Gamescom in Köln Vielfalt ja, aber...

In Köln hat die größte Spielemesse der Welt begonnen. Zur zehnten Gamescom inszeniert sich die Branche als divers. Doch die Gaming-Welt hat ernsthafte Probleme beim Miteinander im Netz.

Figur aus "Darksiders" auf der Gamescom
DPA

Figur aus "Darksiders" auf der Gamescom

Aus Köln berichtet


Die Gamescom 2018 in Köln setzt auf Diversität, das soll schon das offizielle Magazin der Messe klarmachen. Die Auswahl an Themen und spielbaren Protagonisten in modernen Games sei "riesig", ist zu lesen. Passend zum diesjährigen Messe-Motto "Vielfalt gewinnt" heißt es weiter: "Die große Vielfalt begeistert immer mehr Spieler, unabhängig von ihrer Nationalität, ihrem Alter, Geschlecht oder körperlichen Einschränkungen." Games würden heute von Teams gemacht, deren Mitarbeiter "unterschiedlichste Ursprünge" haben. Und: "Frauen stellen knapp die Hälfte der Spielerschaft."

An all dem ist durchaus etwas dran. Felix Falk, Geschäftsführer des deutschen Branchenverbandes game, sagt, er sei stolz, auf der Gamescom zeigen zu können, "wie vielfältig die Welt der Games ist - gerade in einer Zeit, in der wir in der Gesellschaft eine Tendenz zu Diskriminierung, Rassismus und Ausgrenzung beobachten".

Tatsächlich ist die Gamescom angesichts ihrer Größe, angesichts des Stresses in den teils proppenvollen Hallen eine bemerkenswert friedliche und tolerante Veranstaltung. Cosplayer, die sich wie Spielfiguren verkleiden, haben ebenso ihren Platz wie Hardcore-Zocker, die für einmal Probespielen anstandslos drei Stunden Schlange stehen - genau wie die Fans von YouTubern, die auf eine kurze Umarmung ihres Lieblings-Videomachers lange warten.

Zehn Jahre schlauer

Jahr für Jahr zieht es Hunderttausende junge Menschen auf die Kölner Messe, da ist es vielsagend, dass der größte Skandal ihrer Geschichte ein RTL-Beitrag aus dem Jahr 2011 ist, in dem Gamer pauschal diffamiert wurden.

Diesmal ist mit solchen Beiträgen nicht zu rechnen, Spielen hat in Zeiten der Smartphones und E-Sport-Events in Arenen an Ansehen gewonnen. "Politik, Gesellschaft und Medien verstehen heute besser, wie spannend und wie wichtig Spiele und die Games-Entwicklung sind", sagt Verbandschef Falk. Auch die CSU-Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär, sagte zur Messe-Eröffnung: "Games zu unterstützen, schockt irgendwie niemanden mehr."

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Hits, Klassiker, Kurioses: Games, made in Germany

Belästigungen und Hasskommentare sind Probleme

Nicht leugnen lässt sich aber, dass auch die Gamesbranche, die in Köln mehr als tausend Aussteller aus aller Welt repräsentieren, bei Diversität und Miteinander noch immer Probleme hat, aller Inszenierung zum Trotz.

Unsere Fotostrecke zeigt beispielhaft, was die Branche allein im vergangenen Jahr umtrieb, von Hassattacken auf einen Journalisten bis zur Belästigung von Streamerinnen:

Im Video: Sexismus in der Gamer-Szene

dbate

Gegenüber 2009, dem Jahr der ersten Gamescom in Köln, lässt sich immerhin klar erkennen, dass die Branche Fortschritte bei Diversität macht. So gibt es heute mehr Spiele mit (teils optionalen) weiblichen Protagonisten und generell nur noch wenige neue Titel, in denen Frauen vor allem als Sexobjekte dargestellt werden.

