"Far Cry 5" Action-Shooter - von der Realität überholt

Religiöse Fundamentalisten tyrannisieren eine Gemeinde in den USA - und die Bewohner wehren sich: Im Action-Shooter "Far Cry 5" wird ordentlich geballert - pünktlich zur Debatte über Waffengewalt in den USA.

Ubisoft

Nein, mit Trump habe das Spiel nichts zu tun, sagen die Entwickler von "Far Cry 5". Auch mit der aktuellen Kontroverse um die Waffengesetze der USA nicht. Das klingt glaubwürdig, da ein Actionspiel dieser Größe sicher seit mehr als drei Jahren in der Entwicklung ist und man 2014 wohl eher schräg angeschaut worden wäre, wenn man die Welt von heute so beschrieben hätte, wie sie tatsächlich ist.

Problematisch für Spiel und Geschichte ist die Gegenwart dennoch.

"Far Cry 5" ist ein neuer Teil der in Deutschland erfundenen, seit Langem aber in Kanada bei Ubisoft Montreal weiterentwickelten Serie. Spielten die bisherigen Teile in Afrika, der Südsee und dem Himalaya, so ist diesmal der amerikanische Westen an der Reihe, genauer gesagt ein fiktiver Landstrich namens Hope County in Montana.

Diese Gegend ist von einer Sekte eingenommen worden, die irgendwo zwischen Manson Family, Waco-Besetzern und Jonestown-Jüngern anzusiedeln ist. Die Bürger werden von den religiösen Fanatikern unterjocht, Ungläubige ermordet oder gefoltert. Ausgenommen sind nur kleine Widerstandsnester, in denen sich bewaffnete Bürgerwehren der kleinen - und ihre Waffen liebenden - Leute sammeln.

Die Luft in Hope County wird bleihaltig

In dieses Pulverfass werden die Spieler als Polizisten geschickt und zünden die Lunte. Indem sie versuchen, den Sektenführer Joseph Seed festzunehmen, beginnen sie den Bürgerkrieg. Die Luft in Hope County wird bleihaltig, die Gegend ein Actionspielplatz von riesigen Ausmaßen. Irgendwas explodiert eigentlich immer.

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Angespielt: "Far Cry 5"

Wer die "Far Cry"-Reihe kennt, weiß, was Spieler erwartet: Mit einem großen Arsenal an Waffen und übermenschlichen Fähigkeiten müssen die Gegner auf möglichst kreative Weise ausgeschaltet werden. Ein recht normaler Angriff auf eine gegnerische Siedlung sieht ungefähr so aus: Während man einen Pfeil auf einen nichts ahnenden Gegner abschießen möchte, erscheint plötzlich ein Grizzlybär im Sichtfeld, haut das angepeilte Opfer mit einem Schlag um, wird kurz darauf selbst von einem Maschinengewehrfeuer getroffen, das wiederum ein Ölfass explodieren lässt und die letzten noch übrig gebliebenen Gegner erledigt. Und in dem Moment, in dem man seinen Sieg feiern möchte, wird man von einem Jaguar angefallen und getötet.

Das Gameplay ist also bekannt, aber im Vergleich zum Vorgänger noch vielseitiger und besser geworden. Die Grafik ist großartig, Montana wirkt so schön und einladend, dass man Hope County gerne für einen kombinierten Angel- und Wanderurlaub besuchen möchte. Wenn denn die Sekte verschwinden würde. Und mit ihr vielleicht noch all die anderen Waffenbesitzer.

Kleine Anspielungen auf die Gegenwart

Eigentlich wäre alles gut, wenn sich die Realität nicht so nah an die Geschichte von "Far Cry 5" angeschlichen hätte und vom Spiel Antworten erwartet, die dieses nicht liefern kann. Weil es zwar die Spaltung der US-Gesellschaft und die Waffengewalt thematisiert, aber auf einem veralteten Stand agiert. So bleibt eine rote Truckerkappe im Führerhaus einer Zugmaschine eines der wenigen Zugeständnisse an die Gegenwart. Ein Zeichen dafür, dass die aktuelle Politik überhaupt zur Kenntnis genommen wird.

In Interviews schweigen die Entwickler bei Fragen nach der amerikanischen Politik. Was verständlich ist, wenn man sich die Entwicklung in den USA und speziell die der "Alt Right"-Bewegung nahe stehende Gamergate-Bewegung anschaut. Niemand möchte wohl gern von ihr ins Visier genommen werden.

Am deutlichsten werden noch die alten "Far Cry"-Themen herausgearbeitet: das Verhältnis der Spieler zu ihrem Spaß an gewalthaltiger Unterhaltung, die Wirkung eines vermeintlich wohlmeinenden Außenstehenden auf die Bevölkerung eines fremden Landes und die Bereitschaft, den Befehlen des Spiels zu folgen. Darüber hinaus bleibt vieles nebulös, funktioniert in Andeutungen.

