Gaming als Paar Schatz, erlegst du mir einen Drachen?

Frauen, die am Computer spielen? Für viele Männer passt das nicht zusammen. Dabei sind gerade Games ein Hobby, das mit dem Partner noch viel mehr Spaß macht. Und so sieht das dann aus.

Screenshot aus "Borderlands 2"
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Screenshot aus "Borderlands 2"

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Vor Kurzem äußerte ein Mann in der "Neon" diesen Satz: "Eine Frau, die Playstation spielt, ist definitiv nicht meine Freundin."

Mich hat das überrascht, weil ich bisher nur das Gegenteil kenne: "Ach, würde meine Frau/Freundin doch auch Spiele mögen!" Das ist höre ich oft, wenn ich Männern erzähle, dass mein Mann und ich zusammen am PC zocken. Es ist eines unserer Hobbys.

Spielerlebnisse zu teilen, zusammen Rätsel lösen, gemeinsam auch mal etwas verbocken, gemeinsam entscheiden, ob man jetzt mogelt oder nicht - das alles eröffnet eine weitere Spieldimension. Und es macht als Paar besonders viel Spaß.

Und deshalb öffne ich jetzt die Tür zu unserem Arbeits- beziehungsweise Spielzimmer einen Spalt breit, um zu zeigen, wie Gaming zu zweit funktioniert.

Kein Kampf um die Maus

Koop-Spiele, zum Beispiel "Borderlands" oder "Divinity: Original Sin" sind natürlich das Beste. Jeder sitzt am eigenen Rechner, hat seine eigene Figur. Leider sind gute Koop-Titel selten. Und wir mögen viele Spiele, die mit nur einer steuerbaren Hauptfigur konzipiert sind, etwa den "Witcher", "Fallout", "Mass Effect", "Skyrim" oder "Assassin's Creed".

Da kann nur einer die Hoheit über Tastatur und Maus haben, der andere muss damit leben, weitgehend zuzuschauen. Als jemand, der meist am Rande einer Sehnenscheidenentzündung lebt, habe ich damit kein Problem, im Gegenteil. Dafür nicke ich immer mitfühlend, wenn mein Mann über die - bei irgendwie jedem Spiel - schlechte Steuerung klagt.

Total unbeschäftigt bin ich trotzdem nicht, mir bleiben ein paar Tasten am linken und oberen Rand. Ich steuere zum Beispiel, wann Geralt in "Witcher" einen Trank schluckt, was oft über Leben und Tod entscheidet. Bei "Mass Effect" habe ich alle Sonderfertigkeiten unter Kontrolle. Wenn sich durch meine Aktionen andere Bewegungen unterbrechen lassen, keine völlig konfliktfreie Lösung.

Oft ist die Lösung für uns Menschen jenseits der 40 sogar praktisch. Denn die Hand-Auge-Koordination und Geschwindigkeit von 15-Jährigen, für die manche Spielszenen offensichtlich programmiert werden, kann jeder von uns allein nicht aufbieten. Aber vier Hände klicken beziehungsweise drücken effektiver als zwei. Meistens jedenfalls.

Er steuert, sie ist Beifahrer - das ist also die allgemeingültige Lösung fürs Paar-Gaming? Nein, nur unsere persönliche. Bei einem befreundeten Paar, das auch zusammen spielt, ist es umgekehrt: Da steuert sie und er sitzt daneben. Es würde mich nicht wundern, wenn andere sich ablösen.

Typischer Dialog: "Was hast du jetzt angestellt? Ich wollte gerade..."

"Wir leben doch noch."

Der Weg ist das Ziel

Die Faszination von Open-World-Spielen wie "Skyrim" liegt in der Möglichkeit, eine riesige, schön anzusehende Welt zu erkunden. Bei "Skyrim" sagt eine Nebenfigur einmal: "Oh, eine Höhle, was da wohl drin ist?" Als Spieler gibts da nur eines: reingehen, um sie zu erkunden.

Auf jedem Berg lauert ein Drache. Am Wegesrand steht alle paar Meter jemand, der einen Auftrag zu vergeben hat. Und natürlich gibt es eine Hauptqueste, die die Geschicke der Welt verändert. Das Problem, das sich bei dieser Fülle von Angeboten stellt, ist klar. Was wann tun? Zu zweit ist das bisweilen, wenn man nicht die Figur steuert, eine Geduldsprobe. Vor allem, wenn der Mann an der Tastatur am liebsten das unwegsamste Gelände erkundet.

