"Final Fantasy"-Erfinder Sakaguchi: Die Rückkehr des Pixelmagiers

Von Carsten Görig

Der Japaner Hironobu Sakaguchi gilt unter Konsolenfans als begnadeter Geschichtenerzähler, er erdachte das "Final Fantasy"-Epos. Nach einem grandios gescheiterten Filmprojekt wagt er jetzt mit "The Last Story" ein Comeback.

The Last Story: Zauberhaft melancholisch Fotos
Nintendo

Hamburg - Gut gegen Böse, Magie gegen Technik, Menschlichkeit gegen Totalitarismus: Hironobu Sakaguchis Spiele sind voll Pathos, Liebe und Hingabe. Entsprechend heißen sie: "Final Fantasy", "Lost Odyssey" oder jetzt "The Last Story". Die Titel klingen stets, als ob jedes Spiel das letzte seiner Art sei und zudem noch über das Schicksal der Welt entscheiden würde.

"Meine Tochter sagt immer, dass ich mir mal einen fröhlicheren Titel ausdenken soll," sagt Sakaguchi mit einem Lächeln, "vielleicht beim nächsten Spiel". Der Japaner ist derzeit unterwegs, um sein neues Werk zu präsentieren. "The Last Story" ist die Geschichte einer Gruppe von jungen Leuten, Söldnern, die durch die Lande ziehen und ihre Dienste feilbieten. Sie kämpfen für Geld gegen Monster, suchen Schätze oder stehen Wache. Bald wird die Gruppe in einen Krieg hineingezogen, in einen Kampf um Macht und Liebe, angesiedelt in einem imaginären Inselkönigreich. Mit anderen Worten: Es ist ein typisches Spiel von Sakaguchi, bewegend erzählt und voller Melancholie.

Das Spiel ist voller Charme, voller stiller Momente, in denen man die Protagonisten lieben und verstehen lernt. Und, was ein großer Vorteil ist: Das Kampfsystem ist viel einfacher geworden. Wirkt es bei "Final Fantasy" oft, als würde man in Excel-Tabellen kämpfen, so geht das hier flüssig, stellt sich der Geschichte nicht in den Weg.

Irgendwo zwischen Steampunk, Tolkien und Hippie-Träumen

"The Last Story" ist auch ein Comeback-Versuch. Bis vor zehn Jahren war Sakaguchi einer der erfolgreichsten Spieleentwickler. 1987 erdachte er "Final Fantasy". Es war der letzte Versuch des Spielstudios Square, einen Erfolg zu landen, dem Bankrott zu entkommen. Der Versuch war erfolgreich. Aus "Final Fantasy" wurde eine der erfolgreichsten Spielreihen überhaupt. Mit mehr als hundert Millionen verkauften Exemplaren über die Jahre hinweg steht die Serie auf einer Stufe mit "Super Mario", "Grand Theft Auto" oder "Call of Duty". Gerade ist mit "Final Fantasy XIII-2" ein neuer Teil erschienen.

Trotz von Spiel zu Spiel verschiedener Protagonisten, verschiedener Welten und unterschiedlicher Kampfsysteme ähneln sich die einzelnen Folgen. Immer wieder ist es eine Gruppe von meist jungen Menschen, die aus ihrem Alltag herausgerissen und in Kämpfe mit dem Bösen verwickelt werden. Was anfangs kleine Rivalitäten sind, entwickelt sich im Laufe der Spiele zu einem existentiellen Kampf. Garniert sind die Games mit atemberaubenden Zwischensequenzen, Filmen, die phantastische Welten zeigen, Fabelwesen, die sich Kämpfe liefern. "Final Fantasy" liegt irgendwo zwischen Steampunk, Tolkien und Hippie-Träumen, mit Protagonisten, die direkt aus den Szenevierteln von Tokio importiert zu sein scheinen - bizarre Frisuren und unpraktische Kleidung gehören dazu.

Ein ganz eigenes Genre ist entstanden, für das der Begriff JRPG, japanische Rollenspiele, geprägt wurde (RPG steht für "role playing game"). Sakaguchi gilt als einer der Väter dieses Genres, ist aber nicht glücklich darüber: "Mit Rollenspielen hat das, was ich mache, nichts zu tun." Es gibt keine Entscheidungen, die die Geschichte beeinflussen, keine Möglichkeit, böse oder gute Helden aufzubauen. Es ist immer eine Gruppe, die man führt, mit keinem der Protagonisten wird man eins, weder in seinen alten Spielen noch in "The Last Story". Europäische Rollenspiele, die letztlich aus der "Dungeons & Dragons"-Tradition stammen, haben damit wenig gemein.

Der 130-Millionen-Dollar-Flop

Sakaguchi musste sich neu erfinden, denn er musste Square 2003 verlassen. Sein Studio, das Studio, das er groß gemacht und später dann an den Rand des Ruins gebracht hat, weil er ein riskantes Projekt durchsetzte. "Final Fantasy: Die Mächte in dir" hieß das und war ein Film, ein Animationsfilm mit der besten Computergrafik, die man 2001 hervorbringen konnte. Vier Jahre hat Sakaguchi für ihn gebraucht, mehr als 130 Millionen Dollar ausgegeben, eingespielt hat er nur knapp 85 Millionen. Der Film war ein Flop, Sakaguchi verließ Square.

