Ego-Shooter US-Firma schickt Gamer auf Bin-Laden-Hatz

Virtueller Angriff auf Osama Bin Laden: Kaum hat die US-Regierung den Tod des Terrorchefs gemeldet, gibt es ein Computerspiel zum Militäreinsatz. Der Ego-Shooter kennt keinen Zweifel - Bin Laden ist bewaffnet und muss getötet werden.

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Reuters/Kuma Games

Ein Helikopter setzt den Soldaten auf dem Anwesen ab. Er schleicht sich in der Dunkelheit in das Gebäude, bewaffnet mit einem Gewehr. Plötzlich tritt Osama Bin Laden aus einem Seitengang hervor, er trägt einen weißen Turban und Springerstiefel - und er ist, im Gegensatz zum Original, bewaffnet. Der Soldat feuert eine Gewehrsalve auf den Terrorchef ab, Blut spritzt, Bin Laden sackt in sich zusammen.

Es sind die Szenen eines Computerspiels, eine neue Episode des First-Person-Shooters "Kuma War", die der Hersteller Kuma Reality Games ins Netz gestellt hat. Der Spieler übernimmt darin die Rolle eines Navy Seals, der in die Villa in Abbottabad eindringen soll, in der sich der Qaida-Chef verschanzt hat. Das Ziel: den Terroristen töten und seinen Leichnam bergen. Dafür wird der Spieler als Held gefeiert. "Eine jahrzehntelange weltweite Menschenjagd nach Osama Bin Laden wird ein Ende finden ... durch dich", heißt es in der Missionsbeschreibung.

Das Spiel erscheint nur wenige Tage nachdem die US-Regierung bekanntgegeben hat, den Terroristen getötet zu haben. Mitten in der Diskussion darüber, ob das Vorgehen der US-Regierung gerechtfertigt war oder nicht, wirft der New Yorker Spielehersteller die Bin-Laden-Episode des patriotischen Ballerspiels auf den Markt. Warum tötete die Spezialeinheit Osama Bin Laden? War das nötig? Diese Fragen muss sich der Spieler in Kuma War nicht stellen. Die Fronten sind klar.

Plumper Patriotismus und klare Trennlinien zwischen Gut und Böse: damit versucht der Hersteller seit einigen Jahren bei den Spielern zu punkten - und stößt damit regelmäßig auf Widerstand. Denn meist sind die virtuell nachgebauten Ereignisse tatsächlich passiert, blutige Auseinandersetzungen der US-Regierungstruppen im Kampf gegen den Terrorismus. Der Ego-Shooter verharmlost diese Szenarien spielerisch, meist unmittelbar nachdem sie passiert sind.

Dass sich Kuma dabei in Propaganda-Manier auf die Seite der Regierungstruppen schlägt, ist dabei wenig verwunderlich. Das Unternehmen hat gute Beziehungen zum US-Militär. Ehemalige Offiziere sollen dort sogar als Berater arbeiten.

Der Firmenboss verteidigt die Bin-Laden-Schlacht

Firmenchef Keith Halper sieht darin kein Problem, vielmehr versteht er sich als Aufklärer. Er lobt den Shooter seit jeher dafür, dass es dem Spieler ermögliche, "die Nachrichten zu erleben". Auch die aktuelle Episode hat Halper gegenüber dem Hollywoodreporter verteidigt. "Wir alle lesen genau die gleichen Artikel - vermutlich nur aus einer anderen Perspektive." Bin Laden sei ein schlechter Mann gewesen, sagte Halper, "die Menschen fühlen sich erleichtert, dass er nicht mehr da ist".

Auf das aktuelle Ereignis hat sein Team allerdings mehr Wert gelegt als auf zeitgemäße Grafik. Die Texturen, die Bewegungen und die Lichteffekte basieren auf einer längst überholten 3D-Engine. Kuma War verblasst neben nahezu allen aktuellen Ego-Shootern. Die einzigen, die schnell gearbeitet haben, sind die Level-Designer. Sie haben die Villa innerhalb weniger Tage nachgebaut. Doch auch hier ist der Schnellschuss klar zu erkennen. Das Gebäude wirkt klobig, Details sucht der Spieler vergeblich.

Knapp 100 Missionen des Spiels sind bereits veröffentlicht. Die erste Episode entstand vor rund acht Jahren. Damals sorgte das Spiel für Aufregung, weil die beiden Söhne von Saddam Hussein, Udai und Kussei, nackt und narbenübersät als Pixelpuppen zur Schau gestellt wurden. Bis heute hat sich an der Vorgehensweise nicht viel geändert. Kuma bezeichnet sich als Nachrichtenvermittler, setzt dem Spieler jedoch lediglich eine Propagandabrille auf und schickt ihn in eine banalisierte Pixelschlacht.

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insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
shokaku 09.05.2011
1.
Das ging aber schnell. Bissel geschmacklos ist es auch. Aber hierzulande wird es sicher einen politisch korrekten Verbotsantrag geben.
chinataxi 09.05.2011
2. Erschiessung
Na da dürfte ja nichts gegen sprechen. In einem Land in dem sich hochrangige Politiker über die gezielte Tötung eines Menschen freuen, wird ein Computerspiel dieser Art sicher keine Probleme mehr machen. Außerdem fehlt der Bundeswehr ja eh Nachwuchs.
Hercules Rockefeller, 09.05.2011
3. Im Gegenteil
Zitat von shokakuDas ging aber schnell. Bissel geschmacklos ist es auch. Aber hierzulande wird es sicher einen politisch korrekten Verbotsantrag geben.
Im Gegenteil, jeder Bürger ist alternativlos verpflichtet, das Spiel zu spielen. Was das Merkel freut, kann für den Bürger nur noch schöner sein...
Emmi 09.05.2011
4. Na, wenn das so ist...
"Bin Laden sei ein schlechter Mann gewesen, sagte Halper, die Menschen fühlen sich erleichtert, dass er nicht mehr da ist." Wenn es so ist, das "schlechte" Menschen einfach getötet werden dürfen, wird wohl bald ein richtiges Gemetzel losgehen. Probleme die ich dabei sehe: 1. Wer legt fest, was und wer "schlecht" ist? 2. Wie "schlecht" muss man sein, um getötet werden zu dürfen? Muss man ein Massenmörder sein oder reicht schon Falschparken/Ladendiebstahl? Emmi
syramon 09.05.2011
5. Sie
Zitat von shokakuDas ging aber schnell. Bissel geschmacklos ist es auch. Aber hierzulande wird es sicher einen politisch korrekten Verbotsantrag geben.
sind ganz schön gemein zu grünen Politikern:-)
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