Spielemesse E3 Fünf Erkenntnisse zur Gaming-Welt von morgen

Auf welchen Konsolen wird man künftig spielen? Wann wird die Branche Blockbuster-Spiele für die Virtual Reality liefern? Lesen Sie hier einen Ausblick auf die Zukunft der Spielebranche.

E3-Besucherin mit Figur aus "Dishonored 2"
DPA

E3-Besucherin mit Figur aus "Dishonored 2"

Aus Los Angeles berichtet


Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Diesen Donnerstag geht in Los Angeles die Spielemesse E3 zu Ende. Die großen Hersteller haben ihre Spiele-Highlights für die nächsten Monate und Jahre präsentiert, Nintendo etwa "Zelda: Breath of the Wild", Ubisoft ein Virtual-Reality-Spiel zu "Star Trek" und Sony das lang erwartete "The Last Guardian".

Konkurrent Microsoft hat zwei Xbox-One-Weiterentwicklungen vorgestellt, die Xbox One S und, mit weniger Details, Project Scorpio. Was aber bedeuten diese Ankündigungen - und wie steht es sonst ums Gaming? Unser Reporter vor Ort kommt zu fünf zentralen Erkenntnissen der E3 2016.

1. Der Konsolenmarkt der Zukunft wird ein anderer sein. Manche werden das mögen, andere hassen.

Obwohl das offiziell natürlich kein Hersteller empfiehlt: Wer mit dem Gedanken spielt, sich bald eine Xbox One oder eine Playstation 4 zu kaufen, für den kann es sich lohnen, zu warten - schon wegen der Hoffnung auf einen Preissturz der bisherigen Versionen. Sowohl Sony als auch Microsoft haben neue Produkte in Arbeit, offiziell keine Nachfolge-Konsolen, sondern überarbeitete, leistungsstärkere Geräte, auf denen auch alle alten Spiele laufen sollen.

Microsoft spricht jetzt von einer Xbox-One-Gerätefamilie, von einer "Zukunft des Spielens jenseits der Konsolen-Generationen". Einerseits, und das wird viele Gamer freuen, muss man nun nicht mehr sechs, sieben, acht Jahre warten, bis die Konsole des Lieblingsherstellers überarbeitet wird und vor allem technisch einen großen Sprung macht.

Anderseits endet damit auch die Zeit, in der man sich sicher sein konnte, für den jeweiligen Zeitraum die bestmögliche Spielerfahrung zu haben, jedenfalls in der Xbox- beziehungsweise Playstation-Welt, mit vollem Fokus der Entwickler auf genau dieses eine Produkt.

Neue Xbox One S mit Unterstützung für 4K-Ultra-HD-Video
AFP

Neue Xbox One S mit Unterstützung für 4K-Ultra-HD-Video

Künftig wird man zwar weiter dieselben Spiele spielen können wie der Kumpel, dafür laufen sie bei ihm vielleicht viel flüssiger und in besserer Grafik, weil er sich Project Scorpio oder die Playstation 4 Neo gegönnt hat - eine Erfahrung, die PC-Spieler angesichts individueller Konfigurationen seit Jahren machen.

Andrew House, Chef von Sony Interactive Entertainment, klang in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE, als hätte er lieber noch nichts zum Playstation-Upgrade verraten. Mit seiner Ankündigung über die "Financial Times" habe er nur auf die Informationen reagiert, die im Umlauf waren, sagte er, nachdem im März Entwicklungspartner über die Pläne informiert wurden.

Auf konkrete Interview-Nachfragen hin haben sowohl Microsoft und Sony betont, mit ihren Upgrades wohl eher nicht wie Apple werden zu wollen. Die Konsolenhersteller werden ihre Produkte also vermutlich auch künftig nicht im Ein- oder Zweijahrestakt aktualisieren, generell aber häufiger als bisher. Über Nintendos NX ist übrigens nach der E3 so viel bekannt wie vorher: so gut wie nichts, außer dass sie im März erscheinen soll.

2. Für PC-Spieler gibt es gute Nachrichten - von Microsoft.

Während Konsolenfans angesichts der neuen Modelle wahlweise schimpfen oder sich zum Beispiel über die kommende Unterstützung von 4K-Ultra-HD-Streaming freuen, haben PC-Spieler Grund zur Freude. Klar, auch in diesem Jahr gab es wieder viele Neuheiten, die man nicht aus technischen, sondern aus vertraglichen Gründen exklusiv auf einer Konsole spielen können wird, etwa das Postapokalypse-Spiel "Days Gone".