"Far Cry 5" gibt also keine Antworten auf aktuelle Fragen. Es wird vielmehr zu einem Ort, in dem sich Gewalt, Drogen und eine eindrucksvolle Naturkulisse verbinden zu einem Gesamtbild, das wirkt wie eine psychedelische Neuinterpretation einer alten Sage. Im Kern bleibt es aber vor allem ein Spiel, in dem das Chaos, das man selber anrichtet, wahnsinnig viel Spaß machen kann.

Sogar dann, wenn man Waffengewalt eigentlich verabscheut.


"Far Cry 5" von Ubisoft, für Playstation 4, Xbox One und PC, ab 50 Euro; USK: ab 18 Jahren.

insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
qoderrat 28.03.2018
1.
---Zitat--- Problematisch für Spiel und Geschichte ist die Gegenwart dennoch. ---Zitatende--- Nein, ist sie nicht. Es ist ein Shooter, und in einem shooter ballert man eben. Es ist ein Spiel, und kein auf Gesellschaftskritik angelegter Weltverbesserungsfilm mit "Moral von der Geschichte". Manchmal kann man sich über den inneren Zwang zum moralischen Zeigefinger unserer Journalisten nur noch wundern, selbst bei einer Spielekritik muss man die eigene Überlegenheit zum besten geben. Und nein, ich spiele keine Shooter, ist nicht mein Ding. Aber ich werde heute abend ganz ökologisch unkorrekt eine Rennsimulation spielen, mit Autos die alle kein Euro 6d erfüllen. Völlig nutzlos ausser zu meinem eigenen Vergnügen. Sollte Hr. Görig vielleicht auch mal versuchen, etwas Spass im Leben zu haben. Oh, hat er am Ende ja sogar selbst gemerkt, dass man damit Spass haben kann. Ist nur schwierig wenn man sich das selbst nicht mehr zugestehen kann weil es gegen die eigene Ideologie verstösst. Soll ja aber schon früher Menschen gegeben haben die zum Lachen in den Keller gegangen sind. Vielleicht hilft es ja zu versuchen das Spiel von der Realität zu unterscheiden. Im richtigen Leben fahre ich nämlich Fahrrad und auch nicht mit einem 500PS Boliden.
wittchen2000 28.03.2018
2. Irgendeine Entschuldigung wir ihnen wohl wieder einfallen
Um die Computerspiel-Knarren auszupacken. Scheinbar ist das das einzige was Spieleentwicklern einfällt - Hauptsache auf virtuelle Menschen ballern, ob es nun Zombies, Nazis oder "religiöse Fundamentalisten" sind... irgendwas wird ihnen das nächste Mal auch wieder einfallen.
loki_loker 28.03.2018
3. Aufgrund ...
meiner DRM-Allergie muss ich leider auf FC5 verzichten, wie auf die Teile 3 & 4 auch schon. uPlay kommt mir sicherlich nicht auf meinen PC. Ebenso wie Origin, Kalypso Launcher und STEAM und was es da sonst noch für kundenunfreundliches Zeugs gibt. Aber am PC gibt es so viele drmfreie Spiele, da muss man sich nicht grämen, wenn ein Hersteller meint einen zahlenden Kunden als Dieb abzustempeln ...
Frank D. 28.03.2018
4. Am Thema vorbei !
Sie nutzen das Spiel um auf den lockeren Umgang mit Waffen in den USA hinzuweisen. Komisch, in dem spiel geht es in erster Linie um eine fanatische Sekte (!) die mit Waffengewalt ihren Glauben durchsetzen, aber ihr Hauptaugenmerk liegt auf den Waffengesetzen in den USA. Sekten sind also ganz ungefährlich, wenn sie keine Waffen haben ? Und fanatische Sekten in den USA würden im realen Leben auch NIE an Waffen kommen, wenn die USA das strengste Waffengesetz weltweit hätte ??? Das sagt doch ihr Bericht aus. Fanatische Menschen interessieren sich nicht für Verbote !!! Und ich hoffe sie haben den Trailer zu dem Spie gesehen. Der Sektenführer Joseph Seed drückt einem „Ungläubigen“ die Augen aus …. wo sind da die Waffen ? Es tut mir leid, aber sie missbrauchen hier ein Computerspiel um auf die Waffengesetze in den USA hinzuweisen.
petzle 28.03.2018
5. FAR CRY sollte man schon...
...ein, zwei Mal länger gespielt gespielt haben, sonst ist es so ähnlich wie über das Autofahren zu schreiben ohne einen Führerschein zu haben. Ein Spiel sollte m.E. auch keine Fragen beantworten, sondern primär Spass machen und die Kritik hier liest sich doch arg Spassbefreit.
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