Anleitung So gelingt Ihnen die "Monkey Island"-Fotomontage

"Monkey Island" ist ein Spieleklassiker - und hat unseren Autor zu einer Fotomontage inspiriert. Hier erklärt er Schritt für Schritt, wie Sie sein Bild nachbauen können. Natürlich samt dreiköpfigem Affen.

Olaf Giermann/ DOCMA

Von "Docma"-Autor Olaf Giermann


Das vielleicht humorvollste Grafik-Adventure der Neunzigerjahre - "Monkey Island" - wurde nicht zuletzt durch das "Hinter dir! Ein dreiköpfiger Affe!"-Ablenkungsmanöver des Hauptprotagonisten Guy Threepwood zum Klassiker.

In der folgenden Anleitung erkläre ich Ihnen, wie Sie eine Fotomontage mit Elaine - der späteren Frau von Threepwood - aus vielen verschiedenen Fotos in Adobe Photoshop nachbauen können.

Fotostrecke

21  Bilder
Legendäre LucasArts-Spiele: "Day of the Tentacle", "Monkey Island", "Indiana Jones 3"

Diese Software brauchen Sie

Diesen Workshop können Sie mit jeder Photoshop-Version ab CS3 nachvollziehen. Einzig das Formgitter (Schritt 14) gibt es erst ab Version CS5. Hier müssen Sie sich beispielweise mit "Bearbeiten > Transformieren > Verkrümmen/Verformen" behelfen.

Gefunden in

1. Die Ausgangsfotos

Die verwendeten Bildelemente stammen aus unterschiedlichen Zeiten und Quellen. Die meisten Fotos hatte ich irgendwann einmal selbst für spätere Anwendungen fotografiert. Die Piratenflagge (a) und das Segelschiff (b) fand ich bei Adobe Stock.

tfmills/ Adobe Stock

Christian Delbert/ Adobe Stock

Den dreiköpfigen Affen konnte ich im zoologisch-botanischen Garten Wilhelma in Stuttgart aufnehmen. Leider nicht direkt, sondern nur durch das nachträgliche Kombinieren mehrerer Einzelfotos einer Affenfamilie in Photoshop (c).

Olaf Giermann/ DOCMA

Tipp 1: Fotografieren Sie Elemente für Fotomontagen möglichst bei diffusem Licht (also etwa bei bewölktem Himmel), denn dann können Sie später die Beleuchtung leichter anpassen.

Tipp 2: Verschlagworten Sie die Bilder in Ihrer Datenbank-Software, um später geeignete Fotos im Handumdrehen zu finden.

Die folgenden Fotos, die für die Montage ebenfalls gebraucht werden, stelle ich Ihnen übrigens hier auf der "Docma"-Website als Arbeitsmaterial zur Verfügung.

Olaf Giermann/ DOCMA

Olaf Giermann/ DOCMA

2. Fokus und Retusche

Olaf Giermann/ DOCMA

Beim besten Bild der Foto-Session saß in diesem Fall der Fokus leider nicht hundertprozentig. In solchen Fallen haben Sie drei Möglichkeiten:

1. Sie organisieren ein neues Fotoshooting.

2. Sie löschen das Foto.

3. Sie versuchen, durch "Unscharf maskieren" oder "Verwacklung reduzieren" ein akzeptables Ergebnis zu erzielen.

In diesem Fall reichte eine Nachschärfung mit dem Filter " Unscharf maskieren" aus. Mit "Nachbelichter" und "Abwedler" (Dodge & Burn) optimieren Sie die Lichter und Schatten des Motivs auf einer Grau-Ebene im Modus "Weiches Licht". Hellen Sie Gesicht und Oberkörper auf und modulieren Sie das Gesicht nach Ihren Vorstellungen.

Tipp: Sie können auch mit dem "Pinsel" auf dieser Ebene malen und den Porträtbereich mit Orange etwas wärmer gestalten.

