"Dota 2"-Turnier in Hamburg Wenn 10.000 Fans gemeinsam E-Sport gucken

Beim ESL-One-Turnier in Hamburg fiebern Tausende Fans mit, wenn Profis das Computerspiel "Dota 2" spielen. Die Besucher haben verschiedene Lieblingsteams, wollen aber vor allem gute Spiele sehen.

ESL One in Hamburg
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ESL One in Hamburg

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"Wer spielt heute?", will ein Busfahrer wissen, der in Richtung der Hamburger Arenen unterwegs ist. Fußball spielt dort diesmal keiner, lautet die Antwort. Die Teams, die in der Barclaycard Arena antreten, heißen Liquid, Newbee, Evil Geniuses oder Fnatic. Sie bestehen aus professionellen Computerspielern aus allerlei Ländern, E-Sportlern.

Tausende Fans sind zum ESL-One-Turnier gekommen, um zu sehen, wie die Profis im Videospiel "Dota 2", einem sogenannten Moba (kurz für: Multiplayer Online Battle Arena), gegeneinander antreten. Wer in Hamburg selbst am Rechner sitzt, kann sich sicher sein, dass es auf der Welt nur wenige Menschen gibt, die das Spiel ähnlich gut oder besser beherrschen. Gespielt wird seit Donnerstag, das Finale ist am Sonntagabend.

"Dota 2", 2013 erschienen, ist ein Spiel, das auf den Wettkampf zugeschnitten ist: Pro Match treten zwei Fünfer-Teams gegeneinander an. Jeder der Spieler übernimmt dabei die Kontrolle über einen von diversen Helden, deren Fähigkeiten sich stark unterscheiden. Ein gutes Zusammenspiel ist daher Pflicht. Ziel jeder Partie ist es, das Hauptgebäude - den sogenannten Ancient - der gegnerischen Mannschaft zu zerstören.

Fans mit Team-Liquid-Trikots

Unter den Besuchern glauben am Samstag viele, dass Team Liquid das Turnier gewinnen wird. Im August konnte die Mannschaft in Seattle The International für sich entscheiden, das wohl bekannteste E-Sport-Turnier der Welt. Die Spieler-Gruppe sicherte sich so rund zehn Millionen Dollar Preisgeld - und weltweiten Ruhm.

Vor diesem Hintergrund verwundert es kaum, dass in Hamburg - hier geht es um eine halbe Million Dollar Preisgeld - nun viele der Besucher mit Team-Liquid-Trikots unterwegs sind. Einen Einfluss könnte zudem haben, dass der Chef des Teams mit Kuro Salehi Takhasomi alias KuroKy auch noch ein Deutscher ist.

"Wir sind Team-Liquid-Fans seit der ersten Stunde", sagt beispielsweise ESL-One-Besucher Tim Kalundzisnki über sich und seine Freunde. "Kuro ist mein Lieblingsspieler".

In unserer Fotostrecke erfahren Sie mehr über das E-Sport-Publikum:

Schreien, so laut es geht

Generell sind nicht nur deutsche Gaming-Fans nach Hamburg gereist. Die drei Engländer Jon Davison, Ben Rollo und Tom Wud haben eine kleine Odyssee hinter sich. 18 Stunden haben sie bis nach Hamburg gebraucht, erzählt Rollo. "Ich hatte die tolle Idee, mit dem Auto herzukommen". Ein Fehler, meint er jetzt. Die komplizierte Anreise habe ihrer Stimmung aber nicht geschadet. "Wenn mein Team Evil Geniuses auf die Bühne kommt, schreie ich, so laut ich kann."

Evil-Geniuses-Fan ist auch Benedikt Hoff. Er trägt ein Trikot mit dem Logo des amerikanischen Teams, während sein Kumpel Erik Stolz ein Shirt mit dem Logo von Team Liquid bevorzugt. Streit gibt es wegen der unterschiedlichen Vorlieben nicht. "Wir sind hier, um guten E-Sport zu sehen", sagt Hoff. Anders als beispielsweise beim Fußball, gebe es keine richtigen Konflikte zwischen den Fans.

Profis beim Spielen
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Profis beim Spielen

Jubel für alle Spieler

Tatsächlich wird in der Hamburger Arena jeder gelungene Spielzug gleichermaßen bejubelt. Zwischendurch gibt es verhaltene Sprechchöre, aggressive Anhänger wie in manchem Fußballstadion sucht man vergebens.

"Das Tolle an dem Spiel ist, dass es in der Theorie jeder meistern kann", sagt Erik Stolz über "Dota 2". Sprache und körperliche Fitness würden keine Rolle spielen. Das mache auch das Zuschauen so interessant. Wer selbst spielt, könne sich in die Profis hineinversetzen und verstehen, was passiert.

Illusionen zur ihren Fähigkeiten machen sich Benedikt Hoff und Erik Stolz aber nicht: "So gut wie die Profis werden wir nie sein", sagen sie. Allenfalls könnten sie sich ein paar Tricks abschauen.



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bensopinion 29.10.2017
1. logisch
In einer immer enger vernetzten Welt und Millionen von Menschen, die zusammen spielen, ist es nur logisch, dass es Wettbewerbe gibt und sich die Besten messen. Schlussendlich geht es um Menschen und nicht um Pixel.
ontic 29.10.2017
2.
Ich lese den Beitrag hier gerade in der Arena und kann jedes Wort unterschreiben. Super Stimmung, nette Leute, Weltklasse Leistungen der Teams in fast jedem Spiel. Viel besser als Fußball.
Shelumia 29.10.2017
3. Schon längs eine der populärsten Sportarten
Dota, CSGO und mitlerweile vor Allem Leauge of Legends wenn Fußballvereine Wie Schalke oder PSG große E-Sports Abteilungen besitzen. Wenn der Sport obwohl er Analysten Trainern Psychologen Und Millionen von Zuschauern hat. Und vollständig proffesionalisiert ist immernoch nicht als offizielle Sportart anerkannt wird läuft das was ganz gewaltig schief
umpalumpa82 29.10.2017
4. E-Sports
10.000 Kids die anderen Nerds beim daddeln zusehen? Sie spielen nicht einmal selbst? Sorry, aber mit dieser Generation läuft echt was nicht richtig!
robert_ritter 29.10.2017
5. Eltern waren gegen meine Gaming Karriere
Ich weiß noch, wo gerade meine Mutter mir als Kind und Jugendlicher mir immer den Monitor oder die PC Kabel versteckt hat, weil ich zu viel gezockt habe nach der Schule. Aber ich hatte nie Lust auf Sauferei oder Völlerei wie viele andere und für mich das Gaming gerade auch der soziale Faktor, den ich gebraucht habe und woraus die besten Freundschaften entstanden sind. Ich würde sogar soweit gehen,dass ich behaupten würde, dass Gamer sehr sensible und ehrliche Charaktere sind in der Regel. Denn so ein Spiel, je nachdem welches es ist, fördert unglaublich die Reaktionen, das taktische Denken, die soziale Interaktion und solche Massenevents unterschreichen dies. Danke Mama, dass du mir wohl sichere ESL Karriere zu nichte gemacht hast. Wahrscheinlich wäre ich heute Millionär.
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