Fantasiewelten in "Minecraft" Klotzen mit Klötzchen in Mittelerde

Besessene Gamer nutzen den digitalen Klötzchen-Baukasten "Minecraft", um Szenen aus ihren Lieblingsspielen neu zu interpretieren. Ein 21-Jähriger geht noch weiter: Mit Hunderten Helfern will er den "Herr der Ringe"-Schauplatz Mittelerde nachbauen.

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Wie viele Millionen Blöcke man benötigt, um ganz Mittelerde nachzubauen, kann Shorvok nicht einmal schätzen. "Wir haben gerade mal ein Drittel der Landfläche von Eriador fertig, und einen Teil des Westens von Rhovanion", sagt er. "Das sind wahrscheinlich nicht mal fünf Prozent von Mittelerde. Unsere Karte ist schon jetzt zwei Gigabyte groß." Zwei Gigabyte für J.R.R. Tolkiens Fantasiewelt - und unzählige Stunden freiwilliger Fronarbeit im Pixelsteinbruch.

"Das frage ich mich auch oft", antwortet Shorvok auf die Frage, warum er die Landschaften aus "Herr der Ringe" ausgerechnet jetzt und ausgerechnet im Spiel "Minecraft" nachbauen wollte. Schließlich begeisterte er sich schon seit Jahren für Tolkiens Reich der Elben und Hobbits. "Wahrscheinlich, weil ich nicht richtig programmieren kann. 'Minecraft' macht es so einfach, etwas zu bauen - und jeder kann mitmachen."

"Minecraft", das Spiel des schwedischen Programmierers Markus Persson, genannt Notch, ist eine Art virtueller Sandkasten. Mit den Blöcken, die zusammen die Landschaft ergeben, kann der Spieler darin herstellen, was er will: Häuser zum Beispiel, oder Burgen und Berge. "Minecraft" bietet zwar auch einen Survival-Modus inklusive Waffen und Monster, doch die Mehrheit der Gamer scheint den Kreativpart zu bevorzugen. Das kennt man vom Lego-Spielen: Auch dabei macht vielen Kindern das Zusammenstecken der Bausteine mehr Spaß, als hinterher damit zu spielen.

Den Trend, Orte und Szenen aus Filmen, Büchern und anderen Spielen nachzubauen, gab es bereits vor Shorvoks Mittelerde-Projekt. Mittlerweile haben kreative Zocker zum Beispiel die Intros der 1998er-Spielehits "Anno 1602"( Original-Intro) und "Half Life"( Original) neu interpretiert. Dank der Pixelgrafik des Spiels sieht so manche Neuinterpretation allerdings älter aus als ihre Vorlage. Sogar der Klassiker "Pac-Man"aus dem Jahr 1980 existiert bereits in Viereck-Optik, ebenso wie "Tetris", "Super Mario" (in diversen Versionen, auch in Egoperspektive), und "Space Invaders". Um die Arcade-Klassiker zu spielen, muss man manchmal auf einen Turm steigen - denn die Klötzchen für die Raumschiffe sind ja genauso groß wie alle anderen Klötzchen in der Landschaft.

Hinter dem Pseudonym Shorvok verbirgt sich übrigens ein Geographie-Student aus Tennessee (USA). Der 21-Jährige ist der Gründer von "Minecraft Middle-Earth", einem Fanprojekt mit dem ambitionierten Ziel, aus 16 mal 16 Pixel kleinen Blöcken ganz Mittelerde entstehen zu lassen. "Ich habe die Bücher gelesen und die Filme gesehen", erzählt Shorvok. "Und im vergangenen Oktober hatte ich dann die Idee, dieses Projekt zu starten." Der Student schrieb in ein Forum - und prompt meldeten sich zahlreiche "Herr der Ringe"-Fans, die ihn unterstützen wollten. Die "Minecraft"-Fans hatten ein neues Hobby.

Das Höhenlimit schränkt ein

So ambitioniert und schlicht gigantisch wie das Mittelerde-Projekt ist sonst kaum eins in der Klötzchenwelt. Als Maßstab haben sie sich die Tolkien-Fans für 1:100 entschieden. "Sonst würde die Reise zwischen den Gebieten Tage dauern", erläutert Shovork. "Die Städte wie Bree bauen wir aber im Maßstab 1:1."

Kopfzerbrechen bereitet den Bastlern noch das Höhenlimit des Spiels. "Wir sitzen in der Klemme, wenn wir demnächst das Nebelgebirge und Minas Tirith konstruieren wollen", sagt Shorvok. "Schon mehrmals habe ich versucht, deswegen den 'Minecraft'-Macher Notch zu kontaktieren. Leider hat er mich ignoriert." Bisher kann man in der unmodifizierten Version maximal 128 Blöcke aufeinanderstapeln.

Mehr Bilder und Informationen zu "Minecraft Middle-Earth" finden sich auf der offiziellen Website. Dort erfährt man auch, wie man sich für das Projekt bewerben kann. Gutes Englisch wird vorausgesetzt. Weitere Bewegtbilder aus Blöckchen-Mittelerde sind im YouTube-Kanal zu sehen. Von "Minecraft" ist gerade die neueste Version 1.8erschienen.

insgesamt 17 Beiträge
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makutsov 22.09.2011
1. Herzlichen Glückwunsch
Tja, alles mal ca. 1 Jahr zu spät.
MacGeifer 22.09.2011
2. höhenlimit schon weg
na wie gut das mit patch 1.8 das höhenlimit jetzt ganz einfach modbar gemacht wurde. dann stehen auch diversen gebirgen nichts mehr im weg. mich würde ja mal interessieren auf was für einem server die jungs und mädels an einer 2gb-karte basteln....
iweriwo 22.09.2011
3. ....
Zitat von MacGeiferna wie gut das mit patch 1.8 das höhenlimit jetzt ganz einfach modbar gemacht wurde. dann stehen auch diversen gebirgen nichts mehr im weg. mich würde ja mal interessieren auf was für einem server die jungs und mädels an einer 2gb-karte basteln....
Da reicht n Server mit nem aktuellen i5 oder i7 Desktop oder Servercpu, HDD 1 SATA2 ggf. SSD SATA2.
graf_krolock 22.09.2011
4. Gott spielen
Interessante Sache. Ich selbst versuche mich zur Zeit gelegentlich an der Sandbox von Platinum Arts (Cube2-Engine), die man sich kostenlos herunterladen kann. Da ist mir zwar auch alles ein bisschen zu eckig und es entstehen beim Modellieren der Landschaften immer wieder blöde Zacken die manchmal sogar völlig losgelöst im Raum schweben und die man nur in mühsamer Kleinarbeit wieder beseitigen kann, aber insgesamt sieht doch alles deutlich runder aus als das was ich bislang von Minecraft gesehen habe. Und die Sandbox ist, wie gesagt, kostenlos. Wie aus der Landschaft schließlich ein Spiel wird, wie man Charaktere kreiert und animiert usw. ist mir allerdings bislang noch unklar. Tutorials sind leider rar. Vermutlich braucht man noch ergänzende Programme, z.B. Blender. Aber die Bastelei macht auch so schon Spaß. Der Vergleich mit LEGO ist mir dabei auch gleich in den Sinn gekommen.
NeZ 22.09.2011
5. "gelungene Mechanik"
Bevor noch jemand kommt mit einem Kommentar wie "wer spielt denn sowas?" - ich. Dieses Spiel ist zudem der beste Beweis, dass eine gelungene Mechanik keine gute Grafik benötigt.
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