Kölner Messe: Die interessantesten Gamescom-Spiele

Von , Köln

Es müssen ja nicht immer Kriegs-Shooter sein. Die Kölner Gamescom hat abseits der üblichen Serien-Fortsetzungen eine Reihe echter Highlights zu bieten - vom virtuellen Gitarrenlehrer bis hin zum emotional berührenden Alkoholismus-Drama. Fünf Titel, die einen zweiten Blick lohnen.

Natürlich ist das Übliche reichlich vertreten. "Call of Duty" und "Battlefield", "Fifa" und "Pro Evolution Soccer", neue "Assassin's Creed"-Spiele für Wohnzimmerkonsole und Playstation Vita, ein "Hitman", ein neues "Skylanders"-Spiel ("Giants") und zahllose Free2Play-Titel von "Warface" bis "Planetside 2".

Die Kölner Gamescom hat aber auch andere Titel zu bieten, Spiele mit neuen Ideen, einer Optik, die selbst inmitten all der Grafikpracht noch herausragt oder einer emotionalen Thematik, wie man sie bislang in Videospielen nicht kannte.

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Fürchten und schießen: Neue Spiele auf der Gamescom
Hier fünf Highlights abseits des Mainstreams:

"Papo & Yo"

Dieser Titel ist anders als alle anderen Spiele, die es auf der Kölner Messe zu sehen gibt. "Papo & Yo" ist ein echtes Autorenspiel, eines, das womöglich einlösen kann, was die Branche seit langem verspricht: Titel, die den Spieler emotional ergreifen können. Der Entwickler, Vander Caballero, hat früher für den Riesen Electronic Arts gearbeitet, hat an typischen, oft brutalen Großprojekten wie "Army of Two" mitgewirkt.

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Sony Computer Entertainment

Dann hatte er keine Lust mehr und machte sich selbständig. Schon der Name seines Unternehmens ist demonstrativ: Minority Media. Das Minderheitenspiel, das Caballero in Köln vorstellt, ist ein extrem persönliches: Es handelt von einem kleinen Jungen, der vor einem furchteinflößenden Monster flieht, das Monster aber auch pflegen und beschützen muss. Das Monster steht für den gewalttätigen, alkoholabhängigen Vater des kleinen Jungen - die Inspiration stammt aus Caballeros eigener Kindheit.

Das Monster ist freundlich, wenn es nüchtern ist, sonst aber höchst gefährlich. "In Spielen ist es sonst immer so, dass die einen klar gut und die anderen klar böse sind", sagt Cabellero, "aber so ist die Welt nicht". Man soll das Monster im Laufe des Spieles lieben und fürchten lernen. Vorführen will Caballero die Begegnungen mit dem Biest auf der Messe lieber nicht: "Sie müssen das Spiel von Anfang bis Ende spielen und dabei diese zwiespältige emotionale Beziehung zu ihm entwickeln", sagt er.

Das Gameplay, das man vor Ort ausprobieren kann, ist jedenfalls zauberhaft: Der Junge durchstreift eine seltsame, leere Welt mit kleinen Ziegeldachhäuschen, löst Rätsel, indem er Gebäude verschiebt oder Treppen erscheinen lässt. Die emotionale Wucht, die das Spiel Caballero zufolge entfalten kann, lässt sich aus diesen Szenen nicht ablesen. Er selbst sagt aber: "Spieler, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie ich, haben beim Spielen geweint."

"Papo & Yo, für Playstation 3 (Download, 15 Euro)

"Rayman Legends" für Wii U

Nintendo ist auf der Messe nicht vertreten, wer die neue Konsole Wii U ausprobieren will, ist auf die Angebote von Drittherstellern angewiesen. Das hübscheste Spiel für die Wii U präsentiert Ubisoft: "Rayman Legends" erinnert auf den ersten Blick stark an den Vorgängertitel "Rayman Origins": Rennen und Hüpfen in einer irren, äußerst farbenfrohen 2-D-Welt.

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Ubisoft

"Legends" aber bringt den Tablet-Controller von Nintendos neuer Konsole in gekonnter Weise zum Einsatz: Der Spieler, der das Tablet in der Hand hat, steuert einen fliegenden Frosch namens Murphy, der den übrigen Spielern, die über den großen Bildschirm rasen, den Weg bahnen muss. Er schaltet Gegner aus, durchschneidet Seile, um baumelnde Plattformen zugänglich zu machen, stupst rhythmisch in sich öffnende, drohend dreinblickende Augen, oder dreht riesige Räder, mit Hilfe der Lagesensoren des Tablets.

