"Fifa 18" im Test Liebeserklärung an die Superstars

Am Freitag erscheint "Fifa 18" - EA Sports motzt im Fußballspiel vor allem Top-Spieler wie Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Neymar auf. Gegen Weltstars zu verteidigen wird so deutlich schwieriger.

Electronic Arts

Von


Nebelschwaden trüben die Sicht, leichter Regen nieselt auf den Platz. Die Trikots kleben an den Körpern der Spieler, der Schweiß perlt ihnen von der Stirn. Cristiano Ronaldo legt sich den Ball zurecht und stellt sich breitbeinig vor die gegnerische Mauer. Mit einem gezielten Schuss zirkelt der Top-Star von Real Madrid den Ball ins Netz und sprintet mit einem Lächeln im Gesicht zum Jubel an der Eckfahne.

Solche Szenen beeindrucken. Die Weltstars sind bei "Fifa 18", das am Freitag, den 29. September erscheint, so realistisch digitalisiert worden wie noch nie. Die Bewegungen am Ball, die Sprinttechnik, die Mimik: Wer Ronaldo, Lionel Messi oder Neymar über das Spielfeld steuert, der fühlt sich wirklich ein bisschen wie ein Profi beim Auftritt in der Champions League. Das Entwicklerteam von EA Sports hat die Bewegungen der echten Stars für die Fußball-Simulation noch feiner als beim Vorgänger aufgezeichnet, die Tattoos nachgezogen und die Frisuren zurechtgestutzt.

So ist "Fifa" dieses Jahr vor allem eine Liebeserklärung an die Superstars. Viele andere Spieler aus den Top-Ligen dagegen sind offenbar durchs Raster gefallen und bekommen ein Standardgesicht übergestülpt. Insgesamt aber ist die Grafik noch besser geworden, die Trikots werfen mehr Falten, das Flutlicht bricht sich hübscher bei trüben Abendspielen. Und auch die Spielermimik ist wesentlich lebendiger geworden.

Trägheit bremst die Spieler aus

Spielerisch hat sich nicht allzu viel verändert. Wer sich mit "Fifa 17" wohl gefühlt hat, aber trotzdem Lust auf den Versionswechsel hat, der braucht nicht lange, um auch den Nachfolger zu beherrschen. Eine Änderung ist jedoch deutlich spürbar: Die Entwickler haben den Schwierigkeitsgrad etwas angezogen. Es ist anspruchsvoller geworden, die Abwehr zu steuern. Das liegt vor allem an der größeren Trägheit der Spieler.

Wer sich einmal für die falsche Richtung entscheidet, der hat das Duell mit dem Gegenspieler so gut wie verloren. Muss ein Spieler abrupt umkehren, dauert es, bis er sich berappelt hat, um die Laufrichtung zu wechseln. Damit ist es noch schwieriger geworden, Angriffe abzuwehren, vor allem dann, wenn man auf schnelle Spieler trifft, die sich bei einem Abwehrschnitzer rasch absetzen können.

Dafür lohnen sich Angriffe über die Flügel bei "Fifa 18" noch mehr als bisher. Flanken von der Seitenlinie lassen sich viel besser beeinflussen als im Vorgänger. Die hohen Pässe landen nicht ständig an der gleichen Stelle im Strafraum, sondern lassen sich präzise je nach Tastendruck und Schussposition steuern. Der Ball segelt nun gut kontrollierbar an den kurzen oder langen Pfosten.

Alex Hunter feilt weiter an seiner Karriere

Bei den Spielmodi setzt Electronic Arts auf sein bewährtes Angebot. So ist natürlich der beliebte und für den Hersteller lukrative Karten-Sammelmodus Fifa Ultimate Team wieder mit an Bord, dieses Mal unter anderem mit Ikonen wie Diego Maradona und Pelé. Die Stars von früher versteckten sich bei "Fifa 17" lediglich in den Kartensets der Xbox-Spieler. Nun haben auch PC- und Playstation-Nutzer die Chance, eine Legende zu ziehen.

