Umfrage auf der Messe E3 Kennen Sie deutsche Videospiele?

Welchen Stellenwert haben deutsche Spiele auf der weltgrößten Spielemesse E3 - und welche kennen die Fans überhaupt? Wir haben uns unter den Besuchern umgehört.

2K Games

Aus Los Angeles berichtet


Zugegeben, meine Umfrage war kein bisschen repräsentativ und die Bedingungen waren ein wenig unfair: Mitten im Gedränge der Spielemesse E3 habe ich Spielefans und Indie-Entwickler angesprochen und sie gebeten, Spiele zu nennen, von denen sie wissen oder zumindest ahnen, dass sie aus Deutschland kommen.

Leicht ist so eine Frage zum Beispiel für Amerikaner nicht zu beantworten. Manchmal fallen einem ja spontan die simpelsten Dinge nicht ein. Zudem weiß selbst ich als Tech-Journalist bei längst nicht allen Spielen, die ich ausprobiere, woher die Entwickler stammen.

Doch es gibt Ausnahmen - Spiele, die vielen Menschen samt Herkunft bekannt sind. Die "The Witcher"-Serie etwa hat dem polnischen Studio CD Projekt Red weltweit einen guten Ruf beschert. Und auch bei Spielen wie "Minecraft", "Mirror's Edge" und der "Battlefield"-Reihe haben viele Gamer schon einmal gehört, dass sie in Schweden entwickelt werden. Und dann sind da natürlich japanische Spiele, die oft schon durch Machart und Grafikstil auffallen.

Es gibt bekannte Spiele aus Deutschland

Aus Deutschland haben über die Jahre einige Spiele international Beachtung gefunden - eine Auswahl vom PC-Taktikspiel "Shadow Tactics" bis zur Mobil-App "Tiny Wings" finden Sie in unserer Fotostrecke:

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Hits, Klassiker, Kurioses: Games, made in Germany

Ein wenig Hoffnung auf für deutsche Studios erfreuliche Umfrage-Antworten gab es also, so sehr hierzulande auch über den Videospielstandort Deutschland geschimpft wird. Und tatsächlich zeigte sich: Mit ein wenig Hilfestellung kannte mancher E3-Besucher mehr Spiele aus Deutschland, als er geahnt hätte.

Ein deutsches Spiel, das dieses Jahr auf der E3 gezeigt wird, ist "The Surge", das vor Kurzem auf den Markt kam und auch international Anklang fand. Dahinter steht das Frankfurter Studio Deck13, das zuvor schon mit "Lords of the Fallen" auf sich aufmerksam machte. Letzteres Spiel ist auch daher relativ bekannt, da Sony es im September 2016 vielen Gamern als Teil ihres Monats-Abos Playstation Plus ohne weitere Kosten zugänglich machte.

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Das waren die E3-Highlights: Die Hits des Spielejahrs 2017

Dass kaum ein Gamer in Los Angeles weiß, dass "The Surge" und "Lords of the Fallen" aus Deutschland kommen, überrascht Timm Schwank, den Art-Chef von Deck13 nicht. "Für die meisten Spieler ist es wohl nicht relevant, wo ein Spiel entwickelt wurde", sagt er am kleinen E3-Stand zum Spiel. Bei größeren Produktionen würden viele pauschal auf Amerika tippen: "Die kennen dann eher ein einzelnes Studio wie Rocksteady aus England, wegen den 'Batman'-Sachen."

Timm Schwank
SPIEGEL ONLINE

Timm Schwank

Und was kennt man seiner Meinung nach am ehesten aus Deutschland, was waren die größten deutschen Blockbuster? "Am ehesten wohl 'Far Cry' und 'Ryse: Son of Rome', beides Titel von Crytek", sagt Schwank, "und vielleicht noch 'Spec Ops: The Line'. Und hoffentlich kennt man auch noch 'Lords of the Fallen'."

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E3 2017 in Bildern: So feiert sich die Gamesbranche


