"Fifa 17" im Test Jürgen Klopp bittet in die Startelf

Trotz neuer Engine hat sich bei "Fifa 17" im Vergleich zum Vorgänger nicht viel verändert. Doch mit dem Karrieremodus "The Journey" spendiert EA den Fans der Fußball-Simulation einen spannenden Einzelspielermodus.

Electronic Arts

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Es ist ein Foul mit Folgen. Der Star-Stürmer Daniel Sturridge liegt am Boden und krümmt sich vor Schmerzen. Jürgen Klopp steht wild gestikulierend am Spielfeldrand. Der Trainer des englischen Fußballklubs FC Liverpool muss reagieren und wechselt den 17-jährigen Nachwuchsspieler Alex Hunter ein. Wie bitte, kann das wahr sein? So schnell? Wahnsinn, nach so kurzer Spielzeit haben wir den Traum des Hauptcharakters im neuen Karrieremodus "The Journey" bei der Fußball-Simulation "Fifa 17" erfüllt?

Nicht ganz. Denn die Dramaturgie bei der Geschichte stimmt. Und die Botschaft von "The Journey" ist ganz eindeutig: Der Weg zum Fußball-Profi ist knallhart. Auch für Alex Hunter, denn die Einwechslung bleibt der vorerst letzte Einsatz in der englischen Premier League. Der Verein entscheidet sich dafür, dass der junge Spieler einfach noch zu schlecht spielt für die erste Liga - und leiht ihn an einen anderen Klub aus.

Mit Liebe gemacht und glaubhaft erzählt

Es sind solche packenden Momente, die den Spieler bei "The Journey" in ihren Bann ziehen. Während die anderen Spielmodi bei "Fifa 17" nahezu identisch sind wie beim Vorgänger, spendiert Electronic Arts (EA) den Einzelspielern eine richtig abwechslungsreiche Kampagne. Die Zwischensequenzen sind liebevoll gedreht, die Story ist spannend und vor allem glaubhaft erzählt. Schon nach wenigen Minuten kann man sich mit Hunter identifizieren und gibt alles dafür, dass er seinem Profi-Traum näher kommt - auch wenn dieser Traum sich auf die Mannschaften der englischen Liga beschränkt und leider nicht mit der Bundesliga funktioniert.

Der Konflikt mit dem frustrierten Vater, der Wettstreit mit dem besten Freund: Die Rahmenhandlung motiviert den Spieler - auch wenn er keinen großen Einfluss darauf nehmen kann und einen Spielstand laden muss, wenn er ein entscheidendes Spiel verliert.

Aber auch wenn die Hauptgeschichte vorgegeben ist, haben Erfolge und Niederlagen immer kurzfristige Folgen: So muss Hunter den Hohn der Mitspieler aushalten, wenn er auf der Bank schmort, und bei Niederlagen die Twitter-Nachrichten der Trolle ertragen.

Rollenspiel-Elemente verbessern die Dribbling-Künste

Vor allem der Anfang ist hart. Alex Hunter hat noch wenige Skill-Punkte und spielt sich schwerfällig. Manchmal ist es daher einfacher, das ganze Team zu steuern als nur Alex Hunter. Das kann der Spieler vor jeder Partie entscheiden. Um das Talent zu verbessern, haben die Entwickler den "The Journey"-Modus mit Rollenspiel-Elementen ausgestattet. Mit Erfahrungspunkten verbessert der Spieler die Schusskraft, verfeinert die Dribbling-Künste und erhöht die Schnelligkeit.

Leider bleibt der Spieler nicht davon verschont, zwischen den Partien immer wieder Trainingseinheiten einzuschieben. Das verbessert zwar auch die Fähigkeiten und gute Leistungen erhöhen die Chancen auf einen Stammplatz. Die Trainingseinheiten nehmen aber ein wenig den Schwung aus dem Spiel und sind auf Dauer ziemlich öde.

Trotz neuer Engine kaum Veränderungen an der Grafik

Neben dem neuen Karrieremodus hat EA die anderen Spielmodi wie das Sammelkarten-Wettrüsten "Ultimate Team" nahezu unverändert übernommen. Auch grafisch hat EA nur Nuancen verbessert, obwohl EA erstmals die "Frostbite"-Engine einsetzt, die unter anderem die Kriegsschauplätze bei "Battlefield" berechnet. Die leistungsfähigere Technik sieht man bei "Fifa 17" etwa daran, dass die Flutlichter realistischer leuchten, der Trikotstoff sich dynamischer über die Oberkörper spannt und die Spieler bei Kälte kleine Kondenswölkchen in die Luft pusten.

Ansonsten merkt man kaum Unterschiede zu "Fifa 16" - vor allem spielerisch lässt EA vieles gleich. Der Spielfluss ist nahezu identisch. Die Entwickler haben lediglich die Bewegungen im Zweikampf feiner animiert, den Spielern mehr Laufwege mitgegeben und die Abwehrreihen stabiler gemacht. Nach wie vor ist das Spiel sehr taktisch geprägt und keine Action-Fußballsimulation, die mit langen Bällen zu schnellen Toren führt. Die Spiele werden vor allem über die Ballbeherrschung im Mittelfeld entschieden.



insgesamt 3 Beiträge
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naeggha 29.09.2016
1. Spielerisch 6, Story 1
Spielerisch ist Fifa für mich etwas für Fußball Nostalgiker. Die Taktischen Maßnahmen der Trainer sind unüberlegt, es geht eigentlich nur um kick 'n rush, technische Finessen im Spiel der Gegner sind quasi nicht vorhanden. PES ist weiterhin um Längen voraus. Dennoch fühlt sich der Storymodus super an und lohnt sogar den Vollpreis. Schade, dass es im Gegensatz zu NBA2K so lange zur Umsetzung brauchte. Für mich zwar das beste Fifa seit Jahren, aber immernoch hinter PES, nur Story und Lizenzen retten das Spiel.
paul.oberste-frielinghaus 29.09.2016
2. Hat der Autor das Spiel gespielt?
In der Demo sind beispielsweise Eckbälle anders als in 16, das Gameplay gestaltet sich nochmal flüssiger und der Ball verhält sich endlich mal zumindest annähernd wie ein Ball.
esmitleeremkopfzutun 29.09.2016
3. Roboklopp!
mehr braucht man eigentlich nicht zu sagen.
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