Kommentare zu Computerspielwettbewerben. Die sogenannten Shoutcasts zu "Starcraft II"-Partien machen ein Computerspiel erstmals auch für Zuschauer faszinierend - und seine Kommentatoren zu Stars.

E-Sport: Sportkommentatoren als Helden Fotos

Populäre Sportarten leben von ihrer medialen Inszenierung. Je fester die Regeln im kulturellen kollektiven Gedächtnis eingespeichert sind und je besser die jeweiligen Wettbewerbe aufbereitet werden, umso relevanter wird ein Sport. Die Anhänger kompetitiver Computerspiele bemühen sich seit rund zehn Jahren, diesem Prinzip nachzukommen, um so gesellschaftliche Aufmerksamkeit zu gewinnen. Und mittlerweile gelingt es ihnen immer häufiger.

Ein vorläufiger Höhepunkt wurde vergangenes Jahr erreicht, als die Betaphase des Nachfolgers von "Starcraft", dem 98er Echtzeitstrategie-Hit, online ging. Damit startete nicht nur eine neue Zeitrechnung für die Spieler. Es war auch der Beginn der heute verblüffend dynamischen Show-Welt des "Starcraft II"-Shoutcastings. Schon vor Jahren, in der Spätphase des Originalspiels, hatten einige Hobby-Kommentatoren Replays von Matches mit eigenen Tonspuren versehen und als Video hochgeladen. Dank schneller Internetverbindungen, intuitiver Bearbeitungssoftware und Youtube lässt sich das heute bei "Starcraft II" wesentlich direkter und unmittelbarer umsetzen.

Die lang erwartete Ankunft des Nachfolgers und mit ihr einer neuen Szene von internationalen Profi-Gamern erzeugte ohnehin den perfekten Sog in der Community. Binnen weniger Wochen sind die Shoutcasts so von einem Experiment zu einer Institution geworden. Enthusiastische Geeks in ihren frühen Zwanzigern zerschlagen dabei alle Klischees von Schüchternheit und fehlender Rhetorik und mutieren zu einer Mischung aus Videospiel-Analyst und Entertainer. Was vor Jahren noch unmöglich schien, ist jetzt wirklich geworden: Ein komplexes Computerspiel wird in einen derart zugänglichen Kontext gestellt, dass sich die Begeisterung auch auf Wenig-Spieler und Nicht- Gamer überträgt.

Erstmals in der Videospielgeschichte ist das Zusehen mindestens ebenso populär wie das Teilnehmen. Die beliebtesten Shoutcaster, darunter der Brite John Bain alias Total Biscuit und der US-Amerikaner Mike Lamond alias HuskyStarcraft, generieren mit jedem neuen Video innerhalb weniger Tage bis zu 250.000 Views auf Youtube.

Allerdings floriert die Szene nur in englischer Sprache - deutsche Pendants gibt es zwar, sie bleiben aber weit hinter dem Glamour der angloamerikanischen Caster zurück. Und besprochen werden von den westlichen Kommentatoren fast nur Replays aus Europa und Nordamerika.

In Anbetracht der vielen Profi-Gamer und "Starcraft II"-Fans in Südkorea verwundert das. Doch die gesellschaftlichen und sprachlichen Barrieren der beiden Kulturkreise sowie die Unterschiede in der jeweiligen E-Sport-Infrastruktur sind weiterhin schwer zu überwinden. Die Computerspiel-Showmaster des Westens werden aber bestimmt bald auch nach Fernost unterhaltsame Brücken schlagen.

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insgesamt 38 Beiträge
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1. warum kein video-beispiel?
mailmanek 27.03.2011
find ich ja spitze, dass das phänomen jemand bei spiegel online aufgefallen ist, aber warum ist dann bitte ein video von magicka im artikel zu finden (gutes spiel, aber hat mit esport kommentar verdammt wenig zu tun)? warum nicht direkt eins von einem starcraft 2 cast? warum nicht auch Day9 nennen? den mit abstand populärsten kommentator der westlichen welt. oder nennt doch das einheimische kind beim namen: ESL TV mit den deutschen kommentatoren Dennis Gehlen und Philly Klockow. ich bin über jedes bisschen information über die szene, das in die welt hinaus dringt froh, aber die informationen waren doch etwas löchrig.
2. HomerJ
ggimba 27.03.2011
Wer als Laie sich mal ein Bild von Starcraft II machen moechte, sollte sich mal ganz gemuetlich die Replays von HomerJ anschauen. So ziemlich das beste was die Deutsche ESports Community zu bieten hat!
3. :)
Spitfire_Jan 27.03.2011
Gefällt mir gut, dass sich SPON dem Thema mal annimmt. Mailmanek stimme ich in jedem Punkt zu. Das Video ist wirklich total überflüssig. @ggimba Ich will jetzt nicht flamen, aber der hat doch von allen halbwegs bekannten deutschen Sc2-Castern (Take, Filly, Khaldor, HomerJ) am wenigsten Ahnung von dem Spiel. Seine Kommentare beschränken sich ausschließlich auf das bennen der anwesenden Einheiten und Gebäude. Von Taktik Analyse ist da keine Spur zu sehen. Dann doch - gerade als Laie - eher die anderen genannten. Falls es mal jemanden interessiert, wie so ein Spiel aussieht: http://www.youtube.com/watch?v=2TlXR__-6jQ (deutsch) Englischkenntnisse sind trotzdem von Vorteil, wenn man verstehen will, was dort gesagt wird.
4. -
translating_violance 27.03.2011
@ggimba: HomerJ ist aber eben das, was im Artikel beschrieben wird: ein langweiliger und ein akustisch nicht sehr ansprechender Caster. Da ziehe ich sogar noch Husky vor. Der mir aber häufig zu quitschig wird und der viel zu oft damit angibt schneller zu sprechen als es seine Zunge erlaubt. TotalBiscuit ist der Standard, nach dem sich ein SC-Caster orientieren sollte. btw: Wenn schon ein Artikel über diese Szene gemacht wird, sollte auch das Video passen.... Das Magicka Interview ist definitiv kein E-Sport.
5. Deutsche Caster: Khaldor und Take
barrtioz 27.03.2011
Die einzigen deutschen Caster bei denen man sich nicht fremdschämen muss sind Take und Khaldor (beide haben davor WC3 gecastet). http://www.youtube.com/khaldortv#p/u/6/lj9U4j8jEp0 Ich finde es extrem enttäuschend dass die beiden nicht erwähnt werden. Vorallem Khaldor hat in letzter Zeit große Aufmerksamkeit in der internationalen Szene bekommen. Den Rest kann man aber wirklich vergessen, Homerj und Co. ist unterstes Niveau.
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