insgesamt 9 Beiträge
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bürgersh 15.06.2017
1.
Also im Grunde gibt es Crytek und ansonsten nicht viel. Natürlich kann man sich hinstellen und sagen, es gibt das und das Spiel aus Deutschland, nur neben Ländern wie Japan, USA, UK und Schweden sieht Deutschland eben doch alt aus. Zieht man dann die Bevölkerungszahl in Betracht (Deutschland sehr viel größer als Schweden, ungefähr so groß wie Japan) muß einem auffallen, daß es kein deutsches Nintendo oder Sony gibt. Obwohl Deutschland einer der weltweit größten Märkte für Videospiele ist. Das bedeutet, auf diesem Gebiet ist Deutschland Importweltmeister, nicht Exportweltmeister. Das ist armselig. Die Deutschen kaufen Spiele wie verrückt, aber 30 Jahre nach dem Durchbruch des PCs und 20 Jahre nach der Playstation haben sie sehr wenig eigene Industrie in dem Bereich. Wolfenstein stammt natürlich nicht aus Schweden, sondern das Franchise kommt aus den USA. Vielleicht wird die neueste Fortsetzung woanders produziert, aber die Urheberschaft liegt in den USA. Und daran, nämlich an der Urheberschaft, mangelt es in Deutschland. Das liegt meiner Meinung nach an kulturellen Unterschieden. In Deutschland haben es kreative Sparten traditionell schwer. Und das kostet den deutschen Staat Milliarden, weil die Einnahmen, die man haben könnte, in dem Bereich verloren gehen.
brehn 15.06.2017
2. ahja
Was ist schon ein "deutsches" Videospiel. An personen wird man das schwer festmachen können, da zumeist eine Vielzahl an Nationalitäten an der Entwicklung eines Spiels mitwirkt. Es gibt haufenweise Deutsche Entwickler/Programmierer/Designer etc. im Videospielbereich. Auch ich bin privat im Bereich der Concept-Art tätig (und bei dem Entwickler auch nicht als einziger deutscher), ist deswegen das Spiel was dann am Ende herauskommt "zum Teil deutsch"?!?
Nonvaio01 15.06.2017
3. stimmt
Zitat von bürgershAlso im Grunde gibt es Crytek und ansonsten nicht viel. Natürlich kann man sich hinstellen und sagen, es gibt das und das Spiel aus Deutschland, nur neben Ländern wie Japan, USA, UK und Schweden sieht Deutschland eben doch alt aus. Zieht man dann die Bevölkerungszahl in Betracht (Deutschland sehr viel größer als Schweden, ungefähr so groß wie Japan) muß einem auffallen, daß es kein deutsches Nintendo oder Sony gibt. Obwohl Deutschland einer der weltweit größten Märkte für Videospiele ist. Das bedeutet, auf diesem Gebiet ist Deutschland Importweltmeister, nicht Exportweltmeister. Das ist armselig. Die Deutschen kaufen Spiele wie verrückt, aber 30 Jahre nach dem Durchbruch des PCs und 20 Jahre nach der Playstation haben sie sehr wenig eigene Industrie in dem Bereich. Wolfenstein stammt natürlich nicht aus Schweden, sondern das Franchise kommt aus den USA. Vielleicht wird die neueste Fortsetzung woanders produziert, aber die Urheberschaft liegt in den USA. Und daran, nämlich an der Urheberschaft, mangelt es in Deutschland. Das liegt meiner Meinung nach an kulturellen Unterschieden. In Deutschland haben es kreative Sparten traditionell schwer. Und das kostet den deutschen Staat Milliarden, weil die Einnahmen, die man haben könnte, in dem Bereich verloren gehen.
das liegt denke ich an dem denken das spiele ja nutzlos sind, obwohl spiele weit mehr umsetzten als Hollywood. Dann wird hier mehr darauf geachtet das spiele ja pedagogisch wertvoll sein sollen, das erwachsene spielen kommt vielen in D einfach nicht in den Sinn. Man muss sich hier ja mal nur einige kommentare durchlesen wenn es um spiele geht.
jupiter_jones 15.06.2017
4. Interessanter Artikel
Dass Lords of Fallen aus einer deutschen Schmiede kommen, hätt ich garnicht gedacht. War sehr überrascht. In der Liga der Blockbuster Produktionen, konnte ich nur Crysis als deutsches Spiel nennen. Dafür das Deutschland so ein bevölkerungsreiches Land ist und als ein potenter Industriestaat gilt, gibt es viel zu wenig gute Produktionen mit dem Siegel Made in GErmany. Vielleicht sollte man mal den Bund dran erinnern, dass Videogames auch mittlerweile als ein Stück Kultur gelten, das man auch foerdern sollte. Die Knauserigkeit des Bundes könnte man vielleicht auch damit begründen, dass noch bei vielen deutschen Kulturreferenten die Meinung vorherrscht, Computerspiele seien doch nur was für Kinder. :-/ traurig.
derjoey 15.06.2017
5. Spiele, Filme, Serien
Bei Kinofilmen und Fernsehserien ist es ja leider nicht viel besser. Bei Ersterem sind zumeist mehr oder weniger gute Komödien das Aushängeschild, bei Letzterem Daily Soaps und Kriminalreihen. Oft fehlt das Geld, aber ich denke manchmal auch der Mut für Größeres - wie bei den Spielen. Dort wird - meist notgedrungen - stark auf überschaubare Budgets geguckt, und was dann erfolgreich ist, sind nicht selten Causal und Browser-Games.
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