Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Computerspiel-Entwickler Howard: "Fallout ist eher ein amerikanisches Spiel"

Ein Interview von

"Fallout 4": So sieht Boston nach der Apokalypse aus Fotos
Bethesda

Das Rollenspiel "Fallout 4" ist einer der Hits auf der Spielemesse E3. Hier erklärt Chefentwickler Todd Howard, was Spieler auf ihrer Reise durchs postapokalyptische Boston erwartet.

Todd Howard ist einer der bekanntesten Computerspiele-Entwickler der Welt. Der Game-Designer von Bethesda Softworks hat mit "Fallout 3" und den "The Elder Scrolls"-Spielen "Morrowind", "Oblivion" und "Skyrim" gleich mehrere hervorragende Spiele verantwortet, die Millionen Spielefans in ihren Bann zogen.

Auf der Spielemesse E3 hat Howard seinen nächsten Hit vorgestellt: "Fallout 4", das am 10. November für den PC, die Playstation 4 und die Xbox One erscheinen soll.

Das Endzeit-Rollenspiel voller Anspielungen auf die Fünfzigerjahre und Science-Fiction-Comics ist im amerikanischen Boston angesiedelt - in einer Welt, deren Geschichtsschreibung unserer realen nur teilweise ähnelt (Eindrücke liefert unsere Bildstrecke).

Die Hauptfigur, deren Geschlecht man wählen kann, ist im Jahr 2277 unterwegs, 200 Jahre nach einem Atomkrieg. Zu entdecken gibt es eine Welt voller geheimnisvoller Orte, seltsamen Personen und fiesen Kreaturen. Wir haben mit Todd Howard über den neuesten Teil der Serie gesprochen.

SPIEGEL ONLINE: Herr Howard, als Sie "Fallout 4" bei Bethesdas E3-Pressekonferenz vorgestellt haben, sagten Sie, dass seit 2009 daran gearbeitet wird. Fiel es Ihnen schwer, der Öffentlichkeit erst jetzt von dem Projekt zu erzählen?

Howard: Die vergangenen vier Jahre waren hart, nachdem wir "Skyrim" auf den Markt gebracht hatten. Man wollte darüber reden und hätte es tun können, doch wir hielten es für besser, die Entwicklung geheim zu halten, bis wirklich etwas da ist. Wir wollten den Moment, in dem die Leute davon erfahren, besonders machen - und wir haben das Gefühl, das ist uns ganz gut gelungen.

SPIEGEL ONLINE: Der dritte "Fallout"-Teil spielte in Washington, warum haben Sie sich diesmal für Boston entschieden?

Howard: Schon in "Fallout 3" gab es Hinweise auf Boston. Die Stadt hat den richtigen Mix aus amerikanischer Geschichte und Hightech-Zeug.

Die Welt von "Fallout 4" ist nicht sonderlich belebt, lädt aber zum Erkunden ein
Bethesda

Die Welt von "Fallout 4" ist nicht sonderlich belebt, lädt aber zum Erkunden ein

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie mal mit dem Gedanken gespielt, ein "Fallout"-Spiel in Europa anzusiedeln?

Howard: "Fallout" ist vom Ton her viel eher ein amerikanisches Spiel, etwa was die Propaganda, den Humor und den Futurismus angeht.

SPIEGEL ONLINE: Auf der E3 wurden dieses Jahr viele Spiele vorgestellt, bei denen man von einem Moment zum anderem vom Einzel- in den Mehrspielermodus wechseln kann. Warum haben Sie "Fallout 4" als reines Einzelspielerspiel konzipiert?

Howard: Die Frage ist, was man dem Spieler ermöglichen will. Zum Erkunden in "Fallout" gehört eine gewisse Einsamkeit. Und wir wollten eine bestimmte Art von Geschichte erzählen. Wäre "Fallout" ein Mehrspielerspiel, wäre es ein ganz anderes Spiel. Nicht zwangsläufig ein schlechtes, aber ein anderes.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt mittlerweile viele Spiele mit offener Welt, etwa von Rockstar Games und Ubisoft. Gerade ist das Rollenspiel "The Witcher 3" erschienen. Was macht die Welt von "Fallout 4" besonders?

Howard: Unsere Welt hat eben den "Fallout"-Stil, schon das macht das Spiel besonders. Wir bemühen uns, alles so zu gestalten, dass es in die "Fallout"-Welt passt. Bei uns kann der Spieler außerdem zwischen der Ich-Perspektive und einer Dritte-Person-Perspektive wählen: Wir müssen uns also um die winzigen, aber auch die großen Details kümmern.

