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Games und Theater: Vorhang auf, press Start

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Zuschauer mit Gamecontrollern, Online-Schauspielkaraoke und klassische Dramen in "Second Life": Das Theater entdeckt seine Liebe zu virtuellen Welten und sucht nach Wegen, sich dem Medium Videospiel anzunähern. Das Magazin GEE stellt fünf Projekte vor, in denen Spiel auf Drama trifft.

Games und Theater: Vorhang auf, press Start Fotos
GEE

"Vor fünf Jahren waren Sigurd und Gunnar als Wikinger auf Island", erzählt der alte Mann, während er auf das Meer hinausblickt. Die Zuschauer im verdunkelten Malersaal des Hamburger Schauspielhauses lauschen gebannt seinen Worten. Mit rauer, brüchiger Stimme berichtet er, wie die Männer nach einem Gelage seine beiden Töchter geraubt haben. Auch im Alter sieht man Oernulf von den Fjorden an, welch stolzer Kämpfer er einst gewesen sein muss. Und wie sehr der Raub seiner Töchter nicht nur seinen Stolz verletzt hat.

Und doch wirkt die Miene des Wikingers eigenartig unbewegt und künstlich, als hätte jemand eine kantige Maske über seinen Kopf geklebt. Dann: hektisches Klackern von Tastaturen. Im klaren Himmel über Island erscheinen Dutzende Monde. Während der Wikinger von seinem Schmerz berichtet, verschwindet er in einer Wolke tanzender Lichtstrahlen. Und beginnt plötzlich, fürchterlich zu ruckeln. An diesem Abend leidet Oernulf, eine der Figuren in Henrik Ibsens Drama "Nordische Heerfahrt", nicht nur unter dem Verlust seiner Töchter, sondern vor allem an einem: Seine Netzwerkverbindung ist zu langsam.

Weder Oernulf noch Sigurd oder Gunnar noch sonst eine Figur um sie herum ist nämlich aus Fleisch und Blut: Sie sind Avatare aus der Welt von "Second Life", gesteuert von Schauspielern in einer Neuinszenierung des Ibsen-Stoffes, mit der Regisseur Roger Vontobel im Schauspielhaus vor drei Jahren ein Experiment durchführen und mehr als ein Theaterstück schaffen wollte - eine "Mixed World Production". Die menschlichen Darsteller sitzen mit Headsets auf der Bühne an Schreibtischen und stellen die an eine Leinwand projizierten Protagonisten des Dramas nicht mit ihrem eigenen Körper dar, sondern steuern sie mit Maus und Tastatur durch den virtuellen Raum.

Ibsen in "Second Life"

Vontobels digitale Wikinger sind nur ein Beispiel dafür, wie junge Theaterschaffende sich darum bemühen, Spiel und Spiel zusammenzuführen: das Theaterspiel, für das sie Fachleute sind, und das Computerspiel, mit dem sie einst aufwuchsen. Vom Prügelspiel mit echten Kämpfern über Real-Life-Adventures bis hin zu netzwerkgestütztem Theater-Karaoke fürs heimische Wohnzimmer hat sich in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Konzepten und Experimenten entwickelt, die Brücken zwischen beiden Spielkulturen zu schlagen versuchen. Ein mutiges Vorhaben ist das für die Theaterschaffenden. Denn die Zwitterprojekte bringen sie oft nicht nur in Konflikt mit den Doktrinen konservativer Kollegen, wie Theater zu funktionieren hat - ihre Projekte sind auch konzeptionell so weit außerhalb gängiger Vorstellungen, dass sie oft nur schwer vermarktbar sind.

Natürlich sind Theater und Games beide Spiel - doch auf grundverschiedene Weisen. Beim einen folgt der Zuschauer professionellen Schauspielern, beim anderen agiert er selbst. Das ist nur schwer beides zur selben Zeit auf die Bühne zu bekommen. Und so begnügten sich viele Game-Theater-Projekte der jüngeren Vergangenheit wie Roger Vontobels " Die Helden auf Helgeland" erst einmal damit, Computerspielelemente in traditionelle Inszenierungen einzufügen.

Ein Adventure zum Durchlaufen, Karaoke mit Kinect-Steuerung und Computerspielprojektionen auf der Bühne - Projekte von spielenden Schauspielern im Überblick.

