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"Starcraft II"-Turnier: Eine Million schaut auf Krefeld

Von Niklas Weith, Krefeld

E-Sport: Profi-"StarCraft"-Turnier in Krefeld Fotos
Niklas Weith

32 junge Menschen spielen an diesem Wochenende in Krefeld gegeneinander das Computerspiel "Starcraft II". Es ist ein kleines Turnier, doch mittlerweile sehen ihnen über das Internet eine Million Fans dabei zu.

Seit Donnerstag wird in Krefeld E-Sport getrieben, also professionell am Computer gespielt. Zum zehnten Mal veranstalten Dennis "Take" Gehlen und sein Team den sogenannten Homestory Cup, ein kleines Turnier für internationale Profispieler. Gespielt wird das vom amerikanischen Spielehersteller Blizzard entwickelte "Starcraft II". Die meisten Zuschauer sind allerdings zu Hause geblieben: Das Turnier wird über das Internet übertragen - und gut eine Million sieht am Rechner dabei zu.

"Starcraft II" ist ein Echtzeit-Strategiespiel, in dem sich zwei Kontrahenten auf einer begrenzten Karte gegenüberstehen und versuchen, durch die Kontrolle von Einheiten und Gebäuden die gegnerische Basis zu zerstören. Für Nicht-Gamer erscheint dieses Konzept womöglich nur wie ein weiteres unter Hunderten ähnlichen Spielen. Doch "Starcraft II" ist in seiner Balance ausgeglichen wie kein weiteres Echtzeit-Strategiespiel, bietet unzählige strategische Herangehensweisen und setzt in hohem Maße motorische sowie taktische Fähigkeiten voraus.

"Wie Action-Schach mit Aliens"

Bis zu 400 Aktionen pro Minute führt ein professioneller Spieler aus. Das sind über sechs Befehle pro Sekunde, die er durch Tastatur und Maus seine Einheiten und Produktionsstätten im Spiel ausführen lässt. Dabei verfolgt er wie ein Schachspieler eine Strategie, die allerdings an möglichst sekundengenaue Ausführung gebunden ist. Ein falscher Zug zur falschen Zeit kann schnell über Sieg oder Niederlage entscheiden. Das macht das Spiel für seine Zuschauer so spannend. "'Starcraft II' ist wie Action-Schach mit Aliens", meint Turnierbesucher Otis Bergemann.

In Südkorea werden die Stars der "Starcraft II"-Szene gefeiert wie Popstars und von großen Unternehmen gesponsert, sie erhalten Jahresgehälter im sechsstelligen Bereich. Mit der Professionalisierung der Szene und der zunehmenden Popularität von Online-Computerspielen entwickelte sich auch hier in Europa und in den USA eine E-Sport-Kultur, die man noch vor wenigen Jahren so nicht erwartet hätte. Erst Ende Juli wurde in Seattle ein "Dota 2"-Turnier mit einem Preisgeld von über zehn Millionen Dollar ausgetragen. Beim kleinen Homestory Cup in Krefeld geht es immerhin um 25.000 Dollar. Doch nicht nur das Preisgeld dürfte die Stars der Szene nach Nordrhein-Westfalen locken, sondern vor allem die familiäre Atmosphäre des Turniers.

Ein Turnier fand sogar fast zwei Millionen Zuschauer

Das Konzept des Homestory Cup hat sich seit seiner ersten Austragung nicht verändert, es ist ein Treffen für Profis, Veranstalter und Fans. Lediglich die Dimension hat sich geändert: Die erste Ausgabe des Turniers fand 2010 noch in der privaten Wohnung von Gehlen statt und glich eher einer Lan-Party von Jugendlichen. Jetzt veranstaltet Take TV die zehnte Auflage des Turniers in der rund 2500 Quadratmeter großen Diskothek Königsburg in Krefeld.

Seit Donnerstag spielen hier die internationalen "Starcraft II"-Profis, mit dabei sind diesmal zum Beispiel der Koreaner Lee "Flash" Young Ho und der Deutsche Dario "TLO" Wünsch. Das gesamte Event wird live im Internet über den Streaming-Dienst Twitch übertragen - und auch angesehen: Eines der letzten Turniere verfolgten fast zwei Millionen Zuschauer über das Internet.

E-Sport ist im Kommen, die Veranstaltung wächst

Veranstalter Dennis Gehlen reagiert auf das wachsende Interesse für E-Sport und den Erfolg seiner Firma. Längst macht der das Ganze nicht mehr als Hobby, sondern hauptberuflich. Aus der kleinen Privatwohnung, aus der er 2010 die ersten Streams für seine Zuschauer sendete, ist schnell eine 200-Quadratmeter-Wohnung mit modernem Studio-Equipment geworden. Und demnächst zieht Take TV sogar in eine 2000 Quadratmeter große Halle um, die zu einer Art Gaming-Hochburg ausgebaut werden soll.

"Natürlich ist das riskant", meint der 28-Jährige, "aber wir sehen da so viel Potenzial - und das möchten wir nutzen." Drei Streaming-Studios, ein Shop und ein großer Freizeitbereich für Zuschauer und Spieler werden in der neuen Immobilie Platz finden. Das Ganze wird auch von den Fans über die Crowdfunding-Plattform "Indiegogo" mitfinanziert.

Gehlen hat weder mit dem Erfolg seines Streams, noch mit dem rasanten Wachstum der E-Sport-Industrie gerechnet: "Es ist Wahnsinn - vor Kurzem wurde Twitch für eine Milliarde Dollar von Amazon übernommen. Vor ein paar Jahren hätte ich mir nie vorstellen können, dass das alles mal solche Ausmaße annimmt."

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Die Zuschauerzahl..
wolltsnursagen 16.11.2014
..ist irreführend angegeben. Eine korrekte Angabe wäre 1 Million Hits (keine uniqure Hits!) auf den Stream innerhalb der 4 Tage "on stage" und weitere mehrere Tage "online" Qualifikation. Die tatsächliche Zuschauerzahl die den Stream momentan beim Finale anschaut pendelt stabil bei 40 000.
2.
Shivon 16.11.2014
Ich wünsche, dass Take mit seinem Projekt es langfristig schafft. Denn seit ich Taketv schaue, sehe fast ich kein Fernsehen mehr.
3.
Zeth 16.11.2014
Ausgesprochen guter Beitrag zum Phänomen "Esports". Der Esports hat eine große Zukunft vor sich. Das Wachstum ist riesig, das Potential noch größer. Als Esports-Athlet möchte ich mich bedanken für den objektiven Beitrag.
4.
gruenertee 16.11.2014
Interessant wie sich das mit take entwickelt hat vom wc3 pg, der ab und zu bei Giga Gast (bei Jan und Mark) war, zu dem was er mit dem Homestory Cup und drumrum aufgebaut hat. take hat das geschaft, was z.B. mit Giga 2 nicht gelungen ist - bei dem er massiv beteiligt war. Selber schaue ich ab und zu rein, aber es fehlt einfach die Zeit SC ernsthaft und regelmässig zu spielen sodass die SC Casts nur halb soviel spaß machen wie zu wc3 Zeiten :/ (sync jetzt auf 16:00 Uhr!)
5.
fl4uschi 17.11.2014
Sehr schöner und objektiver Beitrag über Esport, vielen Dank dafür! Außerdem großen Respekt an Take, was er da mit seinem Team aufgebaut hat! Er ist ein sehr symphatischer Kerl und ich schaue ab und zu immer wieder gerne seine Videos an!
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