Die "Fallout"-Welt vor der Apokalypse, mit einem Vertreter an der Tür: Laut Todd Howard spielt dieser Spielteil in einer Wohnsiedlung
Bethesda

Die "Fallout"-Welt vor der Apokalypse, mit einem Vertreter an der Tür: Laut Todd Howard spielt dieser Spielteil in einer Wohnsiedlung

SPIEGEL ONLINE: Zum ersten Mal werden Spieler die Chance haben, die Spielwelt vor der Apokalypse zu Gesicht zu bekommen - dort individualisiert man unter anderem seinen Charakter. Welchen Umfang hat dieser Teil des Spiels?

Howard: Das kann man zeitlich nicht genau sagen - man kann ja eine halbe Stunde damit verbringen, das Gesicht seiner Spielfigur zu erstellen. Der Teil ist nicht allzu lang.

SPIEGEL ONLINE: Die Handlung vor der Apokalypse spielt also vor allem in der gezeigten Wohnsiedlung, man kann nicht die ganze Umgebung bereisen?

Howard: So ist es.

SPIEGEL ONLINE: Welche Rolle spielen der Hund und der Haushaltsroboter, die bei der Spielpräsentation zu sehen waren?

Howard: Im Spiel gibt es eine Reihe von Begleitern, der Hund und der Roboter sind zwei davon. Sie können dem Spieler helfen und mit ihm kämpfen, jedoch nie mehr als einer auf einmal. Man kann aber zwischen den Begleitern wechseln.

SPIEGEL ONLINE: Neu ist die Möglichkeit, in der Spielwelt kleine Festungen, aus Dingen, die man gefunden hat, zu errichten. Hat diese Funktion Grenzen?

Howard: Das Bauen wird nur in bestimmten Arealen auf der Karte möglich sein. Innerhalb dieser Areale gibt es keine Beschränkungen.

Manchmal bleibt dem Spieler keine Wahl, als sich mit Waffen zu verteidigen Zur Großansicht
Bethesda

Manchmal bleibt dem Spieler keine Wahl, als sich mit Waffen zu verteidigen

SPIEGEL ONLINE: Bei der Microsoft-Pressekonferenz wurde bekannt gegeben, dass per PC erstellte Fan-Erweiterungen auch auf der Xbox One laufen sollen. Wird man für manche Mods bezahlen müssen? Bei "Skyrim" hat Bethesda mit einer Mod-Bezahlmöglichkeit experimentiert, die nach Fan-Protesten zurückgezogen wurde.

Howard: Wie lang war das Bezahlsystem online? 24 Stunden? Ich kann nur für den jetzigen Zeitpunkt sprechen, aber aktuell gibt es keine Pläne für ein Bezahlsystem.

SPIEGEL ONLINE: Wie "Fallout 4" wurden auch schon andere Spiele sehnlich von den Fans erwartet, doch nicht immer lösten sie ein, was sie versprachen. Bei "Assassin's Creed: Unity" etwa ärgerten sich viele Spieler über Zusatzkäufe, die darin angeboten wurden. Gibt es etwas Derartiges in "Fallout 4"?

Howard: Nein.

Zur Person
  • REUTERS
    Todd Howard arbeitet seit 1994 bei Bethesda Softworks. Er zählt zu den bekanntesten Spieleentwicklern weltweit, seine Spiele wie "Skyrim" wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Bei einer Entwicklerkonferenz zählte Howard mal drei Regeln fürs Spielemachen auf. Eine davon lautete: "Großartige Spiele werden gespielt, nicht gemacht."

