"Heroes of Warcraft" Blizzard bringt Gratisspiel auf den Markt

Die Welt von Warcraft gibt's bald kostenlos, allerdings nicht im Online-Rollenspiel-Dauerbrenner "World of Warcraft", sondern in einem Strategiekartenspiel. "Hearthstone" dürfte das Free-to-play-Modell endgültig salonfähig machen - und die Branche womöglich verändern.

Blizzard

Große Spielepublisher wie Ubisoft und Crytek setzen längst auf Free-to-play-Titel (Free2play) - nun zieht der Branchenriese Blizzard nach. Auf der Spielemesse PAX East 2013 stellte Blizzard-Vizepräsident Rob Pardo das Online-Sammelkartenspiel "Hearthstone" vor, das noch dieses Jahr für PC und Mac erscheinen und kostenlos spielbar sein soll. Eine iPad-Version folgt später; eine Android-Portierung schließt Pardo nicht aus. Die Beta-Phase startet im Sommer, auf der offiziellen Webseite können sich Interessierte dafür anmelden.

Der 1991 als Silicon & Synapse gegründete, 1994 in Blizzard Entertainment umbenannte US-Entwickler hat Marken erschaffen, die in ihrem Genre Maßstäbe gesetzt und sich weltweit millionenfach verkauft haben: die Strategieserien "Warcraft" und "Starcraft", das Jäger-und-Sammler-Spiel "Diablo" sowie das einsam den Markt dominierende Abo-Online-Rollenspiel "World of Warcraft" ("WoW"). Und jetzt ein Sammelkartenspiel, obendrein kostenlos? Das enttäuscht so manchen Blizzard-Fan, der sich eher ein "Warcraft 4" gewünscht hätte.

Die Mittagspause im "Warcraft"-Universum verbringen

Das Spielkonzept von "Hearthstone" orientiert sich an vergleichbaren Titeln wie "Magic: The Gathering", lädt zur schnellen Runde in der Mittagspause ein. Man schnappt sich einen von neun Helden, darunter Klassen wie Druide oder Krieger, sammelt Karten und misst sich mit anderen Spielern. Der Fokus liegt auf Kämpfen zwischen zwei Kontrahenten, organisiert über Blizzards Online-Plattform battle.net. Der Einstieg wird Neulingen leicht gemacht, dennoch locken strategische Möglichkeiten.

"Hearthstone" finanziert sich vor allem über den Verkauf virtueller Karten-Packs mit jeweils fünf Karten, die laut Pardo vermutlich rund einen US-Dollar kosten werden. Aus 300 verschiedenen Karten baut sich der Spieler eigene Decks, mit denen er gegen die Online-Konkurrenten antritt. Nicht nur Figuren, Kreaturen und Zauber werden aus der "Warcraft"-Welt übernommen, auch das Entzaubern und "Craften" kennt man bereits aus "WoW": Sollte man eine Karte doppelt haben, kann man diese zu Asche verarbeiten und daraus neue Karten anfertigen. Virtuell, versteht sich.

"Warcraft"-Design, taktische Tiefe

Zuständig für das Free2play-Projekt ist das "Team 5", wie die 15 "Hearthstone"-Entwickler intern genannt werden. Das ist für Blizzard-Verhältnisse bescheiden. "Bisher hatten alle unsere Spiele Teams von mindestens 50 Personen und Entwicklungszyklen von einigen Jahren", erklärt Pardo in einem Entwicklervideo. "Wir wollten wissen, ob wir ein Spiel entwickeln können, das zwar episch, aber in seinem Umfang viel kleiner ist. Wir wollten uns selbst beweisen, dass wir zu den alten Garagenprogrammierer-Zeiten zurückgehen können und etwas richtig Spaßiges schaffen können."

Glaubt man denjenigen, die "Hearthstone" bereits spielen konnten, ist ihnen das gelungen. Wolfgang Fischer etwa, Redaktionsleiter beim Computec-Verlag, schwärmt vom "Warcraft"-typischen Design und der taktischen Tiefe.

