Horrorspiel "Deadly Premonition Director's Cut": Technisches Unvermögen und verzauberte Stimmung
Dieses Spiel dürfte es eigentlich gar nicht geben: Die Grafik ist dürftig, die Animation ungelenk, der Aufbau komplex und verwirrend, die Steuerung störrisch. Und trotzdem existiert es. Ein Glücksfall.
"Mein Kaffee hat es mir gesagt," ist ein Satz, der in "Deadly Premonition" öfter fällt. FBI-Agent Francis York Morgan ist von Kaffee abhängig. Nicht nur vom Koffein, sondern auch von dem, was er beim Rühren in der Tasse entdeckt. Zum Beispiel, dass sich sein Schicksal in Greenvale ändern wird, einem kleinen Ort im Bundesstaat Washington, wohin er geschickt wurde, um einen Mord aufzuklären. Anna, eine junge Frau, wurde grausam getötet, ihre Leiche gekreuzigt an einem Baum zur Schau gestellt. Der Regenmantelmörder hat wieder zugeschlagen.
"Deadly Premonition" ist ein Spiel, das es gar nicht geben dürfte, schon gar nicht in einer überarbeiteten Version, einem "Director's Cut" für die Playstation 3. Kaum etwas an ihm erinnert daran, dass es 2013 ist. Es kommt mit einer Grafik daher, die ich schon auf der Playstation 2 besser gesehen habe, mit Animationen, die ungelenk sind, und zeigt Gesichter, in denen sich nichts bewegt. Die Steuerung ist störrisch, der Aufbau unnötig komplex. Und doch existiert es. Ein Glücksfall.
Auch, weil der "Director's Cut" das fragile Gleichgewicht zwischen technischem Unvermögen und verzauberter Stimmung beibehält und nicht versucht, etwas zu verschlimmbessern. Lediglich grobe Fehler sind geändert worden, einige Zwischensequenzen hinzugekommen. "Deadly Premonition" ist immer noch eine Perle für Spieler, die sich darauf einlassen können, mit Agent York durch Greenvale zu ziehen.
Kampf gegen Untote - und bloß nicht vergessen zu tanken
Erst einmal muss man dort lebend ankommen. Nach einem Gespräch mit seinem imaginären Freund Zach setzt York nämlich erst einmal das Auto in den Wald. ER entkommt nur knapp einer Ansammlung untoter Wesen, gegen die er sich mit Pistole und Brechstange durchsetzen muss. Es ist nicht das letzte Mal.
Doch wer "Deadly Premonition" jetzt in die "Silent Hill"-Ecke schiebt, sieht sich schnell getäuscht. Angekommen in der Stadt, heißt es erst einmal: mit den Bewohnern sprechen, es sich durch Besserwisserei mit dem Sheriff verderben, Tatort und Leiche untersuchen. Und darüber essen und schlafen nicht vergessen. Agent Morgan kann der Ladenbesitzerin helfen, das Lager zu sortieren, auf einem Schrottplatz Tuningteile für sein Auto suchen. Oder einfach mit Autos durch die Gegend fahren - tanken nicht vergessen, sonst bleibt man irgendwo liegen und hat einen langen Fußweg vor sich. Das Spiel steckt voller Möglichkeiten, so dass man leicht die Orientierung verlieren kann.
Der Schöpfer von "Deadly Premonition" ist der Japaner Hidetaka Suehiro, der sich auch SWERY nennt. Er wirkt wie ein Mensch, der eine großartige Vision hat, aber weder das Werkzeug noch das Können besitzt, sie perfekt umzusetzen. So hat er ein Spiel geschaffen, das erst im Kopf der Spieler seine richtige Form annimmt. Und das gerade deshalb gut ist.
In den Vogelnestern liegen menschliche Knochen
Suehiro zeigt seine Liebe für "Twin Peaks" und "Silent Hill" in diesem Spiel, würzt es mit "Animal Crossing"-artigen Tagesaufgaben. Die verwirrte Dame mit dem Kochtopf einsammeln und nach Hause bringen, im Laden schauen, ob etwas zu tun ist, das Diner aufsuchen und die Speisen ausgiebig loben und immer wieder die Gegend nach Belohnungen absuchen.
"Deadly Premonition" funktioniert aber nur dann gut, wenn man bereit ist, sich auf seinen Rhythmus einzulassen. Wenn man es schafft, die Tage im Spiel sinnvoll zu gestalten. Und so die Zeit zwischen Mittagessen und dem abendlichen Treffen mit der Informantin mit eigenen Unternehmungen zu füllen. Man könnte zum Beispiel fischen gehen. Herausfinden, warum rund um den Friedhof Vogelnester mit menschlichen Knochen gefüllt sind. Sich schlafen legen und vielleicht wieder von den Zwillingen träumen, die mysteriöse Hinweise auf das Geschehen im Ort geben. Oder einfach noch einen Kaffee trinken und schauen, was sich aus ihm herauslesen lässt.
"Deadly Premonition: Director's Cut" von Rising Star Games, für Playstation 3, ca. 35 Euro; USK: Ab 18 Jahren
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- Carsten Görig liebt obskure Bands, seine Gitarre und seine Familie. Seit vielen Jahren schreibt er außerdem über Videospiele.

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