"Final Fantasy" blieb dort und ist weiterhin die bestverkaufte Serie der Firma, nun unter der Führung von Yoshinori Kitase, Sakaguchis früherem Assistenten. "Ich bin mit Kitase gut befreundet", sagt Sakaguchi, "die Serie ist in guten Händen". Ein Bedauern ist zu spüren, wenn man ihn fragt, ob er noch einen Film machen möchte, aber auch ein kleines Blitzen in den Augen zu sehen. "Wenn mir jemand Geld gibt - gerne." Er weiß, dass das wohl nicht mehr geschehen wird und sagt, dass er auch in Spielen seine Geschichten erzählen kann.

Deshalb gründete er 2004 Mistwalker, sein neues Studio, und verbündete sich mit Microsoft, die dringend einen großen Namen für ihr Japangeschäft suchten, weil ihre Xbox-Konsolen dort extrem schlecht liefen. Geholfen hat das nichts, die Spiele konnten dem Gerät kaum zusätzliche Verkäufe bescheren. Jetzt kooperiert er mit Nintendo, "The Last Story" erscheint exklusiv für die Wii-Konsole. Eigentlich könnte auch "Final Fantasy" auf der Packung stehen, niemand würde sich beschweren. Sakaguchi lacht darüber. Es ist seine Art, Spiele zu machen, warum sollte er sie ändern.

Sakaguchi wirkt bescheiden, wenn er von seinen Spielen erzählt. Fragt man ihn nach dem Auslöser für seine Liebe zum Geschichtenerzählen, nennt er, nach langem Überlegen, den Tod seiner Mutter. Ihm geht es darum, in Spielen zu zeigen, dass Miteinander, Zusammenarbeit und Menschlichkeit erstrebenswerte Ziele sind. Doch solche Worte bringt er nur schwer über die Lippen, sie erscheinen zu groß. Für Sakaguchi ist ein Spiel eigentlich nur eine Möglichkeit, eine Geschichte zu erzählen.


"The Last Story" für Nintendo Wii, ab ca. 43 Euro, freigegeben ab 16 Jahren

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Reg Schuh 03.03.2012
Zitat von sysop"Mit Rollenspielen hat das, was ich mache, nichts zu tun."
Mich freut ungemein, daß selbst Herr Sakaguchi, der Erfinder der Final-Fantasy-Reihe, diese Meinung teilt.
2. Genau
kein_gut_mensch 03.03.2012
Zitat von Reg SchuhMich freut ungemein, daß selbst Herr Sakaguchi, der Erfinder der Final-Fantasy-Reihe, diese Meinung teilt.
Stimmt ... und wenn man FF XIII sieht war das die Krönung für "ich bin auf gar keinen Fall ein Rollenspiel".
3.
betaknight 03.03.2012
Zitat von kein_gut_menschStimmt ... und wenn man FF XIII sieht war das die Krönung für "ich bin auf gar keinen Fall ein Rollenspiel".
Hmmm da er aber seit einigen Jahren nicht mehr bei Squareenix ist, dürfte er an 13 recht unschuldig sein. Man merkt bei 13 und 13-2 freundlichst egsagt, dass diese Spiele eindeutig nicht mehr seine Handschift haben.
4. JRPGs
illuminatusv 03.03.2012
Zitat von sysopDer Japaner Hironobu Sakaguchi gilt unter Konsolenfans als begnadeter Geschichtenerzähler, er erdachte das "Final Fantasy"-Epos. Nach einem grandios gescheiterten Filmprojekt wagt er jetzt mit "The Last Story" ein Comeback. "Final Fantasy"-Erfinder Sakaguchi: Die Rückkehr des Pixelmagiers - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/games/0,1518,818451,00.html)
Schade, dass ein solcher Artikel nicht auch zu Lost Odyssey erschienen ist. Dies ist das beste JRPG dass es für die heutige Generation an Konsolen gibt. Nun ja abgesehen von Dark Souls, aber die beiden Spiele sind ja sonst nicht vergleichbar.
5. ....
Ignorant00 03.03.2012
Zitat von sysopDas Kampfsystem ist viel einfacher geworden. Wirkt es bei "Final Fantasy" oft, als würde man in Excel-Tabellen kämpfen, so geht das hier flüssig. Stellt sich der Geschichte nicht in den Weg. "Final Fantasy"-Erfinder Sakaguchi: Die Rückkehr des Pixelmagiers - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/games/0,1518,818451,00.html)
Wenn ich nichts haben möchte, was sich der Geschichte "in den Weg stellt" schaue ich einen Film oder lese ein Buch! Ein Teil des Niedergangs der Final Fantasy Reihe liegt doch in den schwächer werdenden Spielmechaniken begründet. Natürlich neben den schlechter gewordenen Stories und der völlig entfernten Freiheit (wonvon in den früheren Teilen am Anfang trotz aller Linearität etwas vorhanden war). Zumindest ich brauche keine Knöpfchendrückreakionstestspiele wie es viele "interaktive Filme" sind, oder auch in immer mehr andere Spiele (unter anderem JRPGs) eingebaut werden.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Games
RSS
alles zum Thema Games
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 12 Kommentare
  • Zur Startseite
Zur Person
  • Nintendo
    Hironobu Sakaguchi, Jahrgang 1962, ist ein japanischer Gamedesigner. Er hat die "Final Fantasy"-Serie erschaffen, eine der erfolgreichsten Rollenspiel-Serie überhaupt. Sein "Final Fantasy"-Film floppte, daraufhin zog er sich von der Reihe zurück und gründete die eigene Firma Mistwalker.


E-Book-Tipp
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher
    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    Kindle Edition: 1,99 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon bestellen.