Eine aktuelle Bitkom-Umfrage kommt trotzdem zu dem Ergebnis, dass "sieben von zehn Frauen, die spielen", die Darstellung weiblicher Figuren in Spielen "unangemessen und nicht zeitgemäß" finden - eine Ansicht, die der Befragung zufolge knapp die Hälfte der Männer teilt.

E-Sport ist bislang eine Männerdomäne

Schaut man sich im Umfeld der Gamescom um, ist einer der letzten klar männlich dominierten Bereiche der E-Sport: In den relevanten Spielen konkurrieren hier, wo körperliche Unterschiede anders als beim klassischen Sport keine Rolle spielen, fast ausschließlich Männer um Ruhm und hohe Preisgelder. Bei einem Kongress im Vorfeld der Gamescom über E-Sport, Gaming und das Sportbusiness standen am Montag mehr als 50 Personen auf der Bühne - darunter nur drei Frauen.

Im Video: Profi-Gamerin in China: Zocken als Beruf

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Tipps für Spielefans: Spannende Gaming-Kanäle auf YouTube

Falk vom Branchenverband meint, das Fehlen von Frauen im E-Sport könne mit den Anfangsjahren der Szene zusammenhängen, als sich fast nur Männer für das professionelle Gaming begeisterten: "Wahrscheinlich sehen wir jetzt noch das Ergebnis aus dieser Zeit." Er glaubt aber, dass sich dieser Bereich wandeln wird: "Ähnlich war es schon in der Games-Entwicklung, wo es heute mehr Frauen in den Studios gibt und wo mittlerweile auch immer häufiger Frauen als Zielgruppe in den Fokus rücken."

Zu den Gamern, die im Netz Hass verbreiten oder die sich über Frauenfiguren in Spielen empören, sagt Falk, man dürfe ihre Zahl und Relevanz nicht überschätzen. "Gamer, die sich über Diversität in Spielen aufregen, werden oft viel wortstärker wahrgenommen, als sie wirklich sind." Die große schweigende Mehrheit seien "friedvolle Spieler". Doch auch unter Spielern dürfte gelten: Wenn die Vernünftigen schweigen, bestimmt der Rest den Diskurs.



