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Trashfilm-Zitate: Je schlechter der Film, desto besser das Spiel

Von Achim Fehrenbach

"The Deadly Tower of Monsters": Miese Spezialeffekte, lustiges Spiel Fotos
Grasshopper Manufacture

Für viele sind Videospiele nur Schrott, und diese Wahrnehmung machen sich manche Game-Designer lustvoll zu eigen: Zitate aus Trash-Filmen sind zentraler Bestandteil vieler - guter! - Spiele. Ein aktueller Titel treibt das auf die Spitze.

Kaum ist Astronaut Dick Starspeed gelandet, muss er auch schon gegen antennenbewehrte Ritter und Ufos kämpfen.

Er stürzt aus großer Höhe in ein Getreidesilo, findet zufällig eine Laserpistole und erlegt dann eine Horde lilafarbener Mini-Brontosaurier. Dann verteidigt die einheimischen Affenmenschen gegen Schlägertrupps weißer Riesenprimaten. Zum Glück findet er schon bald zwei Verbündete, eine Space-Amazone und einen tonnenförmigen Roboter. Gemeinsam erklimmen die Helden für den Showdown den tödlichen Turm der Monster.

Das klingt nach üblem Trash - und das soll es auch. "The Deadly Tower of Monsters" das jetzt für den PC erscheint, ist eine Computerspiel-Parodie auf B-Movies der Fünfzigerjahre: auf Alien-, Monster- und Mutantenfilme. Andere Spiele, zum Beispiel das 2013 veröffentlichte "Far Cry: Blood Dragon", nehmen die neongetränkten Action-Filme der Achtzigerjahre auf die Schippe - oder parodieren, wie etwa "Lollipop Chainsaw" (2012), den Zombiefilm.

B-Movies und Trash-Filme werden gerne zitiert und parodiert - auch von Game-Designern. Jüngstes Beispiel ist der PC-Titel "The Deadly Tower of Monsters", eine Hommage an die billig produzierten Science-Fiction und Monsterfilme der Fünfziger Jahre. Doch die Trashfilmparodie an sich hat in der Spielebranche eine lange Tradition.

Das Point-and-Click-Adventure Day of the Tentacle (1993) enthält unzählige Anspielungen auf Horror- und Science-Fiction-Filme. Das namensgebende Tentakelmonster macht den zeitreisenden Helden das Leben gehörig schwer. Auch im Vorgänger Maniac Mansion (1987) sowie in Zak McKracken bekommen es die Menschen mit fiesen Außerirdischen zu tun.

"It Came from the Desert" (1989) ist stark von "Formicula" beeinflusst, einem der bekanntesten Monsterfilme der Fünfziger Jahre. Nach einem Meteoriteneinschlag tauchen in der Wüste von Nevada mutierte Riesenameisen auf, deren Ausbreitung die Spieler unter Zeitdruck verhindern müssen.

Ed Woods "Plan 9 from Outer Space" gilt als einer der schlechsten Filme aller Zeiten. 1992 spinnt das gleichnamige Point-and-Click-Adventure die trashige Handlung fort. Zwei Jahre später setzte Tim Burton dem Regisseur ein filmisches Denkmal, die Hauptrolle in "Ed Wood" spielte Johnny Depp.

1996 drehte Tim Burton "Mars Attacks!", eine Hommage an die Alien-Invasionsfilme der Fünfziger Jahre. Das Spiel "Destroy all Humans" (2005) lässt Spieler in die Rolle eines wütenden Außerirdischen schlüpfen - und gibt ihm allerlei futuristische Waffen in die Hand.

Das Konsolenspiel "Lollipop Chainsaw" (2012) ist von Zombie- und Highschool-Filmen inspiriert. Mit Kettensäge und Cheerleader-Uniform metzelt sich Heldin Juliet Starling durch Horden von Untoten - ein Fest für Freunde des gepflegten Trashs.

"Blood Dragon" (2013) ist eine Auskopplung der Shooter-Reihe "Far Cry" - und eine gelungene Parodie auf Achtziger-Jahre-Actionfilme. Als Cyber-Soldat Sergeant Rex "Power" Colt landen Spieler auf einer entlegenen Insel, um dem durchgeknallten Colonel Sloan das Handwerk zu legen. In dem retrofuturistischen Abenteuer dürfen weder laserspeiende Drachen noch Synthie-Klänge fehlen.