Offline-Spieler dürften sich darüber freuen, dass der "Journey" genannte Story-Modus fortgesetzt wird. Der Fußballprofi Alex Hunter ist mittlerweile zum Stammspieler in der Premier League gereift und feilt nun an der ganz großen Karriere. Die Geschichte ist auch dieses Mal gut erzählt und wird immer wieder mit Starauftritten angereichert. Außerdem haben die Entscheidungen nun größere Auswirkungen, die Geschichte ist nicht mehr ganz so straff erzählt wie beim ersten Auftritt von Hunter.

So macht der "Journey"-Modus noch mehr Spaß und ist auch in der Neuauflage eine Bereicherung für Solospieler. Ein weiterer Pluspunkt für manche Fans: In "Fifa 18" ist jetzt auch die dritte deutsche Liga mit an Bord.

Um Ihnen mehr als eine Meinung zu "Fifa 18" präsentieren zu können, haben wir gleich mehrere Fußballspielfans aus der Redaktion das Spiel ausprobieren lassen. Hier finden Sie noch Ihre persönlichen Einschätzungen:

Christoph Winterbach - Der Online-Spieler
    "Ich bin seit Jahren 'Fifa'-Spieler, lasse aber die meisten Funktionen des Spiels unberührt. Mich reizt vor allem der Saison-Modus: Online-Duelle mit echten Gegnern sind schon taktisch spannender als Partien gegen Mannschaften mit Computerintelligenz.

    Im Saison-Modus konnte ich in meinen Testpartien aber keine monumentalen Veränderungen ausmachen. Den größten Unterschied zu 'Fifa 17' spürt man, wenn man die virtuellen Kicker über den Rasen lenkt. Die Figuren laufen langsamer, scheinen auf manche Gamepad-Befehle mit Verzögerung zu reagieren. Das ist womöglich eine Gewöhnungssache.

    Die großen Stars des Spiels verfügen nun aber auch über noch souveränere Fertigkeiten am Ball und tricksen sich elegant selbst durch höchstklassige Abwehrreihen. Das merken sogar dribbelfaule Anhänger des rustikalen Fußballs: Einmal an den Dribbelstick geraten und der Spieler führt einen Zaubertrick auf. Sieht super aus - mir ist das ein bisschen zu viel des Guten."
Attacke in "Fifa 18"
Electronic Arts

Attacke in "Fifa 18"

Jörg Breithut - Der Kartensammler
    "Nichts ist für mich spannender, als sich bei Ultimate Team in die erste Liga zu schießen. Jedes Jahr starte ich mit einer Gurkentruppe und kämpfe mich gegen andere Online-Spieler nach oben. Dafür habe ich mir schon Münzen für mehr als 100 Kartensets verdient. Mit den Sammelkarten bekomme ich immer eine ordentliche Mannschaft mit Erstligaspielern zusammen - doch ein Superstar war nie dabei.

    Und das bleibt das große Problem des Modus: Denn Superstars dominieren ihn. Wer Messi oder Ronaldo in seiner Startelf hat, kann nicht mehr viel falsch machen. Die Top-Spieler tricksen sich mit Leichtigkeit durch die schwer zu steuernde Abwehr.

    Rund 1,5 Millionen Münzen kostet Messi. Dafür muss man sich die Belohnung aus Hunderten Spielstunden zusammensparen. Das wissen auch die Entwickler - und bieten ungeduldigen Spielern an, die Chancen mit Paketen zu erhöhen, die bis zu 100 Euro kosten. So viel Geld würde ich nie zusätzlich zum Spielpreis ausgeben, da verzichte ich lieber auf große Stars."
Partie in "Fifa 18"
Electronic Arts

Partie in "Fifa 18"

Philipp Awounou - Der Team-Spieler
    "Für mich ist das gemeinsame Spielen mit einem versierten Teamkollegen die Königsdisziplin. Im Online-Saisonmodus, bei Ultimate Team oder auf der Couch gegen die eigenen Kumpel: Zu zweit eine Mannschaft zu steuern verleiht einem ganz andere Möglichkeiten. Man kann Laufwege, Verteidigungsstrategien, Eckballvarianten und vieles mehr einstudieren und so noch mehr Spielkontrolle übernehmen.

    Bei 'Fifa 18' wird das Zusammenspiel allerdings anspruchsvoller, als es ohnehin schon war. Die Bewegungen sind realistischer, aber auch träger geworden. Wird ein Pass nicht optimal getimt, ist die Pille weg. Im Spiel gegen den Ball hat man teilweise das Gefühl, die Spieler hätten den Wendekreis eines Lkw, was die Defensivarbeit deutlich erschwert. Immerhin: Mein geliebter Schlenzer von der Strafraumgrenze scheint wieder eine echte Waffe geworden zu sein."

"Fifa 18" von EA Sports, für Playstation 4, Playstation 3, Xbox One, Xbox 360, PC, Nintendo Switch; ca. 60 Euro, getestet auf Playstation 4 und Xbox One, eine Switch-Testversion haben wir nicht rechtzeitig bekommen

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Software-Updates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
Lassen sich die Netzwelt-Redakteure von Firmen auf Reisen einladen?
Die Kosten für Reisen zu Veranstaltungen, egal ob sie in Deutschland oder im Ausland stattfinden, trägt SPIEGEL ONLINE stets selbst. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise aufgrund kurzfristiger Termine ein Unternehmen die Reiseplanung übernimmt.

Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind.
Was hat es mit den Amazon-Anzeigen in manchen Artikeln auf sich?
Seit Dezember 2016 finden sich in einigen Netzwelt-Artikeln Amazon-Anzeigen, die sogenannte Partner-Links enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link Amazon und kauft dort online ein, wird SPIEGEL ONLINE in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. Die Anzeigen tauchen in Artikeln unabhängig davon auf, ob ein Produkttest positiv oder negativ ausfällt.

Mitarbeit: Christoph Winterbach, Philipp Awounou



insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Nonvaio01 26.09.2017
1. naja
Ultimate team spiele ich nicht, da ist es mir geal. Was das eigentlich play angeht finde ich die verbesserung fuer flanken sehr gut. Da die moisten eh mit Barca oder Real spielen macht es ekien unterschied ob Messi oder Ronaldo nun besser ist, da man die auch im Team hat. Die 3 Liga ist klasse, endlich koenne auch die spielen die "richtigen" fussball wollen, wie einige leute hier immer im forum schreiben wenn es um fussball geht.
UnitedEurope 26.09.2017
2.
Fand es in FIFA 17 schon schwer genug Neymar oder Messi zu verteidigen. 25 Meter vor dem Tor aus vollem Lauf in den Winkel zu dreschen war kein Problem. Und wenn dieselben Spieler im Strafraum war konnte man ihnen nur in den Weg laufen, jedes Tackling führte zum Elfmeter. Wenn die Verteidiger jetzt noch träger geworden sind, macht es das nur schlimmer ..
Nonvaio01 26.09.2017
3. wie bei PES mit KAKA
daskonnte man auch ueber den ganzen platz rennen ohne das einen jemand stoppen konnte. Hab darum kein PES mehr gekauft.
uno.na76 27.09.2017
4. echt? sicher?
Ronaldo besser als messi???? verdammt nochmal!! Wer richtige Augen hat, kann man nicht so foumulieren. Ha
rentagreement 27.09.2017
5. Warum werden diese Typen so gehyped?
Wenn einer von uns nur einen Hauch von Fehlerchen in seine Steuererklärung bringt... dann gnade Gott... hier haben wir es mit "Superstars" zu tun, die alle systematisch und nach Strich und Faden Geld hinterziehen... teils sind sie bereits mit Gerichtsurteilen belegt... wenn einer von uns eine Bewährungsstrafe hätte... dann wäre es das mit dem Job und der gesellschaftlichen Anerkennung... Die Ironie: Diesen Typen jubeln auch noch alle hinterher... Lustigerweise genau "der kleine Mann" in der Fankurve, der selber malocht und zum Narren gehalten wird - denn seine Idole betrügen den Staat um Millionen... und somit auch ihn, den armen kleinen Mann. Sollte man alles boykottieren... am Ende verdienen die ihr Geld auf Kosten der Fans.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.