insgesamt 41 Beiträge
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hirlix 21.08.2018
1. Die wenigsten stört es, wenn Diversität in einem Spiel
groß geschrieben wird. Jedoch muss man dabei genau betrachten um welche Art Spiel es sich handelt. Ich habe noch nie mitbekommen, dass ein Entwickler angegriffen wurde, weil er z.B. Frauen und Farbige in ein vollkommen fiktives Szenario eingefügt hat. Es hat keinen gestört in GTA San Andreas einen Schwarzen zu spielen und ich glaube es würde auch keinen stören in GTA 6 eine Frau zu spielen. In den erfundenen Welten von Rollenspielen interessiert es die Leute eh noch weniger welche Rasse oder Geschlecht die Charaktere haben. Für die Hardcore-Rollenspieler sollte man jedoch für die Immersion die Wahl lassen als was man spielen will. Was die Leute hingegen stört ist, wenn die Entwickler in ein historisches Szenario wie die Westfront im 2. Weltkrieg plötzlich Frauen einbauen, obwohl es durch unzählige Dokumente belegt ist, dass an der Westfront keine Frauen in der kämpfenden Truppe waren. Weder auf Seiten der Alliierten, noch auf Seiten der Achsenmächte. Das ist einfach Diversität mit dem Holzhammer und das stößt den Leuten eben auf.
Fuxx81 21.08.2018
2. Manche legen es einfach drauf an
Zitat von hirlixgroß geschrieben wird. Jedoch muss man dabei genau betrachten um welche Art Spiel es sich handelt. Ich habe noch nie mitbekommen, dass ein Entwickler angegriffen wurde, weil er z.B. Frauen und Farbige in ein vollkommen fiktives Szenario eingefügt hat. Es hat keinen gestört in GTA San Andreas einen Schwarzen zu spielen und ich glaube es würde auch keinen stören in GTA 6 eine Frau zu spielen. In den erfundenen Welten von Rollenspielen interessiert es die Leute eh noch weniger welche Rasse oder Geschlecht die Charaktere haben. Für die Hardcore-Rollenspieler sollte man jedoch für die Immersion die Wahl lassen als was man spielen will. Was die Leute hingegen stört ist, wenn die Entwickler in ein historisches Szenario wie die Westfront im 2. Weltkrieg plötzlich Frauen einbauen, obwohl es durch unzählige Dokumente belegt ist, dass an der Westfront keine Frauen in der kämpfenden Truppe waren. Weder auf Seiten der Alliierten, noch auf Seiten der Achsenmächte. Das ist einfach Diversität mit dem Holzhammer und das stößt den Leuten eben auf.
Ich kann mir auch ehrlich gesagt nicht erklären, warum man ein historisches Szenario wählt, wenn man sich dann nicht an den vorgegebenen Rahmen halten will (und dann auch noch pampig wird, wenn das die Spieler stört). Es gibt tausende von Spielen mit Frauen, Männern, Tieren unterschiedlichster Hautfarbe und sexuellen Orientierung, an denen sich kein Mensch stört, weil es dort nun einmal passt.
AlexanderJäger 21.08.2018
3. E-Sports heißt kompetetives Spielen
Frauen sind Statistische gesehen höher im Persöhnlichkeitsbereich Agreeableness: "The mean percentile for women in a general population (women and men) is 61.5. For men it is 38.5." Ich kenne auch Männer die in Ruhe Zocken wollen und selbst unter Freunden nie gegeneinander antreten wollten, einfach weil sie keinen Spaß daran hatten sich Gegenseitig zu messen. Ich vermute mal um bei Wettkämpfen als E-Sportler an der Spitze zu kämpfen ( oder in einem belibig anderen Kompetetiven Feld wie bsp. Manageretagen ) muss man schon im einstelligen Bereich dafür sein. Da die Kurve für Frauen aber so weit nach Rechts auf dieser Verteilung verschoben ist, wird es wohl nicht mehr viele Frauen geben. Also ja die, die es wollen, spielen jetzt schon, und haben es schon immer. Das es mehr werden wage ich zu bezweifeln, und das hat Biologische Ursprünge und hat nichts mit "Toxischen Gamern" zu tun. ( Ich als Gamer hatte noch nie etwas dagegen wenn irgendjemand in meine Community kam, dem es wirklich nur ums Spiel ging. Auffällig war nur, das gerade diejenigen denen es eigentlich nicht ums Spiel ging, sondern die nur Teil der Hippen Community sein wollten, die ersten waren die Sachen wie diversity ins Spiel brachten )
fatal.justice 21.08.2018
4. Käse.
Dass die fesselnde Gaming-Szene eher ein maskulines Sammelsurium ist, als feminin, ist doch nicht die allerneuste Nachricht. Alleine, wenn man durchzählt, wie viele Bekloppte männlichen Geschlechts durch die Psychatrien des Landes betreut werden, ist klar, welche Chromosomenpaarung anfälliger ist, Abschied von jeglicher Realität zu nehmen. Statistisch gesehen...
SeanFold 21.08.2018
5.
Zu dem RTL-Beitrag ist anzumerken, dass dieser mitunter ein Grund war, weshalb sich ein guter Teil der Zielgruppe des betroffenen Senders von diesem abwandte. Gaming war nämlich schon damals nicht nur beliebt und anerkannt, nur wurde es noch von gewissen Medien von oben herab als Randerscheinung von Spinnern betrachtet. Das hat sich noch immer nicht vollends geändert. Was stimmt, ist, dass eine widerliche Brutalität in der Sprache herrscht und diese bislang auch nicht zu bändigen ist.
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