Von Konrad Lischka
"Mehr Klarheit" verspricht sich der Spielehersteller Electronic Arts von neu formulierten Lizenzvereinbarungen für seine umstrittene Kontroll-Software Origin. Den Anlass für die Überarbeitung der Nutzungsbedingungen beschreibt EA da etwas verharmlosend: Wer neue Blockbuster-Spiele von EA auf einem PC spielen will, muss das Zusatzprogramm Origin installieren, das die Festplatte durchsucht. Der Konzern räumte sich bisher weitreichende Rechte zur Datenauswertung ein. Die bisher geltenden Bedingungen widersprechen der Ansicht von Juristen zufolge deutschem Recht.
Nun hat EA einige umstrittene Passagen in der Lizenzvereinbarung gestrichen, andere überarbeitet und wenige präzisiert (hier ein Dokumentation der Änderungen). Gelöscht hat EA eine Klausel, die dem Konzern die Nutzung von "technischen und verwandten Informationen" von den Kundencomputern zu Marketingzwecken erlaubt.
An der Origin-Software selbst will EA nichts ändern. Auf die Frage, ob man auch die Software anpassen werde, antwortet ein Firmensprecher: "Die Lizenzvereinbarungen von Origin entsprechen branchenüblichen Datenschutzerklärungen, wie sie von vielen anderen populären Web-Services verwendet werden." Man werde aber soweit erforderlich mit den zuständigen staatlichen Stellen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass die Richtlinien "gesetzeskonform sind und bleiben". Der Landesbeauftragte für den Datenschutz in Nordrhein-Westfalen prüft den Fall. Den Einsatz der Software hatte EA nicht vorab mit der Behörde abgesprochen.
Kontroll-Software bleibt verpflichtend
EA zeigt sich von der Kritik an der Software unbeeindruckt. Die Installation des Zusatzprogramms soll bei der Nutzung der PC-Versionen kommender Titel verpflichtend sein, dazu zählen unter anderem "Star Wars: The Old Republic", "Need for Speed The Run" und "Mass Effect 3".
Erklärungen dazu, welche Daten gesammelt und verarbeitet werden, hat EA in dem neuen Lizenzvertrag an mehreren Stellen eingestreut. Am Anfang des Rechtstextes ist nur die Rede davon, dass EA mit den erhobenen Daten "beispielsweise" prüft, ob die "Anwendung weltweit richtig funktioniert". Eine Überprüfung des Rechners auf Raubkopien von EA-Software ist hier nicht erwähnt.
Dieser Hinweis steht etwas weiter unten im Text:
"Die Anwendung und eine Internetverbindung sind notwendig, um die Lizenz bestimmter Produkte zu prüfen, die von EA vertrieben werden. Sie bestätigen und stimmen zu, dass die Anwendung automatisch Lizenzrechte für einige oder alle EA-Produkte prüfen kann, ohne Sie separat darüber zu benachrichtigen."
Die EA-Kunden stimmen zu, dass die Anwendung Informationen über Ihre "Computer, Ihre Hardware und Ihr Betriebssystem" zur Erstellung "eines anonymen Geräte-Identifikationscodes" benutzen kann, um Lizenzrechte zu prüfen und die Anwendung zu aktualisieren. Die zu diesem Zweck abgerufenen Informationen werden laut dem Rechtstext nicht in "auslesbarer Form" gespeichert.
Unklar ist, inwiefern der Identifikationscode anonym ist. Der Lizenzvertrag erlaubt EA an einer anderen Stelle "die Verarbeitung, Speicherung, Nutzung und Übermittlung" weiterer Daten, konkret der IP-Adresse und der MAC-Adresse. Bei der MAC-Adresse handelt es sich um eine eindeutige Identifikationsnummer, die jeder Netzwerkadapter in Routern, PC und Mobiltelefonen hat.
EA schließt persönliche Dokumente von Datensammelei aus
Verwirrend ist eine weitere Einwilligung, die der Kunde gegenüber EA per Lizenzvertrag gibt: Man willigt ein, dass "EA personenbezogene Daten mit technischen Informationen über Ihr System und Ihre Hardware kombiniert", um "seine Produkte und Dienstleistungen zu verbessern, Fehler zu beheben". Was genau EA unter personenbezogenen Daten versteht, ist hier nicht definiert.
Persönliche Dokumente auf den Rechnern der Kunden schließt EA aber eindeutig von der Datensammelei aus. In dem neuen Lizenzvertrag heißt es: "Von der Anwendung werden keinerlei Daten wie Bilder, Dokumente oder sonstige mit der Anwendung nicht in Zusammenhang stehende persönliche Daten aufgerufen oder erhoben."
Mehrere EA-Kunden hatten protokolliert, welche Dateien auf ihrem Computer die EA-Software untersucht. Einem Nutzer zufolge durchsuchte die Software Origin bei ihm auch das Verzeichnis eines Programms für die Steuererklärung. Ein anderer Nutzer berichtet, dass Origin Back-ups seines Handys auf der Festplatte durchsuchte und Dateien mit Telefonbuchkontakten und Kalendereinträgen scannte. Ein EA-Sprecher schließt gegenüber SPIEGEL ONLINE aus, dass die Origin-Software so vorgeht: "Auf persönliche Daten, die nichts mit der Ausführung des Origin-Programms auf dem System des Spielers zu tun haben, wird weder von uns zugegriffen noch werden sie von uns gesammelt."
Präzisiert hat Electronic Arts zudem, wer die gesammelten Daten verarbeitet: Die US-Muttergesellschaft in Kalifornien ist für alle "in Zusammenhang mit Origin erhobenen, genutzten und verarbeiteten Daten" verantwortlich. Gespeichert und verarbeitet werden die personenbezogenen Daten dem neuen Lizenzvertrag zufolge "in den Vereinigten Staaten und / oder in Kanada". Electronic Arts nutzt bei dem Origin-Dienst auch Amazon-Server zur Datenverarbeitung. Ein Sprecher erklärt dazu: "Die Nutzung von Cloud Computing ist in der Industrie üblich, der Grund hierfür liegt in der Skalierbarkeit bei Spitzenauslastungen. Dabei verarbeiten wir jedoch keinerlei Kundendaten, die nichts mit dem Spiel zu tun haben."
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