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Kostenlose Simulation Möbelaufbauen ist auch im Spiel kein Spaß

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Man könnte meinen, jede absurde Simulation sei bereits programmiert worden - es gibt einen Ziegen-, einen Chirurgen- und sogar einen Bergsimulator. Jetzt ist ein Spiel erschienen, in dem man Discounter-Möbel aufbauen muss. Damit kann jeder zum Idioten werden.

Selbst wer besonders gern Einrichtungsgegenstände zusammenschraubt, sollte die Simulation "Höme Improvisåtion" vielleicht lieber nicht ausprobieren. Das Browser-Spiel hat das Potenzial, selbst die talentiertesten Handwerker wie Idioten dastehen zu lassen.

Die Umgebung des kostenlosen Spiels, das man auch herunterladen kann, ist ein etwas steriles Zimmer mit Parkettboden. Als Erstes muss der Spieler eine Tischplatte und vier Tischbeine zusammenbauen. Keine schwere Aufgabe, wenn man seine Hände verwenden könnte. In der Simulation muss sich der Spieler aber mit der Maus, einigen Tastaturtasten oder einigen Gamepad-Buttons zufriedengeben.

Der Spieler kann die Möbelteile in alle Richtungen drehen. Allerdings stehen ihm dazu nur zwei Drehachsen zur Verfügung, was sich in der 3D-Umgebung als besonders unpraktisch erweist. Wer es schafft, nervenstarke Freunde oder Familienmitglieder für das Spiel zu begeistern, kann noch bis zu drei Xbox-360-Controller anschließen und sich zu viert der Geduldsprobe stellen.

Als zweites Möbelstück wird dem Spieler eine neunteilige Lampe vorgesetzt. Wie die Teile der Lampe zusammengehören, muss er selbst herausfinden. Eine Anleitung gibt es nicht - die sei verloren gegangen, heißt es im Erklärtext zum Spiel.

Spätestens an dieser Stelle mag man sich fragen, warum man überhaupt mühsam Möbel aufbauen sollte, wenn sie beim Schließen des Browserfensters wieder verschwinden. Wer seinem Frust Luft machen will, kann immerhin die bauchige Vase neben dem Sofa durch den Raum werfen und so die Sofakissen durcheinanderbringen.

Die knifflige Simulation entstand im Rahmen des Global Game Jams 2015, einem Programmierwettbewerb, bei dem sich Ende Januar Entwickler auf der ganzen Welt der Aufgabe stellten, in 48 Stunden ein Spiel zu entwickeln. Ob "Höme Improvisåtion", das im amerikanischen Atlanta entstand, noch weiter ausgebaut wird, ist offen.

Im Internet haben Tester bereits den Vorschlag gemacht, Ikea könnte einen weiteren Ausbau des Spiels finanzieren - schließlich erinnern die Produkte schon jetzt an Pendants aus dem schwedischen Möbelhaus.

Ob sich Ikea damit aber einen Gefallen tun würde, ist zweifelhaft - Lust auf Heimwerken macht "Höme Improvisåtion" nicht gerade. Ganz sicher hilft die Simulation aber selbst den Ungeschicktesten unter den Spielern dabei, ihre Hände und Finger neu zu schätzen lernen.

Kuriose Spiele: Diese Simulationen gibt es wirklich
Octodad: Dadliest Catch

Bis zu vier Spieler gleichzeitig können im Computer- und Playstation-4-Spiel "Octodad" den Alltag eines Oktopus nacherleben, der heimlich unter Menschen lebt. Man heiratet, geht in den Supermarkt, grillt Burger oder besucht ein Aquarium. Was simpel klingt, endet schnell im Chaos, denn es ist nicht leicht, die Beine und Arme der Hauptfigur zu kontrollieren. Ein Spiel, bei dem sogar das Zuschauen Spaß macht.

Mountain

Es ist eine Einstellungssache, ob man "Mountain" überhaupt als Spiel sieht: Die App für Computer, iOS und Android simuliert den Alltag eines Berges. Als Spieler kann man zuschauen, wie sich das Wetter ändert oder wie nach und nach Objekte aus dem All auf den Hängen landen. Manchmal meldet sich der Berg auch mit Botschaften wie "Ich bin voller Steine, Dreck und Liebe". Ein Spiel, das faszinierender ist, als es klingt. Einen Artikel zu "Mountain" finden Sie hier.

Goat Simulator

Menschen verjagen, eine Tankstelle zur Explosion bringen: In diesem Spiel übernimmt der Spieler eine Ziege, mit der er nach Herzenslust Unruhe stiften darf. Eigentlich war der "Goat Simulator" das Scherzprojekt eines schwedischen Studios, doch letztlich ist daraus ein Kaufspiel für Computer und iOS- und Android-Geräte geworden. Kein bisschen realistisch, aber sehr unterhaltsam. Einen Test zum Spiel finden Sie hier.

Surgeon Simulator

In diesem Computerspiel schlüpft man in die Rolle eines Chirurgen – und das kann nur schiefgehen. Die Bewegungssteuerung des Spiels ist so unpräzise, dass die geforderten Operationen eigentlich gar nicht gelingen können. Mal spritzt einfach nur Blut, mal verliert man ein Werkzeug im Körper des Patienten. In der überarbeiteten Playstation-4-Version von "Surgeon Simulator" können sogar zwei Spieler gleichzeitig operieren – was noch mehr Chaos bedeutet.

Noodle Feeling

Bei Programmierwettbewerben wie dem Global Game Jam und dem Ludum Dare entstehen regelmäßig kuriose Simulatoren. Ein Beispiel ist "Noodle Feeling", ein Ludum-Dare-Beitrag aus dem Sommer 2014. In diesem Spiel schlängelt man sich als Nudel zwischen Eierscheiben hindurch. Ein typischer Nutzerkommentar lautet: "Ich habe keine Ahnung, was ich machen soll, aber es macht verdammt viel Spaß." Zur Nudel werden können Sie hier, dabei wird der Unity Web Player vorausgesetzt.

Among the Sleep

Dieses Computerspiel startet als Baby-Simulation, wandelt sich aber schnell zum Horrortrip. In der Rolle und aus der Perspektive eines Zweijährigen stolpert und krabbelt man nachts durch ein Haus. Es ist eine neue Spielerfahrung, selbst zum Verwenden einer Türklinke zu klein zu sein. Hinter jeder Ecke wähnt der Spieler Einbrecher, Monster oder andere ungebetene Gäste. Einen Test zu "Among the Sleep" lesen Sie hier.

4 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
alexanderschleissinger 31.01.2015
exHotelmanager 31.01.2015
querulant_99 31.01.2015
oil.domi1 01.02.2015

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