Eine Hommage an die Action-Serien wie "Miami Vice" ist das ultrabrutale Pixel-Gemetzel "Hotline Miami" (2012): Als Killer nimmt man es mit der russischen Mafia auf. Die Draufsicht, die Steuerung und der hohe Schwierigkeitsgrad erinnern an Spiele der Achtziger Jahre.

"Kung Fury: Street Rage" ist das Begleitspiel zum trashigen Youtube-Hit "Kung Fury" (2015): Die Heldengruppe - Kung Fury, Barbariana, Triceracop und Hackerman - bekommt es in dem Beat'em'up mit unzähligen Fieslingen zu tun.

Das Action-Spiel "WET" (2009) setzt auf akrobatischen Schwertkampf im Stile von Tarantinos "Kill Bill 1". Die Hauptfigur - Auftragskillerin Rubi Malone - bleibt allerdings weitgehend blass.

1954 tauchte das Monster Godzilla erstmals in einem Film auf, seitdem durfte es sich mit unzähligen anderen Monstern prügeln, auch die Zahl der Games ist Legion. "Godzilla" (2014) fiel bei den Kritikern allerdings durch, weder Steuerung noch Grafik konnten überzeugen.

2015 erschien das Survival-Horror-Game "Until Dawn", inspiriert war es von Slasher-Filmen wie "Scream". Acht Teenies treffen sich in einer einsamen Berghütte, der Spieler soll möglichst viele von ihnen vor dem gewaltsamen Tod bewahren.

Stark von B-Movies beeinflusst ist auch das explosive Action-Abenteuer "Just Cause 3". Als Chaos-Generator macht sich das Spiel jedenfalls nicht schlecht.

"Fallout 4" zählt zu den erfolgreichsten Action-Rollenspielen des vergangenen Jahres. Die retrofuturistische Ästhetik lässt auch hier an alte B-Movies denken.

"Der Reiz von B-Movie-Parodien liegt zum einen in ihrem Zitate-Reichtum - und zum anderen in dem Nostalgiefaktor, den Trash-Perlen vergangener Jahrzehnte besitzen", sagt Andreas Rauscher, Kurator der Frankfurter Ausstellung "Film und Games. Ein Wechselspiel".

Die Parodisten schöpfen dabei aus einem gewaltigen Vorrat. "Die Unterteilung in A- und B-Pictures stammt ursprünglich aus dem Hollywood der Dreißiger Jahre", so Rauscher. Um das steigende Unterhaltungsbedürfnis zu bedienen, führten die Studio- und Kinobetreiber damals Double Features ein: Doppelvorstellungen, die aus einem aufwendig produzierten A-Picture und einem schnell und günstigen abgedrehten B-Picture bestanden. Beliebte B-Genres waren Krimis, Melodramen und Western, aber auch Horror- und Science-Fiction-Filme. In den Folgejahrzehnten boten die Low-Budget-Produktionen immer auch Platz für Experimente und Gesellschaftskritik. Spätere Kultregisseure wie Roger Corman und John Carpenter spielten gekonnt mit den Genre-Konventionen. In den Achtzigern eroberten B-Movie-Themen den Mainstream - und ziehen sich durch bis ins heutige Blockbuster-Kino.

Unzählige Anspielungen auf Horror- und Science-Fiction-Filme

Im Videospiel wurden B-Movies schon früh parodiert. Klassische Point-and-Click-Adventures wie "Maniac Mansion", "Day of the Tentacle" oder "Zak McKracken" enthalten unzählige Anspielungen auf Horror- und Science-Fiction-Filme - zum Beispiel die fleischfressende Pflanze Chuck, eine Artgenossin von Audrey jr. aus Roger Cormans schwarzer Komödie "Little Shop of Horrors". "Maniac Mansion" integriert den Horror-Gaststar nahtlos in seinen eigenen Rätsel-Kontext: Um die Pflanze außer Gefecht zu setzen, müssen Spieler ihr Pepsi-Cola verabreichen - vor lauter Rülpsen schafft sie es dann nicht mehr, Menschen zu attackieren. In Cormans Film frisst die Pflanze stattdessen einfach den Protagonisten.