3. Pistolen-Details verstärken

Olaf Giermann/ DOCMA

Die sehr dunkel abgebildete Pistole (eine Replika aus dem Antiquitätenhandel) sollte detailreicher erscheinen. Das ist einfach, falls Sie - wie in diesem Fall - eine Raw-Datei als Smartobjekt geöffnet haben: Erzeugen Sie durch einen Rechtsklick in einen freien Bereich der aktiven Ebene und "Smartobjekt durch Kopie" (a) ein vom Original unabhängiges Duplikat.

Öffnen Sie dann mit einem Doppelklick auf die Ebenenminiatur Camera Raw. Wählen Sie für "Tiefen" und "Schwarz" die maximale Aufhellung und erhöhen Sie die "Klarheit", bis Sie die gewünschte Detailverstärkung erreicht haben (b). Bestätigen Sie den Dialog mit "OK", klicken Sie mit gehaltener "Alt"-Taste auf "Ebenenmaske hinzufügen" und malen Sie in der so erzeugten schwarzen Maske mit weißer Farbe über die Pistole, so dass nur im freigegebenen Bereich die Detailverstärkung sichtbar wird.

4. Freisteller für den Hintergrund

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Erzeugen Sie eine Auswahl des Models. Das "Schnellauswahlwerkzeug " leistet bei einem einfachen Hintergrund wie diesem oft sehr hilfreiche Dienste. Korrigieren Sie Fehler mit dem Lasso und optimieren Sie die Konturen mit "Auswählen und Maskieren" (a) über die Kontur der Haare, um die Auswahl der fliegenden Haare zu optimieren.

Setzen Sie für das Verfeinern der anderen Konturen den "Radius" unter "Kantenerkennung" auf 1 bis 2 Pixel (c) und vergeben Sie eine "Weiche Kante" von 0,5 bis 1 Pixel (d). Bestätigen Sie den Dialog, erzeugen Sie eine neue, leere Ebenengruppe und klicken Sie auf "Maske hinzufügen ".

In diese Gruppe (e) platzieren Sie im Folgenden alle Elemente des Hintergrunds. Kehren Sie deshalb die Maske mit "Strg/Cmd-I" um, so dass dort das Model schwarz und der Hintergrund weiß angezeigt wird (f).

5. Steg maskieren und retuschieren

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Die als Bootssteg dienende Brücke passte zwar perspektivisch perfekt zum Bild, aber leider machte die Natur mit all ihren Pflanzen, wie im Originalbild am Anfang zu sehen, einen Strich durch die Rechnung. Diese müssen Sie natürlich retuschieren.

Wählen Sie davor den Hintergrund der Brücke mit "Polygon-Lasso" oder "Zeichenstift" aus und löschen Sie ihn (a). Aktivieren Sie in der Ebenenpalette "Transparente Pixel fixieren" und entfernen Sie die Vegetation mit dem "Kopierstempel" (b).

Um das weiß gestrichene Geländer auf alt zu trimmen, überlagern Sie geeignete Holzstrukturen im Modus "Ineinanderkopieren" oder "Multiplizieren" (c). Erzeugen Sie dabei eine Schnittmaske ("Alt"-Klick zwischen die Ebenen), damit sich die Texturen nur auf die Brückenebene auswirken.

6. Steg einfügen

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Ziehen Sie die im vorherigen Schritt entstandenen Ebenen in die Gruppe für den Hintergrund. Ändern Sie die Füllmethode der Brückenebene in "Ineinan derkopieren". Dadurch werden die Schatten des Studiofotos wieder sichtbar.

7. Weitere Hintergrundelemente

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Hinter dem Steg (also auf den Ebenen darunter) fügen Sie weitere Elemente ein.

Vorsicht: Da der Steg in der Füllmethode "Ineinanderkopieren" eingesetzt ist, würden eingefügte Bilder durch ihn hindurchscheinen.