Ungewohnt ist, dass der Spieler, der den Frosch steuert, fast immer auf den kleinen Touchscreen des Tablets blicken muss, während sich der Rest des Geschehens auf dem TV-Gerät abspielt. Dafür ist der fliegende Frosch unbesieg-, und für die übrigen Spieler auch unverzichtbar. Besonders die musikalischen Level, in denen all das Gerenne und Gehüpfe im richtigen Takt passieren muss, sorgen für gute Laune: Fachjournalisten, die beim Spielen immer wieder laut Lachen, sieht man bei der Gamescom sonst eher selten.

"Rayman Legends" für Wii U, zum Konsolenstart im Herbst verfügbar

"Dishonored"

Die Werbeplakate für den First-Person-Titel von Bethesda ("Skyrim", " Fallout") sehen furchteinflößend aus: Ein düsterer Rächer mit Totenkopfmaske, in den Händen ein langes Messer und eine Pistole. "Dishonored" lässt sich trotz der martialischen Präsentation gewaltfrei spielen: In dem bei der Messe durchzuspielenden Level ist eine von drei Frauen bei einem dekadenten, barock anmutenden Maskenball zu identifizieren und auszuschalten.

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Bethesda

Das allerdings lässt sich auch erledigen, indem man sie von dem Mann, der sie liebt, einsammeln und abtransportieren lässt. Angeblich lässt sich die ganze Geschichte gewaltfrei durchspielen, trotz der gruseligen Aufmachung ihres Protagonisten. Bewaffnet ist der Held nicht nur mit Pistole und Messer, sondern auch mit diversen magischen Fähigkeiten. Er kann etwa die Zeit anhalten oder vorübergehend von den überhall herumwimmelnden Ratten Besitz ergreifen. Sehenswert ist die Welt, in der "Dishonored" angesiedelt ist: Ein Paralleluniversum mit dekadenter Aristokratie, barocker Architektur und seltsamer Technologie, etwa auf langen Spinnenbeinen einherstaksenden Wachrobotern namens "Tallboys".

"Dishonored" für Playstation 3, Xbox 360 und PC, Oktober 2012.

"Star Wars 1313"

Noch ein "Star Wars"-Spiel? Reicht es nicht langsam? Tatsächlich hat man das Gefühl, dass George Lucas' Universum inzwischen ziemlich ausgereizt ist. "1313" aber könnte womöglich wirklich anders sein: Es spielt tief unter der Oberfläche des Stadtplaneten Coruscant, den man aus den jüngeren "Star Wars"-Filmen kennt.

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Lucas Arts

Dort unten hausen Bounty Hunter, Kriminelle und andere zwielichtige Gestalten, das übliche Schwarz-Weiß des "Star Wars"- Universums löse sich dort in Schattierungen von grau auf, verspricht LucasArts. Das Gameplay erinnert an Titel wie die der "Uncharted"-Reihe: 3rd-Person, Schieß-Sequenzen, atemberaubende Cutscenes und dramatische Kletter-Einlagen - im bei der Messe demonstrierten Abschnitt an den Überresten eines Raumschiffs, das brennend den Schacht hinunter zum 1313. Kellergeschoss unter der Riesenstadt hinabstürzt.

Was man von dem Spiel bislang zu sehen bekommt, ist eindrucksvoll: Grafisch reicht der Titel, der auf einem Highend-PC vorgeführt wird, deutlich über das hinaus, was die Konsolen der aktuellen Generation leisten. Entsprechend wird "1313" von Activision unter der Hand auch als Next-Generation-Titel annonciert, bestätigt ist bisher aber nur eine PC-Version. Kaufen können wird man das Spiel vermutlich erst, wenn Sony und Microsoft ihre neue Konsolengeneration auf den Markt bringen.

"Rocksmith"

Ist das eigentlich noch ein Spiel? Oder schon ein Lernprogramm? "Rocksmith" tut das, was Spiele wie "Guitar Hero" nur vortäuschten: Das Spiel soll dem Benutzer das Gitarrespielen beibringen. Man kann es entweder mit einer echten E-Gitarre als Controller kaufen, die via USB an Rechner oder Konsole angeschlossen wird, oder eine beliebige E-Gitarre mit dem üblichen Klinkensteckeranschluss einsetzen.