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GEE
Love For Games
März 2011

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Spielkonsolen: Die aktuelle Generation
Wii
AP
Der kleine Konkurrent kann im Gegensatz zu den Konsolen der Rivalen keine hochauflösende Grafik bieten, sondern liefert herkömmliche Fernsehauflösung. Trotzdem ist das Gerät so beliebt, dass der Hersteller bisher keine Preissenkung angekündigt hat. In den USA überholte die Wii im Juli 2008 Microsofts Xbox 360, was die Verkaufszahlen angeht. Die Konsole zeichnet sich durch einen bewegungssensitiven Controller und bewegungsorientierte Zusatzgeräte wie das "Balance Board" aus. Mit simplen Sport- und Spaß-Spielen hat sie für die Branche neue Zielgruppen erobert. 2009 führte Nintendo eine Erweiterung für den Controller namens Wii Motion Plus ein, die Bewegungen der Spieler noch präziser erfassen helfen soll. Einen ausführlichen Wii-Test finden Sie hier .
Playstation 3 und 2
AP
Der direkte Konkurrent von Microsofts Xbox 360 - die beiden Konsolen konkurrieren um die Hardcore-Gamer, die auch bereit sind, für hochauflösende Spielgrafik einen entsprechenden Fernseher zu kaufen. Im März 2007 kam die Konsole in Europa auf den Markt. Im Juli 2008 gab es sie entweder mit 40- oder mit 60-GB-Festplatte - im August 2009 wurde die PS3 slim vorgestellt, mit 120-GB-Festplatte und für einen niedrigeren Preis als das Vorgängermodell. Damit ist sie immer noch die teuerste unter den aktuellen Modellen. Die PS3 gibt ein hochauflösendes Videosignal über einen HDMI-Ausgang aus. Als einzige, momentan erhältliche Spielkonsole enthält sie ein Blu-ray-Laufwerk, mit dem sich auch hochauflösende Blu-ray-Discs abspielen lassen. Einen ausführlichen Test des ersten PS3-Modells finden Sie hier.

Im September 2010 kam in Deutschland die Erweiterung Playstation Move auf den Markt. Das Bewegungssteuerungs-System basiert auf der Konsolenkamera Playstation Eye und Controllern, die leuchtende Kugeln an der Spitze tragen. Die Kamera verfolgt die Bewegungen dieser Kugeln, gleichzeitig sorgen Lage- und Bewegungssensoren für ein noch genaueres Bewegungs-Abbild. Ein sogenanntes Starter-Pack enthält die Kamera und einen Move-Controller, es kostete im Herbst 2010 etwa 80 Euro. Weitere Controller sowie die mit einem Joystick ausgestatteten "Navigation Controller" müssen jeweils extra gekauft werden. Eine Ausrüstung für vier Spieler kann schnell so viel kosten wie eine ganze Konsole. Es sind jedoch auch im Preis reduzierte Bündel-Angebote erhältlich.

Sony hat als einziges der großen Unternehmen noch eine zweite Wohnzimmer-Konsole im Rennen: Die Playstation 2 verkauft sich noch immer, und es geht auch nach wie vor eine Menge Software für das Gerät weg, das in seiner Ur-Version im Jahr 2000 auf den Markt kam. In erster Linie verkaufen sich für das inzwischen geschrumpfte Gerät Partyspiele wie "SingStar" und das Quiz-Spiel "Buzz".
Xbox 360
REUTERS
Microsofts High-Definition-Konsole ist von den drei aktuellen Konkurrenten am längsten auf dem Markt, nämlich seit Ende 2005. Microsoft schraubte seitdem mehrmals an Preis und Ausstattungsmerkmalen. Die 360 hat ein normales DVD-Laufwerk.

Die aktuellen Modelle geben HD-Bilder über einen HDMI-Ausgang aus. Im Juni 2010 stellte Microsoft eine neue, kleinere, nun durchgägnig schwarze Xbox 360 vor, die serienmäßig mit einem HDMI-Ausgang und einem Wifi-Modul für drahtlosen Netzzugang ausgestattet ist. Das Gerät soll zudem deutlich leiser sein als die vorangegangenen Modelle. Sie kostete in Deutschland zunächst gut 300 Euro. Eine preiswertere Version mit nur vier Gigabyte Flashspeicher, aber ohne Festplatte kostete im Herbst 2010 etwa 180 Euro. Einen ausführlichen Test der ursprünglichen Xbox 360 finden Sie hier.