Typischer Dialog: "Wieso musst du immer, immer versuchen, ob du noch den steilsten Hang hochkommst und hüpfen wie blöde? Es gibt eine Straße. Nimmt die Straße."

"Straße, wie öde."

Wahrscheinlich ist das etwas urtümlich Menschliches, den Berg bezwingen zu wollen. Selbst wenns ein Pixelberg ist. Ja, etwas typisch Menschliches, nicht typisch Männliches. Denn beim schon erwähnten befreundeten Paar, bei dem sie steuert, sieht es genauso aus: Die Steuernde hüpft und hüpft, weil ja unbedingt der letzte Winkel erkundet werden muss - und der Co-Pilot nimmts seufzend hin.

Wo die Liebe hinfällt

Ich gebe zu, ich mag die Romanzen sehr. Und überhaupt die Dialoge. Mehr als mein Mann. Durch die Gespräche muss er also durch, als Gegenleistung für meinen Langmut bei seinen Bergexkursionen. Oft hält er durch, manchmal verabschiedet er sich für ein paar Minuten aus dem Zimmer - und bekommt dann die Zusammenfassung, bevor es mit der Action weitergeht.

Typischer Dialog: "Ich hab drei neue Aufträge eingesammelt und weiß jetzt endlich, wie wir an Stelle X weiterkommen. Reden hilft."

"Jaja, klar, blabla. Kann ich jetzt endlich den Drachen erschlagen?"

Nur manchmal stellt er mich auch vor vollendete Tatsachen.

Typischer Dialog: "Ich will eine bedeutungsvolle Beziehung und überlege noch, mit wem - und du landest mit deiner Sekretärin im Bett, nur weil die am dichtesten an dir dran steht und sofort ja sagt? Während ich eine Minute weg war, um was zu trinken zu holen. Echt jetzt?"

"Ich finde, die ist nett."

Die kleinen Freuden

Oft sind es ja die kleinen, scheinbar nebensächlichen Features, die besonders viel Freude bereiten. Ihm macht es zum Beispiel Spaß, in "Dragon Age" auch noch die letzte Pflanze am Wegesrand zu pflücken - man weiß ja nie, wann man die noch gebrauchen kann! Ich amüsiere mich derweil über den Elch als wählbares Reittier, der röhrt so schön. Also reiten wir auf dem Elch, den ich per Tastendruck röhren lasse, und steigen bei jeder Blume ab. Und alle sind glücklich.

Typischer Dialog: "Schnickschick" - "Röööhr".

Die großen Entscheidungen

Spannend wirds, wenn die nächste Entscheidung den folgenden Spielverlauf unwiederbringlich prägt. Im jüngsten "Fallout" etwa muss man sich entscheiden, welche Gruppierung man unterstützt - und damit, wer am Ende die Herrschaft übers Ödland gewinnt. Nachdem die Wahl getroffen ist, werden andere automatisch zu Feinden. Wie lässt sich zu zweit am besten eine Entscheidung treffen und was tun, falls die Meinungen auseinandergehen? Droht da nicht Streit?

Ganz ehrlich: Im echten Leben trifft man als Paar deutlich wichtigere Entscheidungen. Da sollte man sich nicht über Spieloptionen verkrachen, sondern sowieso in der Lage sein, vernünftig miteinander zu diskutieren. Können wir.

Spiele haben außerdem einen echten Vorteil: Im Zweifel kann man sie ein zweites Mal spielen und dann eine andere Entscheidung treffen.

Typischer Dialog: "Lass uns die Minutemen unterstützen. Das sind die Einzigen, die sich um die Leute kümmern."

"Die sind aber auch am wenigsten interessant."

"Wen willst du denn?"

"Ach, weiß nicht so genau."

"Minutemen, yes!"

Der Ruf des Unbekannten

Ballerspiele sind nichts für mich, dachte ich lange. Zwar habe ich jahrelang "Diablo 2" gespielt, aber zum Beispiel nie "Doom". Dann hat mein Mann mich überredet, "Borderlands 2" zu installieren, ein Koop-Spiel, bei dem man sich zu zweit oder sogar zu viert im Team durch eine postapokalyptische Comicwelt kämpft, schräger Humor inklusive. Borderlands steht jetzt weit oben in meiner ewigen Lieblingsspiele-Liste. Allein hätte ich es vermutlich nie ausprobiert. Zusammen spielen kann auch den Horizont erweitern.

