Geknackte Bewegungssteuerung: Microsoft-Manager verspricht Hackern freie Bahn
Per Fingerzeig steuern sie Roboter und projizierte Handpuppen oder malen 3D-Grafiken im freien Raum: Hacker zweckendfremden Microsofts Bewegungssteuerung Kinect für geniale Experimente. Den Konzern freut's inzwischen. Microsoft-Manager erklären, die Tüftler hätten nichts zu befürchten.
Das ging schnell: Gut zwei Wochen ist Microsofts Spielkonsolen-Steuerung Kinect gerade mal im US-Handel und schon haben Hacker die Bewegungssteuerung zweckentfremdet. Statt Sport- und andere Fuchtelspiele mit Bewegungen vor der Konsolenkamera zu steuern, dirigiert die modifizierte Hardware Roboter-Staubsauger oder in den Raum projizierte Puppen.
Erlaubt Microsoft so viel Kreativität? Zunächst reagierte der Konzern ungehalten, ein Unternehmenssprecher teilte mit: "Microsoft duldet die Modifikation seiner Produkte nicht." In Kinect sei "eine Vielzahl von Hard- und Software-Schutzmechanismen" eingebaut, die einen Missbrauch verhindern könnten. Man arbeite "eng mit den Strafverfolgungsbehörden" zusammen, um Kinect weiterhin vor "Herumpfuscherei" zu bewahren.
Nun die Kehrtwende: In einem Gespräch mit dem US-Sender " National Public Radio" (NPR) erklären zwei Microsoft-Manager, Kinect-Hacker hätten nichts zu befürchten. Alex Kipman, bei Microsoft für die Xbox-Entwicklung mitverantwortlich, fällt dem Moderator auf die Frage nach Kinect-Hacks ins Wort, um zu erklären, man sehe das alles gar nicht als Hack: "Das würde bedeuten, dass jemand ein Gerät zwischen Sensor und Xbox geschmuggelt hat, um zu betrügen. Das ist nicht passiert."
Kipmans Aussagen klingen, als hätte Microsoft den Hackern die Arbeit bei der Bewegungssteuerung absichtlich einfach gemacht. Man habe den Zugriff auf das Kamerasystem über den USB-Anschluss ganz bewusst nicht geschützt, erklärt Kipman. Und ja, man habe gewusst, dass Menschen das ausnutzen würden. Kipmans Antwort auf die Frage, ob Microsoft ein Problem damit habe, dass Hacker mit eigenen Treibern das Kinect-System zweckentfremden: "Nein, überhaupt nicht." Seine Kollegin Shannon Loftis, Managerin des Microsoft Game Studios, stimmt zu und schmeichelt den Kinect-Hackern: "Ich freue mich, dass Kinect die Menschen so begeistert."
Projizierte Handpuppen, Staubsauger-Roboter und Zeichenprogramme - die schönsten Fuchtelsteuerungs-Projekte der Kinect-Hacker.
- 1. Teil: Microsoft-Manager verspricht Hackern freie Bahn
- 2. Teil: Die projizierte Handpuppe
- 3. Teil: Staubsauger-Roboter per Fingerzeig steuern
- 4. Teil: Berührungsempfindliche Projektionen
- 5. Teil: Computer erkennt Giraffen
- 6. Teil: Raumgreifende Malerei
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- Samstag, 20.11.2010 – 14:31 Uhr
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- Spiegel Online: Wiimote-Hack
- YouTube: Multitouch-Interface mit Kinect
- Netzticker 09112010 #11
- Adafruit: Hack-Aufruf
- Oliver Kreylos' Homepage an der UC Davis
- Hector Martins Kinect-Treiber
- Microsoft-Manger im "National Public Radio"
- James Patten
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