Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Snowdens Flucht aus Hongkong: Name im Haftbefehl soll falsch gewesen sein

Transitbereich des Moskauer Flughafens: Wo ist Edward Snowden? Zur Großansicht
AP

Transitbereich des Moskauer Flughafens: Wo ist Edward Snowden?

Wie konnte Edward Snowden Hongkong verlassen - trotz amerikanischen Haftbefehls? Formale Fehler seien schuld, behauptet jetzt Hongkong: Die USA hätten für den Gesuchten einen falschen Namen angegeben.

Hongkong - Vor allem an einem Wort soll es gelegen haben, dass Edward Snowden in Hongkong nicht festgenommen wurde, sondern nach Moskau entwischen konnte. Im Haftbefehl aus den USA soll der zweite Vorname des Flüchtigen falsch angegeben gewesen sein.

Das behaupten Hongkongs Behörden. Justizstaatssekretär Rimsky Yuen sagte, Edward Snowden trage laut Hongkongs Unterlagen den Zweitnamen Joseph - allerdings hätten die USA ihn mal James genannt, mal nur Edward J. Snowden. "Diese drei Namen stimmen nicht genau überein", so Yuen, "deshalb fanden wir, dass das einer Klärung bedarf." Außerdem hätten die USA keine Passnummer angegeben.

Der Ex-Geheimdienstmitarbeiter Snowden war von Hawaii aus nach Hongkong geflohen und hatte von dort aus einen riesigen Überwachungsskandal publik gemacht: Er enthüllte das Spähprogramm Prism des amerikanischen Geheimdienstes, mit dem auf Nutzerdaten bei Facebook, Google, Microsoft und anderen großen IT-Konzernen zugegriffen wird. Und das noch größere Schnüffelprogramm Tempora, mit dem der britische Geheimdienst den Datenverkehr über den Atlantik abzapft und zwischenspeichert.

In den USA wurde prompt ein Haftbefehl ausgestellt. Snowden wird Spionage vorgeworfen, sowie Diebstahl und Weitergabe von Regierungseigentum. Die Behörden in Hongkong wurden rasch aufgefordert, Snowden festzusetzen. Aber sie taten es nicht.

Keine Antwort von den Behörden am Freitagnachmittag

Schuld daran waren laut Yuen bürokratische Schwierigkeiten. Am Freitagnachmittag habe man um die Klärung gebeten - und keine erhalten. Der Formfehler sei schließlich einer der Gründe dafür gewesen, dass sich die Festnahme verzögert habe und Snowden am Sonntag ausreisen konnte.

Das amerikanische Justizministerium wehrt ab: Man habe Hongkong alle Informationen gegeben, die nach dem gemeinsamen Auslieferungsabkommen vorgeschrieben seien. Außerdem seien Foto und Videos von Snowden um die Welt gegangen; da nehmen die Amerikaner den Verantwortlichen in Hongkong offenbar nicht ab, dass diese mehr Informationen darüber brauchten, wer genau gemeint war.

Edward Joseph Snowden soll sich derzeit im Transitbereich eines Moskauer Flughafens aufhalten. Sein amerikanischer Pass wurde annulliert, er soll um Asyl in Ecuador gebeten haben. Der ecuadorianische Außenminister Ricardo Patiño hat allerdings erklärt, die Entscheidung darüber könne im Zweifelsfall Monate dauern.

juh/AP

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 171 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Die Welt bespitzeln
kölschejung72 27.06.2013
aber nicht in der Lage ein Formular richtig auszufüllen.
2.
de-be 27.06.2013
Wer Recht und Gesetz nur dann nicht ignoriert, wenn es dem eigenen Vorteil dient, darf sich nicht wundern, wenn die anderen in diesem Fall ein wenig kleinlich und äußerst genau in der Auslegung der Regeln sind.
3. Marketingkampagnen
Dario Ding 27.06.2013
In der Zwischenzeit seien von damaligen ars technica-Chattern Protokolle aufgetaucht, die Snowden in seiner CIA-Zeit in Genf als Rassisten verunglimpfen, bzw. nach denen Snowden Schweizer als Rassisten verunglimpft hätte und Whistleblower in die Hoden schiessen wollte. Wer's glaubt. Nun soll wohl als Ablenkung sein Image getrübt werden, so dass die, die ihn bisher unterstützenswert fanden, ablehnend werden.
4. Schlampig und unprofessionell
rigge 27.06.2013
Zitat von sysopAPWie konnte Edward Snowden Hongkong verlassen - trotz amerikanischen Haftbefehls? Formale Fehler seien schuld, behauptet jetzt Hongkong: Die USA hätten für den Gesuchten einen falschen Namen angegeben. http://www.spiegel.de/netzwelt/games/edward-snowden-im-haftbefehl-soll-ein-falscher-name-gestanden-haben-a-908143.html
Sicher steckt hinter der Untätigkeit der Chinesen auch ein kleines Quäntchen Schadenfreude - so eine Gelegenheit, dem "Klassenfeind" eins reinzudrücken, kommt nicht oft vor. Aber sollten die genannten Umstände mit falschen Namen und vor allem fehlernder Passnummer tatsächlich der Tatsache entsprechen, dann bezeugt das einfach nur eine sehr schlampige und unprofessionelle Arbeit der US-Behörden. In meinen Augen durchaus ein legitimer Grund für die Chinesen, nicht in blinden Aktionismus zu verfallen und fehlende Informationen bzw. Klärung zu erbitten. Zudem unterstreicht eine so schlampige Arbeitsweise nur noch, warum eine so umfassende und vor allem verdachtslose Überwachung eben NICHT stattfinden darf: Wenn den (US-)Behörden auch nur ab und zu solche Fehler unterlaufen, dann sind bei Millionen Datensätzen immer noch zehntausende schlampig verarbeitet... und dann geraten schnell mal unschuldige Bürger unter falschen Verdacht. Nur ein weiteres Puzzleteil im Bild von den USA...
5. Joseph war nicht vollständig ausgeschrieben?
donald_rumsfeld 27.06.2013
Immerhin haben die USA einen Grund geliefert den Hong Kong jetzt benutzen kann. Aber Snowden wäre auch so entwischt selbst wenn Joseph & Passnummer gestimmt hätten. Geheimdienste haben Snowden geholfen zu fliehen und Die wissen auch wie man es anstellt, mehr brauch man nicht zu wissen
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: