Videospiel "Fifa 19" im Test Spektakel mit Henkelpott

"Fifa" ist das meistverkaufte Videospiel in Deutschland, jetzt erscheint die neue Version. "Fifa 19" protzt mit seiner Lizenz für die Champions League - und stellt Superstars wie Cristiano Ronaldo in den Fokus.

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Der Pokal glitzert im Flutlicht. Stolz marschieren die Stars von Real Madrid und Juventus Turin ins Stadion. Aus den Lautsprechern wummert die pompöse Hymne, die Komponist Hans Zimmer extra aufgemotzt hat. Die Spielefirma Electronic Arts (EA) spendiert der Champions League im neuen "Fifa 19" eine Digitalvariante, gegen die die Realität in Sachen Dramatik kaum mehr ankommt.

Jahrelang hatte sich die Konkurrenzfirma Konami die Lizenz gesichert, um den Spielern von "Pro Evolution Soccer" den Wettbewerb der europäischen Spitzenteams zu präsentieren. Nun liegen die Champions-League-Rechte bei "Fifa". EA feiert diesen Etappensieg frenetisch und inszeniert das Turnier als Spektakel - wohl auch, weil sich so gut überspielen lässt, dass sich auf dem Platz nicht wirklich viel geändert hat.

Ja, die Grafik ist wieder ein wenig detaillierter geworden. Die Spieler sehen bei unserem Test auf der Playstation 4 einen Tick besser aus und haben neue Bewegungen gelernt. Aber ansonsten spielt sich "Fifa 19" ähnlich wie der Vorgänger und lässt sich nach ein paar Minuten sehr vertraut steuern.

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Fußballspiel im Test: Das ist "Fifa 19"

Timing ist viel entscheidender

Einige Unterschiede gibt es aber doch: So landen etwa Fernschüsse bei "Fifa 19" seltener im Netz. Wer im Vorgängerspiel "Fifa 18" öfter mal abzog, versenkte reihenweise 20-Meter-Schüsse im Tor. Das war ermüdend. Nun ist es deutlich schwieriger geworden, von außerhalb des Strafraums einen Treffer zu erzielen.

Das Timing ist bei "Fifa 19" entscheidend, ein zweiter Tastentipper kann Schüsse jetzt je nach Geschick aufwerten oder verschlechtern. Die Stürmer dreschen den Ball wesentlich öfter über die Latte. Außerdem reagieren die Torhüter nun besser als noch in "Fifa 18".

Spannender wird das Spiel dadurch, dass die Athleten fehleranfälliger sind. Partien wirken viel abwechslungsreicher, wenn der Ball versehentlich vom Schienbein springt und beim Klären an der Schulter des Abwehrspielers abprallt. Tore gelingen meist nur noch aus einer Position direkt im Strafraum, nach geschickt eingeleiteten Flanken oder einem flinken Dribbling durch die Mitte. Auch wer auf Tikitaka setzt, hat gute Chancen auf einen Treffer.

Auch wenn die Ballkontrolle deutlich schwieriger geworden ist: Mit Topspielern wie Cristiano Ronaldo klappt fast alles
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Auch wenn die Ballkontrolle deutlich schwieriger geworden ist: Mit Topspielern wie Cristiano Ronaldo klappt fast alles

Das Manko der "Fifa"-Reihe bleibt die unverhältnismäßige Überlegenheit der Starspieler. Wenn Gareth Bale über die Flügel flitzt oder Cristiano Ronaldo einen satten Schuss auf Tor feuert, hat man nur wenige Abwehrmöglichkeiten. Doch das ist gewollt. Denn so macht EA die Topspieler-Jagd im minimal veränderten Onlinemodus "Ultimate Team" attraktiver, schließlich wollen Spieler dort so möglichst schnell möglichst viele Hochkaräter im Team.

Stars sind schwer zu kriegen

Auf die Vorwürfe aus verschiedenen Ländern, mit den virtuellen Sammelkarten eine Art Glücksspiel zu betreiben, hat EA in "Fifa 19" kaum reagiert. Immerhin bekommen "Ultimate Team"-Spieler jetzt eine Statistik angezeigt, die sich mit der gefühlten Wahrheit vieler "Fifa"-Spieler gut decken dürfte: Die Chance, einen Spitzenspieler wie Lionel Messi oder Neymar aus einem Goldset zu ziehen, liegt in der Regel bei weit unter fünf Prozent.

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Beliebte Spieleserie: So hat sich die "Fifa"-Reihe verändert

Das war es aber schon. Ansonsten werden die Spieler wie üblich in Versuchung gefühlt, echtes Geld in die alternativ auch kostenlos erspielbaren Packs zu investieren, um so besser im Online-Wettbewerb mithalten zu können.

Fouls lassen sich jetzt ausstellen

Frischen Wind bringt EA immerhin in den Offlinemodus: Wer gern gegen seine Freunde auf der Couch zockt, wird mit kleinen neuen Spielmodi Freude haben. Über die sogenannten "Hausregeln" kann man nun etwa einstellen, dass nach jedem Tor ein Spieler der gerade erfolgreichen Mannschaft den Platz verlassen muss oder dass sich Tore nur mit Volleys und Kopfbällen erzielen lassen. Alternativ kann man Fouls und Abseitspfiffe ausstellen.

Kaum Einfluss auf "The Journey": Viele Dialoge mit Alex Hunter fühlen sich lediglich so an, als hätte der Spieler eine Wahl
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Kaum Einfluss auf "The Journey": Viele Dialoge mit Alex Hunter fühlen sich lediglich so an, als hätte der Spieler eine Wahl

Ihren wohl letzten Auftritt haben in "Fifa 19" die fiktiven Fußballstars Alex Hunter, seine Halbschwester Kim und sein Freund Danny Williams. Im dritten Teil des Storymodus "The Journey" müssen die drei Spieler lernen, mit Ruhm, Druck und fiesen Konkurrenten umzugehen. Die Geschichte ist unterhaltsam erzählt und überrascht immer wieder mit emotionalen Momenten.

Die vielen eingestreuten Trainingseinheiten werden irgendwann leider zäh. Und wirklich beeinflussen kann man die Story nicht. Zwar ändern sich ein paar Zwischensequenzen, doch die Hauptstory bleibt gleich. Wer zu viele Spiele versemmelt, der wird gezwungen, einen Spielstand zu laden. Wer weiterspielen will, muss eine entscheidende Partie so lange wiederholen, bis er gewinnt.

Ein spielenswerter neuer Teil

Letztendlich bleibt EA auch beim neuen "Fifa" seiner Linie treu: Fans der Reihe werden mit aufpolierter Grafik, einem leicht veränderten Spielfluss und neuen Lizenzen gelockt. Und obwohl der Unterschied zu "Fifa 18" nur im Detail zu sehen ist, werten die erschwerte Ballkontrolle, die aufwändig inszenierte Champions League und die neuen Anstoß-Spielmodi die aktuelle Version der Fußballsimulation ordentlich auf.

Ein wichtiger Hinweis noch für Switch-Besitzer: Die Version des Spiels für die Nintendo-Konsole ist wie im Vorjahr optisch und inhaltlich abgespeckt, mehr dazu erfahren Sie im hinteren Teil unserer Fotostrecke.


"Fifa 19" von Electronic Arts, für Playstation 4, Xbox One, Nintendo Switch und Microsoft Windows, ca. 60 Euro; USK: Ab 0 Jahren



insgesamt 2 Beiträge
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a.burda 25.09.2018
1. Microtransactions
Ich finde es nach wie vor lächerlich, dass EA einfach ihre Microtransactios durchprügeln können, ohne dass jemand was dagegen tut. Einfach nur traurig, dass keiner so mutig ist wie die Jungs in Belgien und ein Verfahren einleiten weil die Lootboxen in FIFA echt schon Gambling für Minderjährige sind. Einfach nur schade, dass sich niemand traut gegen EA vorzugehen nur weil es ein Milliardenkonzern ist. Naja selbst wenn das jemand machen würde, würde EA einfach die Microtransactions in dem Land ausschalten und schon passiert nix mehr. Die einzige Möglichkeit hier was zu machen ist Eu weit was dagegen zu machen. Dann würde selbst EA auch mal höhren.
benmartin70 25.09.2018
2.
Zitat von a.burdaIch finde es nach wie vor lächerlich, dass EA einfach ihre Microtransactios durchprügeln können, ohne dass jemand was dagegen tut. Einfach nur traurig, dass keiner so mutig ist wie die Jungs in Belgien und ein Verfahren einleiten weil die Lootboxen in FIFA echt schon Gambling für Minderjährige sind. Einfach nur schade, dass sich niemand traut gegen EA vorzugehen nur weil es ein Milliardenkonzern ist. Naja selbst wenn das jemand machen würde, würde EA einfach die Microtransactions in dem Land ausschalten und schon passiert nix mehr. Die einzige Möglichkeit hier was zu machen ist Eu weit was dagegen zu machen. Dann würde selbst EA auch mal höhren.
Es ist so einfach. Das Spiel NICHT kaufen. Hätte gern Star Wars Battlefront II gehabt, aber nö, so nicht.
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