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Geil!
Mario Firesky 18.06.2015
Das sieht doch ganz vielversprechend aus. Schade das die App nur für Applekunden zugänglich ist!
2. Fantastisch
og_heeren 18.06.2015
Fallout ist einfach einmalig. Kann den vierten Teil kaum erwarten.
3.
Zaunsfeld 18.06.2015
Seit drei Jahren warte ich auf das Spiel. Mein erster Berührungspunkt mit dem Fallout-Universum war Fallout New Vegas. Ich hatte von dem Spiel noch nie was gehört und unter Rollenspiel hatte ich mir immer nur was mit Elfen, Trollen und Zauberern vorgestellt. Fallout New Vegas hatte ich dann nur rein zufällig als Game-of-the-Year-Version beim Wühlen auf dem Grabbeltisch gefunden und für 10 Euro, so dachte ich, konnte man nicht viel falsch machen. Dann lag das Spiel wochenlang bei mir rum, bis mir irgendwann mal langweilig wurde und ich es mal eingelegt habe. Es fing erst ein bisschen lahm an und ich war schon kurz davor, es wieder abzubrechen. Aber so nach und nach wurde die Geschichte immer intensiver, die Welt immer größer, interessanter und abgedrehter, die Möglichkeiten immer vielfältiger. Die Freiheiten beim Entdecken der geradezu riesigen Spielwelt und die abwechslungsreichen Quests und Details, sowie die ganzen verschiedenen Orte, die man erkunden konnte, waren geradezu unermesslich. Kaum hatte ich mich versehen, hatte ich schon wieder 6 Stunden in der Spielwelt verbracht. Die Zeit verging wie im Fluge. Jedes Mal, wenn ich das Spiel nach ein paar Stunden erst mal abgeschaltet hatte, konnte ich es gar nicht erwarten, am nächsten Tag weiterzuspielen, um zu erfahren, was ich wohl diesmal entdecken werde und wie die Geschichte weitergeht. Stunden über Stunden konnte man in dieser Spielwelt verbringen, ohne irgendeinen fest vorgeschriebenen Handlungsverlauf, dem man zwanghaft folgen musste, sondern man konnte sich die Reihenfolge der Handlung quasi selbst zurechtstellen und den gesamten Handlungsverlauf selbst bestimmen. Welche Gruppierungen sollten aussterben? Welchen schloss man sich an? Welche Aufgaben erledigte man? Ging man friedlich und intelligent vor oder wollte man zur Abwechslung mal ein bisschen mehr Action? Die Möglichkeiten waren endlos. Bestimmt um die 300 Stunden habe ich damit verbracht, das gesamte Hauptspiel und die 5 Erweiterungs-Addons in allen Zügen zu genießen und im Detail zu erkunden. Ein Jahr später bekam ich dann Fallout 3, das eigentlich älter ist als Fallout New Vegas, in die Hände ... und was soll ich sagen? Auch davon war ich begeistert. Es fühlte sich vom Feeling her und auch von der Optik genauso an wie Fallout New Vegas, so dass ich mich gleich heimisch fühlte und wieder um die 300 Stunden damit verbrachte, das gesamte Spiel samt Erweiterungen zu genießen. Vor allem konnte man die beiden Spiele auch noch mit älteren Rechnern auf höchster Qualitätsstufe spielen. Die Grafik war zwar nicht das Nonplusultra, aber absolut ausreichend. Die Spiele lebten nicht von der Grafik, sondern von der riesigen detailreichen Spielwelt und den spitzenmäßig ausgearbeiteten Quests und der hervorragenden Stroy-Line sowie von der postapokalyptischen Atmosphäre mit viel schwarzem Humbor und unglaublich vielen Anspielungen aus Film und Fernsehen und anderen Spielen. Seit fast 3 Jahren warte ich nun schon sehnlichst auf Fallout 4. Ich kann es kaum erwarten, es im Herbst in meinen Händen zu halten und eine neue Welt zu erkunden. :-)
4. @Mario
meins92 18.06.2015
Die App wurde auch für Android Geräte angekündigt soll die nächsten Monate im Play Store erscheinen.
5.
dolemite 18.06.2015
Zitat von og_heerenFallout ist einfach einmalig. Kann den vierten Teil kaum erwarten.
Und dass war es auch. Bethesda reitet seit Fallout 3 auf dem Rücken von brillanten Designelementen die jedoch in Fallout 1+2 mit einem brillanten gameplay verbunden waren. Es ist traurig wie wenig diese Franchise, seit der Übernahme von Bethesda, zu bieten hat und sinnbildlich dafür stand der Jubel des Publikums bei der E3 als so etwas banales wie ein "no-slider" Charakterbuilder vorgestellt wurde oder das zusammenbasteln eines eigenem "zu hause" was wie ein hybrid aus Sims und bisher bereits bestehenden Spielelementen besteht. Der Mehrwert für das Gameplay steht aus, viel mehr konzentriert sich man sich auf dass game "feeling". Es ist nicht anzuzweifeln das die Spielwelt komplex in der Verpackung daherkommt (Große Spielwelt, viele Items, viele Möglichkeiten der Customization) jedoch wenig Substanz hat was dass eigentliche Gameplay betrifft, eine Gemeinsamkeit die so ziemlich alle Bethesda Spiele haben. Abschließend muss ich an dieser Stelle ein Zitat von Ian Malcolm aus Jurassic Park "klauen" welches Fallout unter Bethesda gut zusammenfasst. ""Ich erkläre Ihnen, was das Problem bei dieser wissenschaftlichen Macht ist, die Sie hier anwenden: All das ist Ihnen gewissermaßen in den Schoß gefallen... Wissen Sie, Sie haben gelesen, was andere erforscht haben und dann haben Sie den nächsten Schritt gemacht. Das Wissen ist nicht auf Ihrem eigene Mist gewachsen und deshalb übernehmen Sie auch keine Verantwortung. Sie stützen sich auf die genialen Forschungsergebnisse andere, um möglichst schnell Ihr Ziel zu erreichen und bevor Sie überhaupt wussten, was Sie da hatten, ließen Sie es patentieren und vermarkten es und kleben ein Etikett auf eine Plastikdose und verhökern Sie. Sie verhökern Sie und wollen damit Profit machen!!!""
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH






Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: