"Fallout 4 VR" im Test Spaziergang durch die Apokalypse

Das Entwicklerstudio Bethesda setzt mit "Fallout 4" nach "Skyrim" ein weiteres Rollenspiel für VR-Brillen um. Wir haben ausprobiert, wie gut die postapokalyptische Welt in der virtuellen Realität aussieht.

Szene aus "Fallout 4 VR"
Bethesda/ YouTube

Szene aus "Fallout 4 VR"

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Der Spielehersteller Bethesda hat offenbar erkannt, dass sich viele Spieler danach sehnen, virtuelle Spielewelten mit einer VR-Brille auf der Nase neu zu entdecken. Nach "Skyrim VR" legt das Entwicklerstudio aus den USA nun mit "Fallout 4 VR" nach wenigen Wochen die nächste Neuauflage für die virtuelle Realität (VR) nach. Dieses Mal bleiben Playstation-Spieler allerdings außen vor. Das Spiel erscheint ausschließlich auf dem PC und unterstützt die HTC Vive.

Inhaltlich hat sich bei der VR-Variante von "Fallout 4" nichts geändert. Das Spiel beginnt im Haus einer "Friede, Freude, Eierkuchen´"-Familie, die in einem futuristischen Amerika lebt, das beim Stil und bei der Architektur auf dem Stand der 50er-Jahre hängen geblieben ist.

Ein Atombombenangriff unterbricht diese Idylle. Glücklicherweise steht in der Nachbarschaft ein Bunker bereit, in den die Familie flüchtet. Dort geht es für die nächsten 200 Jahre in den Kälteschlaf, um die Zeit der atomaren Verseuchung zu überbrücken. Als die Spielfigur erwacht, muss sie beobachten, wie der Ehepartner ermordet und das eigene Kind entführt wird. Der Auftrag ist klar: hinaus ins atomare Ödland, Rache nehmen und den Sohn retten.

Die Welt hat sich allerdings verändert. Der Alltag der Überlebenden ist geprägt von Anarchie und Gewalt. Der Spieler bereist diese neue Welt und muss sich mutierten Monstern stellen, Verbündete finden und schließlich ganze Siedlungen neu aufbauen.

Stolpern im Ödland

Mit der HTC Vive auf der Nase greift der Spieler dafür zu den beiden Touch-Controllern. Es gibt zwei verschiedene Varianten, um sich durch die Spielwelt zu bewegen. Entweder per Teleport oder freier Bewegung.

Für den Teleport zeigt man mit den Controllern auf einen Platz in der Spielwelt, nach einem Tastendruck materialisiert sich die Spielfigur an der gewählten Stelle. Das funktioniert zwar gut, ist für so ein umfangreiches Spiel allerdings keine Dauerlösung - das ständige Gespringe von Ort zu Ort geht einem schnell auf die Nerven.

Bei der freien Bewegung mit den bewegungsempfindlichen Feldern des Controllers gibt es hingegen immer wieder Probleme mit der Präzision. Besonders während der ersten Spielstunden fällt es schwer, Geschwindigkeit und Richtung genau zu kontrollieren. Die Möglichkeit, das Spiel mit einem klassischen Gamepad zu steuern, gibt es leider nicht. Wer wenig Erfahrung mit vergleichbaren VR-Spielen hat und zu Motion Sickness neigt, wird zudem schnell mit Übelkeit zu kämpfen haben.

Szene aus "Fallout 4 VR"
Bethesda/ YouTube

Szene aus "Fallout 4 VR"

Brauchst du eine Brille?

Noch ärgerlicher sind die technischen Fehler der Umsetzung. Bei Gesprächen mit Spielfiguren kommt es immer wieder zu kleinen Aussetzern und der Bildschirm wird für kurze Zeit weiß. Außerdem schleichen sich Grafikfehler und verwaschene Texturen ein.

Noch am Tag der Veröffentlichung beschwerten sich Spieler über eine unsaubere Darstellung. Bethesda reichte daraufhin ein Update nach.

Für "Fallout 4 VR", das insbesondere mit seiner glaubwürdigen Spielwelt fasziniert, sind solche Fehler unverzeihlich. Denn wenn die Immersion nicht durch die unsaubere Technik zerstört wird, hat das Spiel seine stärksten Momente.

Virtuelle Endzeit

Der Spaziergang im Ödland, der Kampf mit Banditen oder ein Besuch in Diamond City: "Fallout 4 VR" ist ähnlich stimmungsvoll wie die Vorlage. Wenn es nicht zu Fehlern kommt, ist die grafische Umsetzung beeindruckend. Vorausgesetzt der eigene PC erfüllt die immensen Hardware-Anforderungen des Spiels. Nach Angaben des Herstellers sind mindestens acht Gigabyte Arbeitsspeicher, eine Grafikkarte wie die GeForce GTX 1070 und ein starker Prozessor nötig.

Die Kämpfe mit den Vive-Controllern funktionieren ebenfalls gut - vor allem dank des Zielsystems, bei dem die Zeit kurz eingefroren wird, während sich der Spieler aussuchen kann, auf welches Körperteil seines Gegners er schießen will. Dadurch gibt es bei den Gefechten eine deutlich bessere Übersicht und es wird weitaus weniger hektisch als bei "Skyrim VR".

