E-Sports Wesa will Fifa der Profi-Gamer werden

Die Szene der Proficomputerspieler will sich klarere Strukturen geben: Acht E-Sport-Teams und die Liga ESL haben dafür einen neuen Verband gegründet. Die Wesa soll auch den Spielern helfen, ihre Standpunkte vorzubringen.

"Counter-Strike: Global Offensive"-Turnier
DPA

"Counter-Strike: Global Offensive"-Turnier


Fnatic, Natus Vincere, EnVyUs, Virtus.Pro, Gamers2, Faze, Mousesports und Ninjas in Pyjamas: Was für Nicht-Gamer klingen mag wie Forums-Spitznamen, sind Mannschaftsnamen, die manche Spielefans auf Trikots tragen, genau wie die bejubelten Sportler selbst. Es handelt sich um acht der bekanntesten E-Sport-Teams der Welt, also Zusammenschlüsse von Proficomputerspielern. Sie haben sich nun ihrerseits verbündet, um ihren Sport weiter zu professionalisieren.

In London ist dafür ein weiterer Name zum globalen E-Sport-Vokabular dazugekommen: World Esports Association, kurz Wesa. Gemeinsam mit der Videospiel-Liga ESL haben die acht Teams einen Dachverband gegründet, im Stile traditioneller Sportverbände. Eine Art Fifa fürs Computerspielen soll die Wesa langfristig werden - wobei sich die Gründer vermutlich ein besseres Image als das des Weltfußballverbands wünschen.

Die Wesa soll den Teams helfen, besser planen zu können: Man wolle mehr Struktur in den E-Sport bringen, heißt es in einer Pressemitteilung, etwa mit verlässlichen Terminplänen für Fans, Spieler, Organisatoren und Berichterstatter. Die Teams sollen auch direkt von der Verbandsarbeit profitieren, indem sie an den Umsätzen beteiligt werden.

Cengiz Tüylü, der Chef von Mousesports, sagt auf Anfrage, sein Team würde seine Erlöse bislang vor allem durch Sponsoring, durch klassisches und virtuelles Merchandising und durch Preisgelder verdienen: "Durch die Wesa eröffnen sich für uns neue Erlöskanäle: So werden wir als Team und auch unsere Spieler in Zukunft an der zentralen Vermarktung von Übertragungsrechten oder Ticketing partizipieren."

Im E-Sport-Bereich, wo etwa Teamspiele wie "Counter-Strike: Global Offensive", "Dota 2" und "League of Legends" gespielt werden, werden schon heute jährlich dreistellige Millionenbeträge umgesetzt. Turniere finden mitunter in Fußballstadien statt, es geht immer wieder um Preisgelder in Millionenhöhe. Toppartien werden online von mehreren Millionen Zuschauer per Livestream angesehen. Und auch sonst haben der traditionelle Sport und der E-Sport viel gemein: Die Videospiel-Liga ESL etwa kündigte im Sommer 2015 eine Kooperation mit der Nationalen Anti-Doping-Agentur an.

Den Profispielern soll es neue Verband leichter machen, ihre Vorstellungen und Forderungen einzubringen: Die Wesa werde als erste E-Sport-Organisation einen Spielerrat bieten, heißt es. Seine Mitglieder sollen von den Profis gewählt werden und dann die Interessen der Profis vertreten, etwa mit dem Blick auf Regelvereinbarungen oder Transfers. Die E-Sportler werden bei Turnieren, die im Rahmen der Wesa-Regeln organisiert werden, also mehr mitbestimmen können als bislang - was ein sinnvoller Schritt ist, schließlich sind es sie und ihr Talent, die das Interesse an den Events hochhalten.

Nach Ansicht von Cengiz Tüylü bringt die Wesa aber auch den Zuschauern Vorteile: "Die Professionalität der gesamten Branche wird auf ein neues Level gehoben", sagt er, "und davon werden nicht nur Teams und Spieler profitieren, sondern in erster Linie die Fans, die gute Spiele sehen wollen."

Die erste Liga, die den Wesa-Richtlinien unterliegt, wird der Ankündigung zufolge die ESL Pro League sein, die höchste ESL-Spielklasse für den Shooter "Counter-Strike: Global Offensive".

mbö

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insgesamt 2 Beiträge
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saib9t 13.05.2016
1. Schritt in die richtige Richtung
Nachdem Activision Blizzard gestern ja auch verkündet hat, zusammen mit Facebook eine Alternative zum Streaming über twitch & Co zu erstellen, der nächste Schritt in Richtung Professionalisierung und Kommerzialisierung. Dazu werden mittlerweile ja häufig große Hallen oder Stadien für die Durchführung der Main Events gemietet (z.B. Commerzbank Arena oder Lanxess Arena). Man merkt, dass sich da ein fetter Multi-Millionen-Markt aufgetan hat, der in den nächsten Jahren noch um einiges wachsen wird. Gerade in Deutschland wird es sicherlich noch einige Jahre dauern, bis der E-Sport auf dem Level der populäreren "echten" Sportarten ist, aber die Richtung stimmt.
Bürger Icks 13.05.2016
2. Und Facebook wieder...yippieh...
Zitat von saib9tNachdem Activision Blizzard gestern ja auch verkündet hat, zusammen mit Facebook eine Alternative zum Streaming über twitch & Co zu erstellen, der nächste Schritt in Richtung Professionalisierung und Kommerzialisierung. Dazu werden mittlerweile ja häufig große Hallen oder Stadien für die Durchführung der Main Events gemietet (z.B. Commerzbank Arena oder Lanxess Arena). Man merkt, dass sich da ein fetter Multi-Millionen-Markt aufgetan hat, der in den nächsten Jahren noch um einiges wachsen wird. Gerade in Deutschland wird es sicherlich noch einige Jahre dauern, bis der E-Sport auf dem Level der populäreren "echten" Sportarten ist, aber die Richtung stimmt.
Da wüsste ich als Gamestreamer aber schon, warum ich mich für Twitch entscheiden würde...
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