Erzeugen Sie daher eine neue, leere Gruppe für diese Ebenen, laden Sie den Steg als Auswahl ("Strg/Cmd-Klick" auf die Ebenenminiatur), fügen Sie diese als Ebenenmaske hinzu und invertieren Sie sie mit "Strg/Cmd-I". Fügen Sie ein Stockfoto mit einem Schiff ein (Füllmethode "Normal"). Überlagern Sie mit dem Schiff einen dramatischeren Himmel in der Füllmethode "Multiplizieren".

8. Mond

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Ein Mondfoto können Sie schnell einbauen, indem Sie die Füllmethode seiner Ebene auf "Negativ multiplizieren" ändern. Der Nachteil ist, dass Sie dann nicht seine Deckkraft reduzieren können, ohne dass der Mond seine Leuchtkraft verliert.

Das ist jedoch möglich, wenn Sie den Modus "Linear abwedeln" (a) nutzen und dann die Deckkraft über die "Fläche" reduzieren. Mit einer Kurve (b) können Sie das Leuchten des Mondes weiter abstimmen und durch das Abdunkeln der Tiefen seine Mare betonen.

9. Mond-Schatten

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Der helle Mond wurde im Studiofoto durch einen Blitz mit Normalreflektor simuliert, so dass die Schatten des Models hier bereits passen. Auf dem Steg fehlen sie jedoch noch. Nehmen Sie mit dem "Polygon-Lasso" dem Schattenverlauf entsprechende Auswahlen vor und legen Sie Einstellungsebenen vom Typ "Gradationskurve" an (a).

Dunkeln Sie soweit ab, dass die neuen Schatten dem Schatten des Models entsprechen (c). (Ich empfand die Schatten bei voller Stärke dann aber doch zu störend, so dass ich sie durch Malen in der (Gruppen-)Maske (b) wieder etwas reduzierte). Sie können die Maskenkonturen nicht-destruktiv über "Weiche Kante" im "Eigenschaften"-Bedienfeld soften (d).

10. Flagge einbauen

Olaf Giermann/ DOCMA

Die Flagge wählen Sie mit dem "Schnellauswahl-Werkzeug" aus und maskieren dann den Hintergrund. Leider ist die Fahnenstange im Stockfoto (Schritt 1, Bild a) viel zu kurz. Sie verlängern diese, indem Sie mit dem "Polygon-Lasso" eine Auswahl in der gewünschten Länge anlegen und diese dann mit dem "Kopierstempel" ausgehend von dem sichtbaren Teil der Stange auffüllen (a).

Maskieren Sie die Teile der Stange, die durch das Model verdeckt werden sollen (b). Auf einer Ebene im Modus "Hartes Licht" malen Sie mit Weiß Licht auf der dem Mond zugewandten und mit Schwarz Schatten auf der anderen Seite ein. Dunkeln Sie ebenfalls den unter dem Körper befindlichen Schaft ab (c). (Die Darstellungen sind hier zur besseren Sichtbarkeit der Änderungen aufgehellt.)

11. Der dreiköpfige Affe

Der dreiköpfige Affe setzt sich aus Fotos von vier verschiedenen Äffchen zusammen: dem Körper sowie den drei Köpfen. Da sie alle unter den gleichen Lichtbedingungen aufgenommen wurden, war keine große Anpassung der Köpfe an den Körper notwendig. Das Freistellen ist hier mit "Lasso" und "Auswählen und Maskieren" beziehungsweise "Kante verbessern" schnell erledigt.

Platzieren Sie den Affen im Bild und blenden Sie den Schwanz per Maske dort aus, wo er durch Holzbalken verdeckt werden soll.

12. Affenschwanz und -fuß verformen

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Den Affenschwanz verkrümmen Sie am bequemsten mit "Bearbeiten > Formgitter". "Nähen" Sie zunächst den Körper fest, indem Sie durch Klicken im Bild Pins an seine Konturen setzen.