Typischer Dialog: "Es ist zwei Uhr nachts. Eben grad wars doch noch elf."

"Hmm, nur noch kurz zurück in die Stadt und Sachen verkaufen. Dann hören wir auf."

"Okay."

Mit- statt gegeneinander

Es mag Paare geben, die in allen möglichen Sport- und Kampfspielen gegeneinander antreten. Haben wir mal versucht, mit einem Rennspiel auf der Konsole. Das hat aus zwei Gründen nicht funktioniert. 1. Fällt mein Mann in die Kategorie schlechter Verlierer und 2. hat uns das Konzept erst schnell genervt und dann gelangweilt.

Typischer Dialog: "Aaaaaaaaaaaaaah, du hast mich von der Straße abgedrängt!"

"Heulsuse."

Getrennte Rechner

Also, mit ein bisschen Kompromissbereitschaft und wenn man sich sowieso gut versteht, funktionieren Single-Player-Titel auch zu zweit gut. Weil man das Erlebte gleich teilt, wird es sogar noch schöner, ist zumindest meine Meinung. Aber: Gute Koop-Spiele liefern das auch - und jeder hat dabei gleich viel zu tun, am eigenen Rechner.

Wir freuen uns deshalb jetzt schon auf die Fortsetzung von "Divinity: Original Sin", die mit zwei Millionen Dollar über Kickstarter finanziert wurde.

Es gibt einen Markt für diese Titel, auch jenseits meines Haushalts: Liebe Games-Entwickler, macht was draus!

Typischer Dialog "Puh, der Ultimative Kammer Modus ist zu hart."

"Ja, aber alles andere haben wir schon zweimal durch."

"Cheaten?"

insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
Buggybear 25.06.2016
1. Stimmt....
Ich bin auch ein grosser Fan von Koop spielen. Leider sind die guten dünn gesät und die Prioritäten meiner Frau haben sich verschoben. Und mit VR bin ich gespannt, ob da noch was kommt. Typischer Dialog: "Aaaaaah! Was war denn das?" "Kometenschauer. Du sahst aus als wärst Du in Bedrängnis. Hast Du Schaden genommen?"
hemithea 25.06.2016
2. Wie herrlich
Das kommt mir bekannt vor... Wir spielen auch super gerne zusammen... Ob Skyrim, Watchdogs und und und Das sorgen viele Situationen für Lacher und dann erinnert man sich irgendwann mal daran und hat noch einmal die lustige Situation erlebt. Bei uns funktioniert du prima. Und wir wechseln uns ab, damit jeder mal steuern kann. Den größten Spass hatten wir aber bei Trine.. Da kann man herrlich über die eigene Tollpatschigkeit und Unfähigkeit lachen und dann mal aus Spass, den Partner in die Lava schubsen. Wenn beide das Spiel als Spiel sehen, ist es eine tolle gemeinsame Zeit.
stimmvieh_2011 25.06.2016
3. Thema verfehlt!
Bereits vor zwei Jahren gab es Marktforschungsergebnisse, dass inzwischen mehr Frauen als Männer Computer spielen. Der Artikel tut so, als ob es GamerGate nie gegeben hätte und Frauen nicht unter massiven Angriffen von männlichen Videospielern stehen würden, weil sie es wagen, Computerspiele zu spielen. Stattdessen: Wohlfühl-Geschwafel in völliger Ignoranz einer sehr heißen und bedrohlichen Debatte in einem Hobby!
dianaberlin 25.06.2016
4. sexistisch und frauenfeindlich
ich bin leidenschaftliche gamerin, aber nicht um den hasen ausm wald zu retten! meine welt sind shooter und zombies - und ich bin weiß gott nicht allein! im aktuellen the division sind männer zwar in der überzahl, ich spiele da (online) sehr oft mit frauen - und wir sind auf jeden fall die krasseren! also Schluss mit diesem huschi puschi schatzi gehabe, es ist 2016 - wenn ich was mit meinem freund zocke, ist es army of two; es heißt nicht umsonst: this is for the players! und nicht: this is paartherapie
talera 25.06.2016
5. LotRO
Zwei Rechner, zwei Accounts, eine Fernbeziehung - hier geht gemeinsames Spielen halt auch über ein paar hundert Kilometer problemlos. Einige Questen sind halt auch zu zweit deutlich besser zu schaffen als allein. Es ist cool, sich gegenseitig den Rücken freizuhalten!
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