Im November 2010 kam Micorosofts Bewegungssteuerungs-System Kinect auf den Markt. Es funktioniert ohne physische Controller, erfasst werden die Bewegungen der Spieler von zwei Kameras. Zudem sind in die balkenförmige Kinect-Erweiterung Mikrofone eingebaut. Das System erfasst Bewegungen des ganzen Körpers und kann außerdem auf gesprochene Anweisungen reagieren. Mit Kinect lassen sich nicht nur Spiele steuern, sondern auch die Benutzeroberfläche der Konsole bedienen, Filme starten, pausieren und stoppen und Videochats führen. Kinect kostete bei der Einführung etwa 150 Euro, inklusive eines Spiels. Diverse Bündel-Angebote mit samt einer Konsole sind ebenfalls erhältlich.
Sony PSP
REUTERS
Die Playstation Portable, auf dem Markt seit 2005, ist Sonys erster Versuch, von dem traditionell von Nintendo ("Gameboy") beherrschten Markt für mobile Spielgeräte ein Stückchen abzuzwacken. Seit 2007 gibt es eine etwas dünnere Version namens Slim and Lite. Die Mobilkonsole kann nicht nur Spiele darstellen, sondern auch Filme und Musik abspielen. Außerdem lässt sie sich per W-Lan mit dem Internet verbinden. Filmdownloads und andere Inhalte können von der PS3 auf die PSP verschoben werden, außerdem kann die Mobilkonsole über einen Internetzugang als eine Art Fernbedienung für die PS3 benutzt werden. Die PSP ist auf dem Markt für mobile Spielgeräte Zweiter hinter Nintendos DS. Im Juni 2009 wurde das neue Modell PSP go vorgestellt, das ein herausschiebbares Unterteil mit den Bedienelementen darauf aufweist und deshalb deutlich kleiner ist, dafür aber kein Laufwerk mehr für Sonys UMD-Disk-Format hat. Spiele, Bilder, Filme und Musik sollen darauf direkt heruntergeladen werden. Die 2008 eingeführte PSP 3000 mit UMD-Laufwerk soll aber weiterhin produziert werden. Einen ausführlichen Test der ursprünglichen PSP finden Sie hier .
Nintendo DS
Der Nintendo DS ist seit 2005 in einer ersten Version auf dem Markt, seit 2006 in einer schlankeren Ausgabe namens DS Lite (abgebildet). DS steht für "dual screen". Die Konsole hat einen normalen und in der unteren Hälfte einen Touch-Screen. Spiele werden über Tasten oder aber einen Stylus, mit dem der Touchscreen bearbeitet wird, gespielt. Der DS lässt sich wie die PSP über W-Lan mit dem Internet verbinden, auch Online-Spiele und Spielereien wie Bilder-Chat sind so möglich. Mit Spielen wie "Nintendogs" und "Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging" erschloss der DS neue Zielgruppen für Mobilkonsolen. Der DS ist das derzeit meistverkaufte mobile Spielgerät. Seit der Markteinführung wurden der kleinere DS Lite und zuletzt, Ende 2008 bzw. Anfang 2009 der DSi nachgeschoben. Letzterer weist als Neuerung unter anderem zwei etwas größere Bildschirme und zwei VGA-Kameras auf (eine auf der Bildschirm-Seite, eine auf der Gehäuse-Außenseite). Einen Testbericht über die erste Version des Nintendo DS finden Sie hier , einen Bericht über den aktuellen DSi finden Sie hier . Seit März 2010 gibt es den DSi XL, der einen größeren Bildschirm (4,2 Zoll) verfügt. Bei der Electronic Entertainment Expo im Juni 2010 in Los Angeles stellte Nintendo ein neues Gerät namens 3DS vor, das dreidimensionale Darstellungen auf einem der beiden Bildschirme erlaubt, ohne eine Spezialbrille erforderlich zu machen. Preis und Erscheinungstermin wurden zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht genannt.

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