Ohne diese Punkte würden Sie später auch die Form und Position des Affen verändern. Erzeugen Sie dann Pins auf dem Schwanz und verleihen Sie ihm etwas Krümmung. Lassen Sie auch den Fuß ein wenig hängen, indem Sie ihn leicht nach unten drehen.

13. Affe stimmig einpassen

Olaf Giermann/ DOCMA

Der Affe ist noch zu bunt und es fehlen Licht und Schatten. Entsättigen Sie seine Farben mit "Farbton/Sättigung" (a). Malen Sie Schatten ein, indem Sie Lichter und Mitteltöne mit einer Einstellungsebene "Gradationskurve" stark abdunkeln (b), deren Maske mit "Strg/Cmd-I" invertieren und dann mit einem weichen Pinsel, geringer Deckkraft und weißer Farbe die Abdunklung ins Bild malen.

Tipp: Erzeugen Sie die Einstellungsebenen mit einer Schnittmaske zur Affen-Ebene, um beim Malen an den Kanten nicht aufpassen zu müssen, und um gleichzeitig den Hintergrund abzudunkeln.

Nutzen Sie aus demselben Grund auch wie in Schritt 7 die bereits bestehende Maske für den Steg, falls Sie nur dessen Geländer abdunkeln möchten (c).

14. Zündschnur

Olaf Giermann/ DOCMA

Um die Zündschnur nicht freihand zeichnen zu müssen, erzeugen Sie zunächst mit dem "Zeichenstift" einen Pfad. Legen Sie dann eine neue leere Ebene an, wechseln Sie zum "Pinsel", wählen Sie Grau als Vordergrundfarbe, eine runde Pinselspitze mit einer Größe, die dem Durchmesser der Lunte entspricht, und drücken Sie "Enter". Der Pfad wird mit der Pinselspitze gefüllt.

Weisen Sie der Ebene den Ebeneneffekt "Musterüberlagerung" mit der Füllmethode "Multiplizieren" oder "Ineinanderkopieren" zu (a). Probieren Sie verschiedene der bereits installierten Vorgaben aus (b). Wichtig ist, dass die Zündschnur etwas Struktur erhält. Mehr Tiefe geben Sie ihr mit "Abgeflachte Kante und Relief" oder manuellem Dodge & Burn.

15. Farblook

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Mit einer Einstellungsebene vom Typ "Farbton/Sättigung" geben Sie dem Bild eine nächtliche Anmutung. Aktivieren Sie die Checkbox "Färben". Wahlen Sie dann einen blauen "Farbton" und reduzieren Sie seine Sättigung ein wenig.

Ändern Sie die Füllmethode der Ebene in "Weiches Licht", so dass die originalen Farben nicht einfach überschrieben, sondern mit der Farbe der Einstellungsebene verrechnet werden.

16. Das glimmende Ende

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Das brennende Ende der Zündschnur simulieren Sie durch das Überlagern des Fotos einer brennenden Wunderkerze. Nutzen Sie hierfür den Ebenenmodus "Negativ multiplizieren". Verstärken Sie bei Bedarf den Kontrast der Ebene mit einer "Tonwertkorrektur", um den störenden Hintergrund durch Abdunkeln auszublenden. Etwaige verbleibende Störungen entfernen Sie mit einer Ebenenmaske.

Den Lichtschein der glimmenden Zündschnur erzeugen Sie mit Einstellungsebenen vom Typ "Farbbalance". Verschieben Sie die Farben der Mitteltöne in Richtung "Rot", "Magenta" und "Gelb" und beschränken Sie ihre Auswirkung über eine Ebenenmaske auf die Nähe der Funken. Einen aufhellenden und farbverstärkenden Effekt erzielen Sie durch Ändern der Füllmethode von "Normal" auf "Ineinanderkopieren".



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