Szene aus "Fallout 4 VR"
Bethesda/ YouTube

Szene aus "Fallout 4 VR"

Die Entwickler verzichteten leider darauf, die Hände des Spielers darzustellen, um die Controller-Bewegungen in die Welt von "Fallout 4 VR" zu übertragen. Gegenstände und die Waffen schweben also einfach in der Luft. Das schadet immer wieder der Immersion.

Letztlich verschenkt "Fallout 4 VR" sein Potenzial. Die Spielwelt ist faszinierend und der virtuelle Gang durchs Ödland macht Spaß. Allerdings zerstören, wie auch schon bei "Skyrim VR", technische Schwächen und eine lieblose Umsetzung immer wieder die Atmosphäre. Schnell nachgeschobene Updates und eine fehlende Unterstützung klassischer Controller hinterlassen ebenfalls keinen guten Eindruck. Bethesda hätte sich für den erneuten Ausflug in die Welt von Fallout lieber noch ein bisschen Zeit gelassen.


"Fallout 4 VR" von Bethesda, erhältlich für PC, 59,99; USK: ab 18 Jahren, getestet mit der HTC Vive.

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
kevinschmied704 17.12.2017
1. es ist momentan nur eine nette spielerei...
für Leute mir zu viel Geld und wenig technischen wissen und Erwartungen. um mir das wirklich schmackhaft zu machen müssten gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. natürlich eine gute grafische Umsetzung, die Technik muss soweit entwickelt sein, das einem nach kurzer Einübung, die Handhabung nicht schwer fallen darf und einem nicht mehr schwindlig würd. das mit dem Schwindel liegt auch noch an der Technik. wenn diese Kinderkrankheiten weg sind, würde ich es mir kaufen.
az75 17.12.2017
2.
Leider geht der Artikel auch nicht auf einen der weiteren (Haupt-)Gründe ein, warum sich etliche Spieler aufregen: Im Grunde handelt es sich nämlich um nichts anderes als die Vanilla-Version des regulären Fallout 4, ohne jegliche Erweiterungen (DLCs), welcher quasi nur eine ca. 80 mb große Datei zugefügt wurde. Sprich: Bethesda kassiert 60€ für etwas ab, was nichts anderes als eine simple Mod für minimalste VR-Kompatibilität ist. Als Nächstes kommen dann wohl die DLCs auch nochmal zum Originalpreis.
godot83 17.12.2017
3. es ist mehr als eine nette Spielerei
für ein Oculus Rift Bundle zahlt man aktuell unter 400 Euro und es gibt inzwischen auch genug Spiele die nur für VR gemacht wurden und das lohnt sich die Grafik ist super, die technische Umsetzung bei vielen Titeln auch Fallout VR ist hier leider kein gutes Beispiel, das leidet halt unter einigen Bugs und ist halt nicht von vorne herein für VR gemacht wurden einfach mal ausprobieren mit Spielen wie Archangel, Superhot VR, Robocall, I exspect you to die, Lucky's Tale und ich garantiere man empfindet das weder als überteuert noch als technische Spielerei!
MartinS. 17.12.2017
4. ...
Zitat von kevinschmied704für Leute mir zu viel Geld und wenig technischen wissen und Erwartungen. um mir das wirklich schmackhaft zu machen müssten gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. natürlich eine gute grafische Umsetzung, die Technik muss soweit entwickelt sein, das einem nach kurzer Einübung, die Handhabung nicht schwer fallen darf und einem nicht mehr schwindlig würd. das mit dem Schwindel liegt auch noch an der Technik. wenn diese Kinderkrankheiten weg sind, würde ich es mir kaufen.
Das mit der Motion Sickness ist nicht unbedingt ein technisches Problem, dass die Entwickler lösen können, sondern in weiten Teilen mehr ein biologisches Problem. Genauso wie Seekrankheit/Reisekrankheit wird das verursacht durch ein Misverhältnis zwischen der optischen Wahrnehmung und unserem Gleichgewichtssinn, durch Bewegungswahrnehmung im Mittelohr. Man sieht also eine Bewegung, aber der Körper kann sie im Ohr nicht spüren... ist zwar andersrum als bei der Seekrankheit (da spürt man das Schaukeln, sieht es aber nicht), hat aber den gleichen Effekt. Da ist nicht jeder gleichmäßig anfällig... und es kann (fast) jeder trainieren, davon nicht mehr beeinflusst zu werden. Aber mit besserer Technik lässt sich das nicht unbedingt lösen, solange man nur optisch eine virtuelle Umgebung vortäuscht, ohne den Körper dabei wirklich simultan zu bewegen. Was eventuell besser verträglich ist, wäre die Immersion zu reduzieren und die optischen Effekte gezielt abzukoppeln, so dass der Benutzer weniger das Gefühl hat wirklich in einer anderen Umgebung zu sein.... aber das wäre ja wieder doof und ein Schritt zurück von der Virtualität.
metzelkater 17.12.2017
5. Fallout 4 ist eines der besten Spiele aller Zeiten
Allerdings sollte man es auch auf dem optimal geeigneten Gerät spielen und das ist eben der Fernseher und nicht eine schwere und unhandliche VR Brille voller Kinderkrankheiten. Wer Fallout 4 nicht kennt, sollte es sich einfach am Bildschirm gönnen. Da hat man mehr davon.
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