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Videospielreihe: Nächstes "Fifa" bietet erstmals Frauenfußball

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Videospielreihe: Nächstes "Fifa" bietet erstmals Frauenfußball Fotos
Electronic Arts

Kein Videospiel verkauft sich Jahr für Jahr so gut wie die "Fifa"-Reihe - obwohl die Spiele selten wirklich Neues bieten. Das ist diesmal anders: Nach mehr als 20 Jahren Männerfußball gibt es in "Fifa 16" zum ersten Mal Frauenteams.

"Pro Instincts", "Precision Movement", "Pure Shot", "1st Touch Control" und "Emotional Reactions": Mit solchen Kunstwörtern hatte der Spielehersteller EA Sports für die jüngsten Teile seiner "Fifa"-Reihe geworben. Auf Deutsch heißt das Ganze, böswillig übersetzt: Es laufen wieder 22 Männer über den Platz, das Spiel wurde aber aufgehübscht und verfeinert, um so einmal mehr zum in Deutschland meistverkauften Spiel des Jahres zu werden. Never change a winning team und so.

Dieses Mal allerdings geht EA Sports einen Schritt, der angesichts dieser Vorgeschichte wie eine Revolution wirkt: Im kommenden "Fifa 16" wird man auch Frauen-Teams steuern können - eine Premiere für die Serie, die bereits 1993 gestartet ist.

"Es wird im Spiel zwölf Frauen-Nationalteams geben", sagt David Rutter, der Chefentwickler der Reihe, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE: Neben Deutschland und den USA sind das Australien, Brasilien, China, England, Frankreich, Italien, Kanada, Mexiko, Schweden und Spanien. Der amtierender Weltmeister Japan ist dagegen nicht im Spiel enthalten. Erste optische Eindrücke liefert unsere Bildstrecke.

Nationalspielerin Alex Morgan: Die USA sind eins von zwölf Frauenteams im Spiel Zur Großansicht
Electronic Arts

Nationalspielerin Alex Morgan: Die USA sind eins von zwölf Frauenteams im Spiel

Keine Spiele gegen männliche Teams

"Es ist das erste Jahr, in dem wir Frauenfußball anbieten", kommentiert Rutter die begrenzte Auswahl. Deshalb habe man sichergehen wollen, die beliebtesten Mannschaften und die bekanntesten Spielerinnen im Spiel zu haben. So erkläre sich auch, warum sich sein Team zunächst für Nationalteams anstelle von einzelnen Ligen entschieden habe.

Die neuen Teams sollen sich "in einer Reihe von Spiel-Modi" anwählen lassen. Im Spielmodus "Ultimate Team" müsse man vorerst auf Frauen verzichten, sagt Rutter, dafür sei die Gesamtzahl der Spielerinnen noch zu gering. Auch Partien gegen ihre männlichen Pendants seien nicht möglich, schlicht, weil diese Spiele auch in der Realität nicht stattfinden. "Fifa" habe schon immer großen Wert auf Authentizität gelegt.

Mit den Frauenmannschaften erfüllt das Entwicklerstudio einigen Fans einen langgehegten Wunsch: Mehrfach wurden in den vergangenen Jahren Petitionen gestartet, die EA Sports aufforderten, endlich auch Frauen auf den Platz zu lassen. Chefentwickler Rutter hatte der Erstellerin einer dieser Petitionen schon 2012 gesagt, dass der Zeitpunkt kommen werde, zu dem Frauen als spielbare Figuren auftauchen.

Die Technik soll nun gut genug sein

Um die Jahrtausendwende herum hatte Rutter selbst ein Nintendo-64-Spiel namens "Mia Hamm Soccer 64" mitentwickelt, in dem Frauenfußball simuliert wurde. Die Frauen waren damals jedoch kaum als solche zu erkennen. Das Spiel war nur eine spezielle US-Variante eines Männerfußballspiels.

"Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem wir glauben, dass unsere Werkzeuge und unsere Technik in der Lage sind, Frauen authentisch darzustellen", antwortet David Rutter auf die Frage, warum der Frauenfußball erst jetzt Einzug in "Fifa" hält: "Was wir machen, ist nicht Frauenköpfe auf Männerkörper zu stecken." Mit der Frauenweltmeisterschaft, die im Sommer in Kanada stattfindet, habe sein Team zudem einen konkreten Ansporn aus der Realität gehabt.

Bewegungsaufzeichnung: In einem Studio hat EA Sports Spielerinnen aus der US-Nationalmannschaft mit Sensoren ausgestattet
Electronic Arts

Bewegungsaufzeichnung: In einem Studio hat EA Sports Spielerinnen aus der US-Nationalmannschaft mit Sensoren ausgestattet

Für die "Fifa"-Entwickler ergeben sich nun neue Herausforderungen, sagt Rutter: So müsse etwa das sogenannte Animation Rig angepasst werden, das virtuelle Skelett der Spieler. "Männer gehen und joggen auf eine bestimmte Weise, Frauen auf eine ein wenig andere - wir wollen, dass das glaubwürdig aussieht."

Neue Haar-Animationen - auch für Männer

Dasselbe soll für das Geschehen auf dem Platz gelten. "Der eigentliche Fußball ist derselbe", sagt Rutter, durch das Anpassen von Attributen wolle man aber dafür sorgen, dass der Frauenfußball möglichst realistisch simuliert wird, etwa hinsichtlich der Geschwindigkeit.

Und zuletzt gibt es auch noch kleine Hürden: So muss etwa mehr Arbeit in die Haar-Animationen gesteckt werden, da nun deutlich mehr Figuren lange Haare oder Pferdeschwänze haben. Von dieser Neuerung werden jedoch auch die männlichen Spielfiguren profitieren, deutet Rutter an.

"Fifa 16" soll am 24. September auf den Markt kommen. Das Spiel wird im Juni auf der Spielemesse E3 in Los Angeles vorgestellt. Die Frauenteams sollen in den Next-Gen- und PC-Versionen, aber auch in den Spielvarianten für Xbox 360 und Playstation 3 enthalten sein.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 73 Beiträge
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1.
Trainspotter 28.05.2015
Was für ein Schwachsinn. Man sollte lieber endlich mal mehr Ligen einbauen. DAS würde den Absatz weltweit eher steigern.
2.
olle.icke 28.05.2015
geil! Endlich mal wieder Gute Nachrichten aus der Ecke! Kann man auch Bestechungen annehmen oder selbst vornehmen? DAS wäre doch mal realistisch.
3. Naja
Last Ninja 28.05.2015
Dank Originzwang und DRM ist FIFA eh nicht kaufbar.
4.
hansfrans79 28.05.2015
Zitat von TrainspotterWas für ein Schwachsinn. Man sollte lieber endlich mal mehr Ligen einbauen. DAS würde den Absatz weltweit eher steigern.
Mecker, Mecker... Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun. ich finde es gut und überfällig. Endlih nicht immer nur auf Männer schauen.
5. Omg
yxyz 28.05.2015
Wenn es realitätsnah sein soll, hat EA hoffentlich auch an die Simulation diverser Fehlpässe und Verstolperer gedacht. Kreischen und das Haareziehen müssten dann ja auch dabei sein.
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