Games mögen noch so sehr mit Referenzen gespickt sein - wenn Story und Gameplay nicht mithalten, bricht das Ganze meist auseinander. Das blutige Action-Spiel "WET" von 2009 mag mit seinen akrobatischen Schwertkämpfen eine Hommage an Grindhouse- und Martial-Arts-Filme sein, ja sogar Tarantinos "Kill Bill 1" zitieren. Doch die Auftragskillerin Rubi Malone bleibt zu flach, um die Story wirklich tragen zu können, auch die Kämpfe werden auf Dauer eintönig.

Besser, wenn die Referenzen nicht als reines Blendwerk dienen - sondern das jeweilige Spiel notfalls auch ohne filmisches Vorwissen funktioniert. "It Came from the Desert" (1989) ist ein Beispiel: Es zitiert aus etlichen B-Movies der Fünfzigerjahre, vor allem aus "Formicula" (1954) - so wird aus der Jagd nach mutierten Riesenameisen ein spannendes Detektiv- und Action-Spiel. Ganz gut gelingt dieser Brückenschlag auch dem Action-Titel "Destroy all Humans" von 2005. Spieler steuern ein wütendes Alien, das Menschen mit Todesstrahlen, Radioaktivität und Psychokinese malträtiert - Tim Burtons "Mars Attacks!" lässt grüßen.

Das Spiel als Trash-Fundgrube

Auch viele Blockbuster-Titel beziehen sich mal mehr, mal weniger explizit auf das B-Kino. Aktuelle Beispiele sind das Survival-Horror-Game "Until Dawn" , das sich massiv bei Slasher-Filmen bedient - oder auch die Open-World-Zerstörungsorgie "Just Cause 3" mit ihren bewusst platten Dialogen.

"Im Shooter Max Payne gibt es viele Situationen, die zum Standardrepertoire von Rachegeschichten wie 'Ein Mann sieht rot' gehören", sagt Andreas Rauscher. "Dieses permanente Rache-Pathos würde schnell nerven, wenn das Spiel nicht ganz eigene Qualitäten hätte. Es macht die Stationen eines typischen Rachedramas erlebbar und präsentiert auch einige sehr originelle Einfälle."

"The Deadly Tower of Monsters" ist eine Trash-Fundgrube, bis zum Rand hin vollgepackt mit hölzernen Dialogen, Logikfehlern und miesen Spezialeffekten: Raketenmodelle hängen an Fäden, Palmen sind aus Plastik, Felsen aus Pappmaché, die Bossmonster sind per Stop Motion animiert und das Mikro ragt gelegentlich von oben ins Bild.

Dazu kommen Off-Kommentare des fiktiven Regisseurs, eines gewissen Dan Smith. Sein Machwerk erscheint als Jubiläumsausgabe auf DVD, weshalb er auch ungehemmt und selbstherrlich aus dem Nähkästchen plaudert: Über den Einsatz echter Affen, die dann aber mit Kot um sich warfen. Oder wie er das Stunt-Personal anwies, nur ordentlich auf die Helden einzudreschen... sollte ja schließlich alles echt aussehen. Stirbt einer der Protagonisten, wird eben zurückgespult. "The Deadly Tower of Monsters" geht damit weiter als die meisten Trash-Parodien: Es macht die Produktionsbedingungen zum eigentlichen Thema.

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Wie bitte?
Bueckstueck 23.01.2016
Das Action-Spiel "WET" (2009) setzt auf akrobatischen Schwertkampf im Stile von Tarantinos "Kill Bill 1". Die Hauptfigur - Auftragskillerin Rubi Malone - bleibt allerdings weitgehend blass. Nicht immer wird aus schlechten Filmvorlagen auch ein gutes Spiel. Kill Bill ist keine schlechte Filmvorlage. Das Spiel ist einfach nur schlecht.
2.
Freifrau von Hase 23.01.2016
"Kill Bill ist keine schlechte Filmvorlage." Hmm....das ist wohl eine Frage des Geschmacks.....
3.
achim_fehrenbach 25.01.2016
Zitat von Freifrau von Hase"Kill Bill ist keine schlechte Filmvorlage." Hmm....das ist wohl eine Frage des Geschmacks.....
Liebe Leser, vielen Dank für Ihr Feedback. In seinem Film "Kill Bill 1" spielt Quentin Tarantino meiner Meinung nach durchaus gekonnt mit Zitaten aus B-Movies und Trash-Filmen. Insofern war der oben genannte Satz irreführend, wir haben ihn wieder aus der Bildergalerie herausgenommen. Beste Grüße Achim Fehrenbach
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