Doch zumindest Microsoft scheint mit Windows 10 sein Interesse an den PC-Spielern wiederentdeckt zu haben: Diverse anstehende Blockbuster wie "Halo Wars 2" erscheinen sowohl für die Xbox One, als auch für Windows 10. In einigen Titeln wie "Gears of War 4" und "Forza Horizon 3" werden Spieler beider Plattformen auch gegeneinander antreten können.

Wer die Spiele digital kauft, kann dank einer Funktion namens Xbox Play Anywhere auch seinen Spielstand zwischen den Plattformen synchronisieren, zudem muss man das Spiel jeweils nur einmal kaufen. Auf Nachfrage hieß es von Microsoft, derzeit habe das Unternehmen keine Pläne, PC-Spieler für Onlinepartien bezahlen zu lassen, etwa im Stile des Onlinedienstes Xbox Live Gold auf der Konsole.

Bleibt die Frage, ob es bald nicht reicht, einen jederzeit upgradebaren Windows-10-PC zu besitzen, wenn die großen Xbox-Spiele nun größtenteils auch dort erscheinen. Mike Nichols, Corporate Vice President of Marketing bei Xbox, sagte SPIEGEL ONLINE schlicht, das Beste sei es, Spiele künftig auf beiden Plattformen zu spielen.

Laut Andrew House von Sony war der Reiz der leistungsstärkeren PC sogar mit ein Grund, ein Produkt wie die Playstation 4 Neo auf den Weg zu bringen. Man wolle jenen Gamern etwas bieten, die Spiele in bestmöglicher Grafik spielen wollen, sagt er. "Mir scheint es oft, als würden diese Spieler nach zwei bis drei Jahren im Lebenszyklus einer Konsole zurück zum PC tendieren."

3. Die Spielebranche wird vielfältiger. Ganz langsam.

Ein Thema, mit dem sich die Spielehersteller in diesem Jahr unerwartet akut konfrontiert sahen, war Inklusion - mit Blick auf ihre Spiele, aber auch vor allem ihre Spielerschaften und Onlinecommunitys. 49 Menschen waren Sonntagmorgen in einem queeren Club in Orlando getötet worden, Stunden vor den ersten E3-Pressekonferenzen. Die Tat war getrieben vom Hass auf Homosexuelle.

Als Reaktion gab es bei einigen Konferenzen Schweigeminuten, der Publisher Bethesda setzte mit Regenbogen-Ansteckern als erster ein Zeichen, nachdem Electronic Arts das Thema unerwähnt ließ. "Unsere Herzen sind bei euch und ihr sollt wissen, dass ihr nicht allein seid", adressierte Xbox-Chef Phil Spencer Dienstag an alle Menschen, die von dem Attentat betroffen sind. "Die Gaming-Community trauert mit euch."

Hauptfigur Alex Hunter aus "Fifa 17"
Electronic Arts

Hauptfigur Alex Hunter aus "Fifa 17"

Abseits solcher Bekenntnisse zur LGBT-Community gibt es zunehmend Versuche, Hauptcharaktere abseits weißer, heterosexueller Männer zu etablieren (die es aber natürlich weiter in Dutzenden bekannten Spielen gibt und geben wird). So bietet etwa das Fußballspiel "Fifa 17" einen neuen Story-Modus, in dem man die Karriere eines schwarzen Youngsters durchlebt. Auch die Blockbuster "Mafia 3" und "Watch Dogs 2" haben anders als ihre Vorgänger schwarze Hauptfiguren. Frauen als Hauptfiguren bieten derweil zum Beispiel "Dishonored 2" und "Horizon: Zero Dawn".

Sony-Chef Andrew House sagte auf die Auswahl an Spielcharakteren angesprochen: "Ich denke, wir sind da in eine bessere Richtung unterwegs als bisher, aber auf keinen Fall sind wir beim Thema Diversität so reflektiert, wie wir es sein sollten."

4. Virtual Reality kriegt die Spiele, die sie braucht. Jetzt müssen sie nur noch gut werden.

Bislang ist es mit Virtual-Reality-Brillen so eine Sache: Einige wie die Oculus Rift oder die HTC Vive sind schon im Umlauf, und die meisten Besitzer sind durchaus angetan. Doch bekannte Spiele fehlen der Virtual Reality (VR) bislang.