An Free-to-play kommt niemand mehr vorbei - selbst Blizzard nicht

Auf den ersten Blick erscheint es ungewöhnlich, dass Blizzard auf den Free2play-Zug aufspringt. Noch 2012 hatte das Unternehmen erklärt, man werde an der Vollpreis-Strategie festhalten. Schließlich kaufen immer noch Millionen Spieler aktuelle Blizzard-Werke wie die "Starcraft 2"-Erweiterung "Heart of the Swarm", hat "WoW" immer noch respektable neun Millionen Abonnenten, die jeden Monat 13 Euro zahlen. Allerdings gingen die Zahlen seit dem Höhepunkt Ende 2010 (über zwölf Millionen Spieler) kontinuierlich nach unten.

Selbst der Brancheninnovator muss sich dem veränderten Spielemarkt anpassen, der längst nicht mehr von den Hardcore-Gamern dominiert wird. Allein in Deutschland spielten 2012 laut dem Bundesverband BIU 14 Millionen Menschen Online- und Browserspiele, waren noch mehr Konsumenten als 2011 bereit, für zusätzliche Spielinhalte Geld zu bezahlen. Da ist die Ankündigung einer iPad-Umsetzung von "Hearthstone" nur konsequent. Blizzard macht also ernst: Pardo hat in einem Interview mit dem Branchenmagazin gamesindustry.biz angekündigt, dass man auch in Zukunft auf Free2play setzen wird.

Es ist dem Unternehmen zuzutrauen, mit "Hearthstone" erfolgreich in diesen Markt einzusteigen. "Pay2win" - also regelmäßiges Kaufen von Kartenpaketen, um konkurrenzfähig zu bleiben - soll es laut Blizzard aber nicht geben. Jeder werde auch ohne jegliche Extrakosten und nur durch Zeitinvestition spürbare Fortschritte erzielen können. Hält "Hearthstone" dann am Ende noch den Blizzard-Qualitätsstandard, werden die Konsumenten vielleicht auch für Extras zahlen.

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insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
ohnefleiߟkeinpreis 11.04.2013
1. optional
Zu dem Artikel fällt mir nur eins ein: Unnötig.... Der Spiegel ist eine NACHRICHTENzeitung/Website, keine PC-Games oder Gamestar, also bitte Schuster bleib bei deinen Leisten...
Tahlos 11.04.2013
2. Blizzard
ist in diesen Dingen schon länger kein Vorreiter mehr und die Fehlentscheidungen gerade mit Diablo 3 sind inzwischen legendär. Warum sollte das nun bei einem Kartenspiel anders sein. Schön das es "free-to-play" ist - allerdings - WER interessiert sich für dieses Genre und wie wird es umgesetzt? Das Schlagwort "free-to-play" hat viele Variationen, von denen die meisten unfair für den Nichtzahlenden Spieler sind. Aber das ist den Entwickler aus Kostengründen ohnehin egal
twan 11.04.2013
3.
Zitat von ohnefleiߟkeinpreisZu dem Artikel fällt mir nur eins ein: Unnötig.... Der Spiegel ist eine NACHRICHTENzeitung/Website, keine PC-Games oder Gamestar, also bitte Schuster bleib bei deinen Leisten...
Jaja. Spiegel ist ein Magazin, keine Zeitung. SPON ist etwas ganz anderes mit eigener Redaktion. Ich habe den Artikel gerne gelesen.
Fin_ 11.04.2013
4.
Naja Sammelkartenspiel mit Booster Packs verfehlt meine Vorstellung von Free to play schon ein ganzes Stück... @ohne Fleiß: Einfach die Rubrik Netzwelt ignorieren, dann ersparen Sie sich Ärger...
Tobsen666 11.04.2013
5.
Zitat von ohnefleiߟkeinpreisZu dem Artikel fällt mir nur eins ein: Unnötig.... Der Spiegel ist eine NACHRICHTENzeitung/Website, keine PC-Games oder Gamestar, also bitte Schuster bleib bei deinen Leisten...
Einfach nicht lesen, wenn es nicht interessiert?! Mehr fällt mir zu diesem Post nicht ein :/
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