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AP/ Ubisoft Entertainment

Das Spiel enthält über Dutzende Songs zum Mitspielen, von David Bowie bis zu den White Stripes, von den Stones bis zu den Strokes. Der Schwierigkeitsgrad soll sich dem Können des Spielers/Musikers nahtlos anpassen: Wer die Töne in einer einfacheren Spielstufe trifft, dem werden mehr Noten zum Spielen gegeben, schwierigere Aufgaben gestellt. In Minispielen werden mit gezielten Saitenanschlägen etwa heranfliegende Pixel-Gegner abgeschossen - "Space Invaders" statt Skalentraining.

Die Software vermittelt Gitarren-Grundlagen, aber auch komplizierte Soli, Slide- und Akkordtechnik. Eingebaut ist nicht nur ein Stimmgerät, sondern auch eine Vielzahl von digital umgesetzten Marken-Effektpedalen, so dass der Spieler sich seinen eigenen Sound ganz nach Wunsch zusammenbasteln kann - und bei Bedarf das Original-Pedal für den echten Gitarrenverstärker erwerben. Nur Aufnehmen kann man mit "Rocksmith" nichts. "Wissen Sie, 'Garage Band' fürs iPad gibt es für fünf Euro, das hätten wir auch nicht besser machen können", sagt einer der Entwickler bei der Demonstration. In den USA ist der digitale Gitarrenunterreicht für Spielkonsolen bereits verfügbar, im Herbst kommt er auch nach Europa, für Konsole und PC.

"Rocksmith" für Xbox 360, Playstation 3 und PC, ab September/Oktober 2012, ca. 70 bis 86 Euro inklusive Gitarrenkabel.

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insgesamt 15 Beiträge
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1.
simba00 18.08.2012
Zitat von sysopSony Computer EntertainmentEs müssen ja nicht immer Kriegsshooter sein. Die Kölner Gamescom hat abseits der üblichen Serien-Fortsetzungen eine Reihe echter Highlights zu bieten - vom virtuellen Gitarrenlehrer bis hin zum emotional berührenden Alkoholismus-Drama. Fünf Titel, die einen zweiten Blick lohnen. http://www.spiegel.de/netzwelt/games/0,1518,850616,00.html
wovon mit Papa&Yo dann nur einer dieser Ankündigung genügt und es spätestens mit Star Wars zur Farce wird.
2. liest sich gut
RudiLeuchtenbrink 18.08.2012
habe mir die Termine vorgemerkt
3. optional
Kaygeebee 18.08.2012
Wirklich neue Spiele und Konzepte sind nach wie vor eine Seltenheit. Und wenn es kein Nachfolger ist, dann ist es eine Neuauflage (Doom 3 BFG, Rayman). Originelle Spiele musste man bei den kleineren Entwicklern suchen, bei den Ständen von Ubisoft, EA und Activision (den größten Entwicklern/Publishern) war kaum etwas wirklich neues zu entdecken. Die Spieleindustrie ist wie Hollywood: bewährte Konzepte (bewehrte Story mit bekannten Schauspielern) bekommen Budgets im dreistelligen Millionenbereich. Originelle Spiele fristen ein Nischendasein im F2P Bereich und erreichen bei weitem nicht die Medienaufmerksamtkeit wie die großen Blockbuster. Die GC hat mir gestern aber wieder viel Spaß gemacht. Ironischerweise hatte ich den meisten Spaß in der Retro Ecke, wo alte Spielekonsolen und Arcadespiele rumstanden. Keine Schlangen, gemütliche Beanbag Sessel, hinsetzen, losspielen und in Kindheitserinnerungen schwelgen ;-)
4. optional
karaokefreak01 18.08.2012
Nuja, neu ist die Idee von RockSmith ja nicht. Schon seit 2 Jahren gibt es "Rock Band 3", da wird auch authentisches Gitarrenspiel vermittelt, inklusive Tutorials - also nix mit Knöpfchendrücken, echte Akkorde, slides , Powerchords usw.. und man lernt damit übliche Tabulatur-Schrift zu lesen, was RockSmith leider nicht vermittelt.
5. Papo & Yo
dick_&_durstig 18.08.2012
Hört sich fast an wie eine Adaption von Myst.Myst (http://de.wikipedia.org/wiki/Myst)
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