"Resident Evil 7" wird aus der Ich-Perspektive gespielt
Capcom

"Resident Evil 7" wird aus der Ich-Perspektive gespielt

Das dürfte bald anders werden, die bekannten Marken kommen nach und nach, wie die E3 zeigt. Ubisoft zum Beispiel arbeitet an "Bridge Crew", einen Multiplayer-Spiel im "Star Trek"-Universum, und an "Werewolves Within", einer Umsetzung des Gruppenspiels "Werwölfe".

Für Sonys Playstation VR kommen VR-Erfahrungen zu "Star Wars", "Final Fantasy" und "Batman", außerdem wird man das Horrorspiel "Resident Evil 7" komplett mit Playstation VR spielen können. Und nicht zuletzt ist für PC der Shooter "Serious Sam VR" in Arbeit und auch "Fallout 4" soll 2017 eine VR-Version kommen. Ob all diese Spiele wirklich überzeugen, ist nicht immer wirklich absehbar. Sie machen VR-Brillen aber für die breite Masse attraktiver.

5. Die großen Ankündigungen der E3 werden in der Umsetzung wieder auf sich warten lassen.

Game-Designer Hideo Kojima
AFP

Game-Designer Hideo Kojima

Die letzte Erkenntnis, für Spielefans aber vielleicht die wichtigste, ist die, dass die Vorstellung eines Spiels auf der E3 nicht automatisch heißt, dass man es bald spielen können wird. Eine Auswertung kam kürzlich zum ernüchternden Ergebnis, dass bislang nur jedes dritte 2015 auf den Pressekonferenzen gezeigte Spiel schon erschienen ist. 62 Prozent der Titel lassen auf sich warten.

Viel erwartet, aber sicher noch weit entfernt, ist zum Beispiel "Death Stranding", das neue Projekt von Star-Entwickler Hideo Kojima, bekannt durch die "Metal Gear"-Reihe, zu dem Sony einen Trailer zeigte:

So wird man wohl auch auf der E3 2017 immer noch auf viele Spiele warten, die dieses Jahr vorgestellt worden sind - wobei mit "The last Guardian" immerhin ein Spiel erscheinen wird, auf das Gamer seit der E3 2009 warten.


Zusammengefasst: Microsoft und Sony arbeiten beide an High-End-Versionen ihrer Konsolen, von Microsofts Xbox-Plänen werden auch Windows-10-Spieler profitieren. Es gibt zunehmend schwarze oder weibliche Hauptfiguren in Spielen, bekannte Marken und Reihen wie "Star Trek" und "Resident Evil" bekommen VR-Spiele. Und auch diesmal werden viele gezeigte Spiele lang auf sich warten lassen.



insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
Bürger Icks 16.06.2016
1. Auf welchen Konsolen wird man künftig spielen?
Warum sollte man in Zukunft auf Konsolen spielen, wenn man das bisher auch nicht tat und besser damit fuhr?
Bürger Icks 16.06.2016
2. Doch zumindest Microsoft scheint mit Windows 10 sein Interesse an den PC-Spielern wiederentdeckt zu haben
Und deshalb blocken 99% meiner Spiel"freunde" auf Steam Win10 mit dem NoWin10.reg? So wie ich auch...
bigfraggle007 16.06.2016
3. Eben nicht!
"dafür laufen sie bei ihm vielleicht viel flüssiger und in besserer Grafik, weil er sich Project Scorpio oder die Playstation 4 Neo gegönnt hat" Nein, eben nicht. Mit 4k bekommt man eine höhere Auflösung aber noch lange keine bessere Grafik. http://www.xboxaktuell.de/news,id13308,xbox_project_scorpio_details_kompatibilitaet_vr_mehr.html
vitalik 16.06.2016
4.
Irgendwann mal ist es auch bei dem Letzten durchgedrungen, dass es beim Spielen um die Spiele geht und nicht um die Hardware. Der Krieg der Fanboys betrifft nur die Fanboys selbst und der Rest erfreut sich über die guten Spiele. Übrigens, grade die Indie-Spiele zeigen es doch, dass die Grafik nicht alles ist und revolutionäre Spielmechaniken Millionen von Spieler begeistern, auch wenn nicht in 4k gerendert wird.
weizenspreu 16.06.2016
5.
Mir sind diese Systemkrieger auch suspekt. Ich zocke bereits seit 20 Jahren sowohl auf dem PC als auch auf Konsolen immer mal wieder gerne. Ein Civ5 ist auf Konsole alleine schon der Schriftgröße wegen schwer vorstellbar. NBA2K dagegen geht bei mir nur auf Konsole mit Pad.
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